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Kabarett:Witze, Kalauer und kleine Spitzen

Zur Comedy-Lounge lädt das Musikkabarett-Duo "Les Derhosn" nach Gilching ein und bringt die Gäste mit bizarren Alltagserlebnissen zum Lachen

Gilching Monis Brettl, Comedy Lounge

Zwei Gorillas und ein Kabarettist: Um die Ignoranz mancher Menschen zu unterstreichen, steckt Nepo Fitz zwei Zuschauer in Affenkostüme. Er tritt im Programm des Musikkabarett-Duos "Les Derhosn" auf Monis Brettl im Oberen Wirt in Gilching gemeinsam mit Thomas Franz, Annamirl Spies und Michi Marchner auf.

(Foto: Georgine Treybal)

Witze machen um des Witzes willen: Bei der Comedy-Lounge in Gilching fehlt es zwar an politischen oder gesellschaftskritischen Spitzen, doch schaffen es die Kabarettisten auch mit ihren skurrilen und zuweilen bizarren Alltagserlebnissen die zahlreichen Zuschauer im Oberen Wirt zum Lachen zu bringen. Das Musikkabarett-Duo Les Derhosn lädt seit neun Jahren zur Comedy-Lounge ein, dieses Jahr mit den Kabarettisten Thomas Franz, Annamirl Spies und Nepo Fitz, der kurzfristig für den erkrankten Simon Pearce eingesprungen ist.

"Ich bin jetzt 53 Jahre alt, ich muss nicht mehr witzig sein", sagt Michi Marchner, der mit Martin Lidl vor mehr als 30 Jahren die Les Derhosn gründete, die vor allem für ihre amüsanten und komischen Liedertexte bekannt sind. Doch sind sie auch begnadete Musiker, von März an spielen sie im GOP Theater in München mit eigens komponierten Instrumentalstücken beim neuen Varietéprogramm "La Strada". Die Kompositionen, von denen sie zwei auch in Gilching vorführen, sind ruhig und rhythmisch, mal mit einem Hauch von Spanien, mal vermitteln sie ein Gefühl von Japan. Gekonnt setzen sie ein Mischpult ein und erzeugen dadurch einen Klang als stünde ein ganzes Orchester auf der Bühne. Es sitzt noch nicht alles perfekt, die sonst so professionellen und routinierten Künstler wirken fast ein wenig nervös. Doch merkt man sofort, dass es vor allem die Musik ist, die Marchner und Lidl seit mehr als 30 Jahren auf die Bühne zieht.

Dann kommt auch schon der erste Gast des Abends, der Liedermacher Thomas Franz. "Man weiß nie so genau, ist das jetzt lustig oder war das ein Versehen", beschreibt Marchner den Künstler. Mit Schirmmütze, Wollpullover und seiner Gitarre singt er satirische Lieder über schmutzige Raumschiffe die keiner putzt, über seine Zeit als "Gangster-Rapper" in Neukölln oder erzählt mit Sarkasmus von seinem Wunsch, Buchhalter zu werden, wie er aber dann von seinen Eltern dazu überredet wurde doch etwas Gescheites aus seinem Leben zu machen, nämlich Kleinkünstler. Mit seiner schüchternen Art, bei der man Komik so überhaupt nicht erwartet, schafft er es mit leichtherzigen Liedern das Publikum immer wieder aufs Neue mit seinen Scherzen zu überraschen.

"Jetzt kommt die Granddame des bayerischen Kalauers", stellt Marchner dann die Kabarettistin Annamirl vor. Drei Jahre lebte sie mit ihrem Mann in China, nach ihrer Rückkehr in das heimatliche Niederbayern, kann sie gar nicht anders, als die zwei Orte zu vergleichen. Während in China das Essen zum Beispiel grundsätzlich geteilt wird hat in Bayern immer jeder seine eigene Speise: "Auf deinem Teller, hast du deinen Salat, deinen Braten und wenn da einer in den Hochsicherheitstrakt einbricht, hat er schnell mal eine Gabel im Handrücken." Die einzige Gemeinsamkeit sei dagegen die Lautstärke an den Tischen, je lauter desto besser. Auch erzählt sie von bizarren chinesischen Hochzeiten oder den unterschiedlichen Auffassungen von Hygienemaßnahmen. Zwar sind die Vergleiche amüsant, doch sind die Pointen zuweilen recht offensichtlich und erzeugen beim Publikum nicht immer die gewünschten Lacher.

Dann geht es auch schon mit Nepo Fitz weiter, und zum ersten Mal an diesem Abend auch mit ein paar Spitzen. "Jeder hat heute seine eigene Wahrheit", findet Fitz. Man müsse nur ins Internet gehen, ein bisschen recherchieren und könne dann behaupten alles zu wissen. Daher kämen auch die ganzen Verschwörungstheorien und rechtsextremen Strömungen, heraufbeschworen vom "kleinen Mann", der sich von der Welt vergessen fühlt und versucht, das Leben auf eigene Weise zu erklären. Um die Ignoranz mancher Menschen noch zu unterstreichen, verkleidet er zwei Zuschauer als Gorillas und lässt sie seine Bewegungen auf der Bühne nachahmen. Diese pointierte Gesellschaftskritik geht jedoch sofort im nächsten Sketch verloren: Mit blonder Perücke und in Tracht kommt er als "Coach von Nepo Fitz" erneut auf die Bühne und stellt eine Dating-App vor.

Zwar funktionieren nicht alle Sprüche, doch sind die Künstler auf ihre ganz individuelle Weise witzig und zeigen dadurch auch wie vielseitig Kabarett sein kann.

© SZ vom 02.03.2020

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