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Konzert:Alle auf Unterzucker

Dubidubidup: Anton Gruber, Greulix Schrank, Richard Oehmann und Tobi Weber (von links) von Café Unterzucker eim Gastspiel im Bahnhof.

(Foto: Arlet Ulfers)

Die Spaßcombo "Café Unterzucker" führt bei ihren Auftritten zu den Maifestspielen in Gauting die Kunst der Spontaneität vor und begeistert Omas, Papas und Kids

Sie haben eine beachtliche Fangemeinde im Würmtal. Jedenfalls war das Eröffnungskonzert mit Café Unterzucker bei den zweiten Gautinger Maifestspielen schnell ausverkauft, eine weitere Vorstellung musste angesetzt werden. Was dem Veranstalter Sebastian Hofmüller auch sofort gelang. Dieses Jahr gebe es, so sagt er in seiner Begrüßung, dank Kalle keine Technikprobleme. Kalle, Tobias McFadden, sitzt an seinem Steuerungsboard und winkt.

Die Anhänger von Unterzucker sind ganz grob geschätzt im Alter zwischen vier und siebzig Jahren und harren aufgeregt der Ankunft der fünf Musikanten, die sich auch "Institut für ungesüßte Kindermusik und unversäuerten Erwachsenenschmarrn" nennen. Ihre Musik ist von Rock'n'Roll, Blues, Bluegrass, Jazz, Italo-Schlagern, Seemannsliedern und irischen Songs inspiriert, die Texte müssen lustig und sollten verdreht sein, sich richtig schön reimen und mit möglichst viel Schmarrn gemischt sein. Alles wie geplant, die Mamas und Papas, die Omis und Opis lachen fast mehr als die Kids, dafür singen diese kräftig mit.

Wozu sie der Frontmann Richard Oehmann, der mit seiner zerrupften Krausfrisur und dem geblümten Sakko im Mittelpunkt steht, ausdrücklich auffordert. Und er bittet scherzhaft darum, "möglichst das Lied zu singen, das wir auch gerade singen". "Wir", das sind: zur Linken des Publikums Toni Gruber, er spielt Mundharmonika und fungiert als Leiter des "Chors der Romantiker", dahinter Greulix Schrank am Schlagzeug, vormals bei der Band "Schweisser", rechts der Mann mit Hut, Tobias Weber, der Gitarre und viele andere Instrumente kann. Hinter ihm Evi Keglmaier mit der imposanten Tuba. Und los geht's mit "Bitte Mammi, hol mich ab", von der zweiten CD, bestens bekannt bei Klein und Groß. Das Lied ist ein Ohrwurm, der Rhythmus lässt sich mit den Füßen schön mitklopfen, die Stimmung hüpft gleich auf neun von zehn.

Als Nächstes gibt es eine Einführung in Rock'n'Roll. Der Chief zieht sein blumiges Sakko aus, stellt den Hemdkragen hoch und stellt sich in Positur. Wichtig sei der Kiekser, sagt er, und der wird geübt. Wie auch der Körpereinsatz und das sich wiederholende Dubidubidup. Rock'n'Roll ist so anstrengend, stöhnt der Chef. Nun übernimmt der blonde Toni Gruber als "Chorleiter" das Dirigieren. Der sei im Würmtal aufgewachsen, wo früher noch die bayerische Sprache gesprochen und verstanden wurde, wie Oehmann lästert. Also stehen nun Mundartlieder an, keine Frage "Hab koa Lust" versteht auch der nördlichste Nichtbayer.

Die besondere Kunst von Café Unterzucker ist, dass sie so spontan wirken, nichts scheint einstudiert, ihr Humor ist wie aus dem Moment geboren. Dass die Toiletten in der ehemaligen Pizzeria im alten Gautinger Bahnhof desolat und eigentlich eine Zumutung sind, passt gut zu ihrem Song über Kacke und Sch... - "das Wort, das man nicht sagen sollte, aber in einem Lied laut mitsingen darf". Naja, sie hätten schließlich aus den Erfahrungen vom vergangenen Jahr gelernt und sich schon mal rechtzeitig die Nasen zugehalten...

Bei dem Song "In deiner Küche riecht's nach Puma" sind alle voll dabei. Stimmt, wann darf man schon mal ungestraft von Scheiße schmettern? Auch die Mamas und Papas, Omis und Opis singen mit, ohne rot zu werden oder sich zu genieren. Nach dem lehrreichen Stück für die Eltern "Nenn mich nie mehr Häsilein", wäre ja dann eigentlich Zeit zum Aufhören, doch das geht nicht. Etwas mit U-A-und E zu rufen, sei durchaus erlaubt, findet der Bandchef. Ja, die Kinder sind schlau und skandieren zUgAbE. Und das gleich mehrmals. Irgendwann, nach zirka eineinhalb Stunden, gibt es noch ein Cowboylied, und alle sind glücklich und zufrieden. Sehr. Und kurz drauf beginnt Vorstellung Numero Zwei.

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