Gemeindefinanzen:"Die nächsten Jahre werden ein Ringen"

Gemeindefinanzen: Bürgermeister Christian Schiller ist trotz der klammen Finanzlage optimistisch: "2010 war eine Finanzkrise, da wussten wir zuerst auch nicht, wie wir das bewältigen."

Bürgermeister Christian Schiller ist trotz der klammen Finanzlage optimistisch: "2010 war eine Finanzkrise, da wussten wir zuerst auch nicht, wie wir das bewältigen."

(Foto: Monika Skolimowska/dpa)

Herrsching rechnet 2024 zwar mit höheren Steuereinnahmen, doch gleichzeitig steigen die Abgaben an den Landkreis. Vereine müssen darum um Zuschüsse bangen.

Von Tim Graser, Herrsching

Die gute Nachricht zuerst: Der Haushalt der Gemeinde Herrsching steht, die Verwaltung ist damit zum 1. Januar 2024 handlungsfähig. Der Finanzplan, den die Gemeinderäte am Montagabend gegen die Stimmen der FDP mehrheitlich verabschiedeten, setzt den Sparkurs der Gemeinde fort und ist dementsprechend knapp bemessen: 31,8 Millionen Euro beträgt das Haushaltsvolumen für 2024. Sollten unvorhergesehene Ausgaben hinzukommen, müsste die Gemeinde einen Nachtragshaushalt beschließen.

Vor allem die Kreisumlage, der Betrag, den die Gemeinden an den Landkreis überweisen müssen, schwebt wie ein Damoklesschwert über den gemeindlichen Finanzen. 2024 wird die Umlage ein neues Rekordhoch erreichen. Kämmerin Miriam Goodwin hatte vorsichtshalber schon einmal mit einem Hebesatz von 54 Prozent gerechnet - 10,2 Millionen Euro lautete die Position im Haushaltsplan. Jetzt sind es wohl doch "nur" 53,7 Prozent, trotzdem ist die Kreisumlage die mit Abstand größte Position bei den Ausgaben.

Im Gemeinderat war man deswegen entsprechend verbittert: "Da erwartet uns Böses", sagte der parteilose Bürgermeister Christian Schiller mit Blick in die Zukunft. "Auf über elf Millionen Euro" werde man in den kommenden Jahren kommen, sagte Kämmerin Goodwin. Seit 2020 stieg die Kreisumlage beständig von damals 49,35 Prozent auf nun 53,7 Prozent. Die Gemeinden hätten deswegen "immer weniger finanziellen Spielraum", so die Kämmerin.

Um die klamme Kasse der Kommune nicht noch weiter zu belasten, werden in Herrsching 2024 deswegen auch keine neuen Darlehen aufgenommen. Für Dezember dieses Jahres ist zwar noch ein Kredit in Höhe von 1,6 Millionen Euro geplant, aber für 2024 will man die Kasse nicht noch mit mehr Zinsen belasten. Die Schulden belaufen sich zum Jahresende ohnehin schon auf 1,8 Millionen Euro und die liquiden Mittel sind quasi aufgebraucht. Letztere beliefen sich zum Ende 2022 noch auf 4,4 Millionen Euro. Der Spielraum wird somit enger. Sollten kommendes Jahr unvorhergesehene Ausgaben auf die Gemeinde zukommen, müsste Herrsching im Rahmen eines Nachtragshaushalts noch mehr Schulden machen.

Trotz aller Unkosten stünde die Gemeinde verhältnismäßig solide da, so die Kämmerin. Die Wirtschaft in Herrsching wuchs vergangenes Jahr, sowohl die Einkommens- als auch die Gewerbesteuer setzte die Verwaltung für 2024 deswegen höher an: "Wir rechnen mit einer Million Euro mehr Steuern", so die Kämmerin. Zusätzlich stehen zwei Grundstücksverkäufe an, rund 2,4 Millionen Euro soll das in die Kasse spülen.

Wassersportler bekommen 20 000 Euro

Wie sich der Sparkurs bemerkbar macht, bekamen am Montag die Wassersportler vom TSV Herrsching zu spüren. 70 000 Euro hätten sie ursprünglich gerne für die Sanierung ihres Vereinsheims bekommen, hatten dann jedoch wegen der schlechten Kassenlage auf knapp 38 000 Euro zurückgeschraubt. Bürgermeister Schiller war trotzdem dagegen, den Zuschuss zu gewähren. "Das ist vielleicht der falsche Zeitpunkt", sagte Schiller. Christiane Gruber (BGH) schlug vor, zugunsten des TSV auf die Anschaffung eines neuen "Utility Task Vehicles" (ein kleiner Unimog für unwegsames Gelände) für die Feuerwehr zu verzichten, was der Bürgermeister jedoch vehement ablehnte. Die Ausstattung der Feuerwehr sei im Gegensatz zur Vereinsbezuschussung eine gemeindliche Pflichtaufgabe, so Schiller. Die Gemeinderäte stimmten dann schließlich doch noch für einen Zuschuss von 20 000 Euro für das Vereinsheim der Wassersportler, der muss allerdings aus den laufenden Krediten finanziert werden.

Miriam Goodwins Fazit klang am Montagabend gleichsam hoffnungsvoll wie ernüchternd: Die Steuereinnahmen seien ansehnlich und auch das Investitionsvolumen bleibe mit 5,8 Millionen Euro hoch. Trotzdem, "die nächsten Jahre werden ein Ringen. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass freiwillige Leistungen weiterhin übernommen werden können." Bürgermeister Schiller gab den Mutmacher: "2010 war eine Finanzkrise, da wussten wir zuerst auch nicht, wie wir das bewältigen." Damals reagierte der Gemeinderat mit klaren Schwerpunkten in der Finanzplanung. "Auch jetzt müssen wir wieder Prioritäten setzen", so Schiller.

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