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Kunst:Tanz der Motoren

Utting,  Raum B1, Ausstellung Matthias Rodach

Zappeln auf Knopfdruck: Künstler Matthias Rodach vor seiner Installation mit drei Scheibenwischermotoren.

(Foto: Georgine Treybal)

Bildhauer Matthias Rodach zeigt in Utting seine wundersame Installation "Auf Knopfdruck" - ein Sinnbild für Zeiten, in denen nichts vorangeht

Von Katja Sebald, Utting

Wenn es nach Matthias Rodach geht, dann soll seine Kunst "auf Knopfdruck" gute Laune verbreiten in dieser auf bedrückende Weise "staaden" Zeit des Jahres 2020. Er wünscht sich, dass schon morgens um sieben die Schulkinder im Vorbeigehen seine Installation in Gang setzen und sich kichernd die Nasen am Schaufenster des Ausstellungsraums "B 1" am Uttinger Bahnhof platt drücken, und dass abends kurz vor zehn noch der eine oder andere Gassigeher innehält und sich von dem wundersamen Gezappel hinter der Scheibe verzaubern lässt.

Das Ganze sei "absolut pandemieunbedenklich", schreibt Rodach in seiner Einladung: Das bewegliche Objekt aus drei Scheibenwischermotoren befindet sich hinter der Scheibe, die Schaltknöpfe wird er am Samstag zur Eröffnung außen montieren. "Auf Knopfdruck" heißt die Arbeit, für die sich der Dießener Bildhauer nicht zum ersten Mal die rotierenden Bewegungen von Wischermotoren zunutze macht. Diesmal hat er drei davon an einem beweglichen Dreieck montiert und diese Konstruktion mit bunten Nylonstrumpfhosen im Ausstellungsraum verspannt. Jeder Motor kann mit einem eigenen Schalter für jeweils zehn Sekunden in Gang gesetzt werden. Je öfter man den entsprechenden Knopf drückt, desto länger bleibt der Motor in Bewegung. Drückt man nun alle drei Knöpfe gleichzeitig und mehrmals nacheinander, schaukeln sich die Motoren gegenseitig zu einer abenteuerlichen Turnübung auf, das schlaksige Gewackel und Gezerre sieht ebenso gefährlich wie komisch aus. An der rückwärtigen Wand entsteht gleichzeitig durch die Motorenbewegungen, zuckenden Verspannungen und Kabel ein wildes Schattenspiel, der ganze Raum scheint in Bewegung. Am Ende jedoch passiert: nichts.

"Irgendwie ist diese Arbeit doch auch ein Sinnbild für die Zeit, in der wir leben", sagt Rodach: "Man macht und tut, setzt Hebel in Bewegung, rotiert und bemüht sich, aber es geht einfach nichts vorwärts." Dieser "Sinnlosigkeit" von Bewegung und Stillstand wohnt jedoch ein durchaus poetischer Zauber inne, vergleichbar vielleicht mit den ungewohnten Frei- und Ruheräumen, die so manch einer im Lockdown entdeckt hat. Und das gilt auch für den normalerweise vielbeschäftigten Künstler selbst, der angesichts des allseits ruhenden Kulturlebens die Zeit gefunden hat, sich diese bezaubernde Merkwürdigkeit auszudenken. Am Samstagnachmittag wird er sie zusammen mit Harry Sternberg, dem Kurator der Ausstellungsreihe im ehemaligen Uttinger Fremdenverkehrsamt, in Betrieb nehmen. Eine Eröffnungsfeier findet nicht statt.

Rodach, 1973 in Lindau geboren, lebt und arbeitet seit 2005 in Dießen. Von der klassischen Bildhauerei kommend, ist er vor allem mit seinen figürlichen Arbeiten im öffentlichen Raum präsent. Spätestens mit der überlebensgroßen Figur "Der Diez", einem Mann mit einem goldenen Fisch im Arm, die seit 2016 auf dem Untermüllerplatz in Dießen steht, dürfte er zum bekanntesten Bildhauer der Region avanciert sein.

Auf Knopfdruck" ist voraussichtlich bis zum 20. Dezember täglich in der Zeit von 7 bis 22 Uhr im Raum "B 1" in Utting, Bahnhofsplatz 1, zu sehen.

© SZ vom 07.11.2020
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