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Inklusion:Teamgeist beim Motorenbau

Inning IWL Torqeedo

Hoch konzentriert steckt Patrick Vogl winzige Schrauben in ein Bauteil für einen elektrischen Bootsmotor. Seine Arbeit wird geschätzt.

(Foto: Georgine Treybal)

In der Fertigungshalle der Firma Torqeedo in Inning sind auch Mitarbeiter aus den IWL-Werkstätten in Machtlfing beschäftigt. Unternehmens-Manager Ralf Plieninger lobt das "extrem hohe Qualitätsniveau" ihrer Arbeit.

Fast traut er sich nicht, es zu sagen, wenn einer der Chefs dabei steht, aber Markus Wilfert gefällt es richtig gut hier bei Torqeedo. Besser sogar als in der Behindertenwerkstätten in Machtlfing, wo er sonst als Schreiner arbeitet. "Hierher kann ich selbständig mit dem Bus fahren", sagt er. In der Fertigungshalle im Inninger Gewerbegebiet faltet der Gautinger an diesem Donnerstag zwar nur Kartons, aber es ist mal etwas anderes. "Zwei Kolleginnen pflichten ihm eifrig bei: "Wir sind ein Team hier. Wir arbeiten alle zusammen, und wir machen auch mal Spaß." Torqeedo-Manager Ralf Plieninger wiederum lobt das "extrem hohe Qualitätsniveau", verschweigt die finanziellen Vorteile für sein Unternehmen nicht und kündigt an: "Die Kooperation funktioniert so gut, dass wir darüber nachdenken, das noch zu erweitern." Die Firma baut hier elektrisch angetriebene Bootsmotoren zusammen, die dann weltweit verkauft werden, bis nach Australien, Kanada oder auf den Fidschi-Inseln, wie Plieninger stolz erzählt.

So also kann sie aussehen, eine Zusammenarbeit der Isar-Würm-Lech-Werkstätten (IWL) mit einem Wirtschaftsbetrieb im Landkreis. Es ist nur eines von mehreren Beispielen. So arbeiten Menschen mit Behinderungen, die sonst in Machtlfing betreut werden, auch bei dem Dentaltechnikhersteller 3M in Seefeld und bei der Klosterbrauerei in Andechs. Außerdem gebe es noch verschiedene einzelne Arbeitsplätze, berichtet Marco Rieth, der IWL-Betriebsleiter in Machtlfing, wo derzeit etwa 180 Menschen mit einem mehr oder weniger großen Handicap beschäftigt sind. Die Außenjobs in der freien Wirtschaft sind sehr begehrt. "Die Leute kommen dann mal raus", erklärt Rieth, "aber das kann nicht jeder machen."

Eine Zusammenarbeit der IWL-Werkstätten für Menschen mit Behinderung mit dem Motorhersteller existiert schon seit mehr als zwei Jahren; in Machtlfing werden im Auftrag von Torqeedo bestimmte Aufträge erledigt, zum Beispiel Verkabelungen vorbereitet. Im vergangenen Herbst sind die Geschäftspartner einen Schritt weiter gegangen, so dass nun die Arbeit direkt in der Firma erledigt wird. Seit Plieninger die Halle in Inning angemietet hat, war von Anfang an der IWL-Betriebsleiter Alexander Härtl involviert. Bezahlt wird pro Stück, daher kann es der Unternehmensführung egal sein, wie lange Arbeitsschritte dauern. "Die Konditionen, die wir als Unternehmen bekommen, sind sehr vernünftig", erklärt Torqeedo-Manager Plieninger bei einem Rundgang unumwunden. Die Zusammenarbeit mit den IWL-Werkstätten sei daher schon allein wirtschaftlich sinnvoll.

So kommen nun jeden Tag fünf bis sechs Mitarbeiter aus Machtlfing zusammen mit drei Fachkräften nach Inning, packen Kabel und Gebrauchsanleitungen ein, stecken Schrauben in Bohrungen, falten Kartons. Patrick Vogl zum Beispiel erledigt seine Aufgabe bei der Motorenmontage mit großer Ausdauer, Konzentration und Ruhe. Betreuer Roland Hobelsberger ist einer von denen, die dafür zuständig sind, dass das vereinbarte Pensum am Ende der Woche auch erfüllt wird. "Das Arbeitstempo ist ganz unterschiedlich", weiß er; im gleichen Zeitraum packe einer 30 Schachteln, der andere 150. Darum muss er seine Schützlinge je nach ihren Möglichkeiten einsetzen. "Wir kriegen das mittlerweile sehr gut hin", lautet sein Fazit.

IWL-Betriebsleiter Rieth betont einen anderen Aspekt abseits wirtschaftlicher Erwägungen, der ihm bei dieser Kooperation wichtig erscheint: "Es geht hier um Wertschätzung. Jeder Mensch definiert sich über das Thema Arbeit. Und es kann auch mal wichtig sein, woanders zu essen oder mit Personen zusammenzuarbeiten, die nicht behindert sind." Der Schreiner Markus Wilfert würde das wohl mit voller Überzeugung bestätigen.