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Kommunalwahl 2020:Entwicklung mit Augenmaß

Gautinger Grüne beschließen ihr Wahlprogramm

Nach intensiver Diskussion haben die Gautinger Grünen einstimmig ihr Wahlprogramm beschlossen. Damit soll ein Kurswechsel angeboten werden, hin zu einer "überlegten, nachhaltigen und zukunftsorientierten Entwicklung". Bürgermeisterkandidat Hans Wilhelm Knape machte klar, wie sich die Grünen einen Ausgleich zwischen lokaler Energie- und Verkehrswende, Gewerbe und Gemeindefinanzen vorstellen. Zu der Debatte kamen mehr als 30 Teilnehmer. Die Grünen haben ihre Mitgliederzahl seit Mai um neun gesteigert.

Die Versammlung war sich einig, dass der jetzt vom Gemeinderat und der Bürgermeisterin verfolgte Weg des "immer Mehr und immer Größer" nicht der richtige sei. Es gehe um "Maß und Mitte", um eine überlegte Entwicklung der Gemeinde. Gauting solle kein bloßer Vorort der Landeshauptstadt München mit gesichtsloser Architektur, betonierter Landschaft und steigendem Autoverkehr sein, der sich bis zum Verkehrschaos entwickle. Knape findet vielmehr, dass "Gauting seinen grünen Charakter, den wir alle schätzen, erhalten" soll. Natürlich solle neues Gewerbe angesiedelt werden, um die Finanzsituation zu verbessern und Spielräume beispielsweise für die Verkehrs- und Energiewende zu schaffen. Doch es komme aufs Augenmaß an.

"Klimaschutz fängt in der Kommune an", so brachte die Landtagsabgeordnete Anne Franke ein zentrales Anliegen der Grünen auf den Punkt. Sie setzt sich dafür ein, dass ein "Klimavorbehalt" eingeführt werde. Damit meint sie, dass Entscheidungen der Gemeinde zunächst auf ihre Auswirkungen auf das Klima und die Umwelt überprüft werden. Matthias Ilg sprach sich für eine Verkehrswende aus, die nicht nur die Autos, sondern auch die Fußgänger und Radfahrer im Blick hat. Öffentlicher Nahverkehr soll Vorrang haben. Das Spannungsfeld von Ökologie und Ökonomie wurde eingehend diskutiert. Die Teilnehmer waren sich einig, dass das Gewerbe gefördert und erhalten werden soll. Dabei sollten Eingriffe in die Natur möglichst vermieden werden.

Genossenschaftswohnungen und die Anwendung der sozial gerechten Bodennutzung sind für die Grünen geeignete Instrumente, auch "Normalverdienern" bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen. Nicht zuletzt sind den Grünen die Förderung der Schulen, von Kultur, Sport und sozialen Einrichtungen ein wichtiges Anliegen.

Das letzte Wort hatte Hans Wilhelm Knape zum Thema "Demokratische Vielfalt und Offenheit in Gauting". Für sein Versprechen, er strebe nach "einer echten Beteiligung der Bürger am politischen Geschehen, einer respektvollen Führung im Rathaus, einem wertschätzenden Umgang und der Bereitschaft zum Kompromiss im Gemeinderat", bekam er große Zustimmung. Als Bürgermeister würde er auch Menschen mit anderer Meinung zuhören und achten, sagte Knape unter dem Beifall der Versammlung.

© SZ vom 31.10.2019