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Kabarett:Galaktische Fantasie auf Bairisch

Böse Schwestern auf der Bühne

Die Wellküren mit v. li. Burgi Well, Bärbi Well-Pixis und Moni Well-Hösl spießten bei ihrem Rundumschlag in Gauting nicht nur CSU, Internet und Trump auf.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Wellküren bringen ihr Publikum im Gautinger Bosco mit Musik und spitzfindigen Pointen zum Jubeln

Für die Kabarett-Gruppe Wellküren steht fest: "Mia san umgeb'n von Wahnsinnig'n." In einer Welt, in der es besonders dunkel wird, in der Rechtspopulisten die Macht ergreifen, Mauern gebaut und Menschen ausgegrenzt werden, ist es für das Trio umso wichtiger, niemals den Humor zu verlieren. So gründeten die Wellküren-Schwestern, Moni, Bärbi und Burgi Well, ihre "Stugida"-Bewegung - dahinter verbirgt sich in der Langfassung die "Stubenmusik gegen die Idiotisierung des Abendlandes" - und verpackten diese in das Programm "Abendlandler", für das sie am Freitag im ausverkauften Bosco großen Jubel einholten.

Das Dreigesang-Trio, das seit 33 Jahren auf der Bühne steht, schafft, was nur wenige Kabarettisten können: Ihre Pointen sind bissig, frech, zeitgemäß und zugleich unterhaltsam. Dabei kritisieren sie in bairischer Mundart Gesellschaft und Politik, ihre traditionelle Volksmusik wird als ironisches Stilmittel eingesetzt.

Emanzipation geht auch in Bayern. Moni regt sich darüber auf, dass in alten bairischen Volksliederbüchern Frauen ausschließlich übers Fensterln und die Liebe definiert werden. Und sie denkt sich: "Wos mach ma denn mit 50, do kimmt jo koana mehr?" So revolutionieren die Wellküren ihre Lieder eben selbst: Statt übers Fensterln singen die Damen über Markus Söder, der sich besser als Biene verkleiden sollte, und Alice Weidel, die ihrer Meinung nach so viele Haare auf den Zähnen hat, dass jeder einzelne eine Frisur trägt. Die Kabarettistinnen drücken ihren Unmut über die bayerische Asylpolitik aus. Mit scharfsinniger Ironie unter dem Motto "den schick ma wieda hoam", blasen die Damen den Politikern den Marsch.

Die Instrumente der Schwestern sind so vielfältig wie ihr Programm: Mit Hackbrett, Sopransaxophon, Harfe, Tuba, Gitarre, Posaune und Ukulele lassen die Schwestern das Publikum unter anderem zu Mozarts A-Dur Klaviersonate in einer speziellen G-Dur Version lauschen. Neben ihrer Nina-Simone-Hommage "Mei Oida, der schaut auf mi" im Stubenmusikformat dürfen auch die Nonnentrompeten nicht fehlen. Der Name rührt daher, weil dieses Instrument früher hauptsächlich von Klosterfrauen gespielt wurde.

Wenn das Trio sich nicht gerade über die Weltpolitik oder die CSU aufregt, erzählen die drei Schwestern von Alltagssituationen und ihrem Leben in der Großfamilie. Monis größtes Problem in ihrer Kindheit war: "I hob immer g'redt und koana hod zuag'hert".

Natürlich ist das jetzt nicht mehr der Fall. Nun kann sie mit ihren Schwestern über Männer schimpfen, die denken, dass sie Fußball spielen, wenn sie am Wochenende vorm Fernseher sitzen, um Bundesliga zu schauen. Auch ihre Witze über Herren, deren Nasen und Ohren im Alter immer größer werden, kamen gut an. Bei dem Lied über die "Maratonga Bar", in der Überlebende auf Hinterbliebene mit verschrumpelten Tattoos treffen und sich nur noch über Krankenhäuser, Friedhöfe und Doktoren unterhalten, bogen sich die Zuschauer vor Lachen. Zwischendurch ging die politische Schärfe zwar etwas unter, aber eines blieb bestehen: der Humor.

Zum Abschluss zeigte das Trio dann noch einmal seine gesamte Sprachgewalt: In ihrem "Stubenmusical" erzählten sie von einem imaginären Bayern, wie es ist, wie es war und wie es einmal sein könnte. In drei Akten, begleitet von der Melodie aus dem Film "Spiel mir das Lied vom Tod", beschreiben die Wellküren ein Bayern, in dem die CSU noch die absolute Mehrheit hatte, das Bier noch dunkel und die Buam geschmeidig waren. Doch dann kommt es zum Niedergang unter Markus Söder und Horst Seehofer, die mit der Angst ihrer Untertanen spielen und dabei ihre Macht verlieren. Auch die von Putin beigesteuerte Kalaschnikow kann Seehofer in seinem Kampf gegen Berlin nicht beistehen. In all ihrer Verzweiflung fliehen die beiden Politiker ins Weltall, um neue Wählergalaxien zu erobern - bis ihnen der Diesel ausgeht. Mit dieser kosmischen Aussicht lassen die Schwestern ihr Publikum nach Hause gehen: Die Fantasie der Wellküren hat eindeutig galaktische Züge angenommen.