Handwerk:Nägel mit Köpfen

Zwei Jahrzehnte lang musste sich die Zimmerei Gansneder mit einer kleinen Werkstatt in Pöcking begnügen und Kompromisse eingehen, nun hat sie ihren neuen großzügigen Firmensitz am Schmalzhof bezogen. Der Betrieb setzt auf Fotovoltaik und E-Autos

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Pöcking

Der holzverkleidete Neubau der Zimmerei Gansneder ähnelt einem oberbayerischen Bauernhaus mit seinen Holz-Balkonen und Regenrinnen aus Kupfer. Ein regionales Erscheinungsbild hatte die Gemeinde Pöcking bei der Vergabe der Parzellen im neuen Gewerbegebiet Schmalzhof auch vorgeschrieben. Die hochwertige Innenausstattung aus wunderschön gemasertem, alten Holz von einem aufgelassenen Stadel hat Zimmerermeister Ludwig Gansneder indes mit seinem Partner Volker Fiedler selbst ausgesucht. "Wir verbringen mehr Zeit hier als zuhause. Da soll es schön sein", sagt der Betriebsleiter.

Die Büros im ersten Stock sind weiträumig mit Glaswänden unterteilt und haben große Fenster. Gansneder liebt den Blick von seinem Schreibtisch aus über das Hofgut Schmalzhof und über die Felder. "Ich genieße es, dass ich es so hell habe - das Licht, den schönen Ausblick und die Werkstatt gleich nebenan", freut er sich. Mehr als 20 Jahre lang musste Gansneder um den neuen Standort kämpfen. Vor drei Jahren startete die Gemeinde die Ausschreibung für die Grundstücke im Gewerbegebiet. Gansneder, der damals Fiedler als Teilhaber und Partner mit ins Boot geholt hatte, bekam den Zuschlag für die Parzelle in Erbpacht. Voraussetzung war, dass er einen Handwerkerhof baut und einen Teil des Gebäudes an mindestens zwei weitere Betriebe vermietet.

Ein Jahr wurde geplant, im Februar 2020 war Baubeginn. Nach nur einem knappen Jahr Bauzeit war das etwa 2,5 Millionen Euro teure und 2400 Quadratmeter große Gebäude mit einer Grundfläche von 1206 Quadratmetern fertig. Die etwa 700 Quadratmeter große Werkstatt ist seit Januar in Betrieb, im April sind fünf Mieter eingezogen, darunter ein Betrieb für Trockenbau, Medizintechnik sowie eine Immobilienfirma. Anfang Mai sind die letzten der 22 Mitarbeiter in das Gewerbegebiet umgezogen. Der alte Betrieb in der Pöckinger Ortsmitte wurde an eine Druckerei vermietet.

Den beiden Chefs ist die Erleichterung anzusehen. Die hohen Investitionen haben sich gelohnt. Die Zimmerei läuft gut, die Auftragsbücher sind bis September voll. "Jetzt können wir toll ausbilden," freut sich Gansneder, der jedes Jahr bis zu drei neue Lehrlinge einstellt. Nach eigenen Angaben hatte er bislang immer wieder Aufträge ablehnen müssen, weil die Kapazitäten nicht ausreichten. Als Beispiel nennt er den Auftrag des Arzneimittelherstellers Mauermann, seines neuen Nachbarn. Wie Gansneder vorrechnet, hat der Dachstuhl des Mauermann-Neubaus eine Fläche von 18 Einfamilienhäusern. Das habe er nur am jetzigen Standort abwickeln können.

Zimmerei Gansneder ist umgezogen

Der Chef Ganseder will bald nicht nur einen E-Gabelstapler, sondern auch strombetriebene Autos einsetzen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Mit der Pöckinger Firma Mauermann sind Synergieeffekte geplant. Gansneder heizt seinen Neubau mit der Abwärme aus der Produktion des Arzneimittelherstellers. Erstmals müssen die Zimmerer und Spengler im Winter nicht mehr frieren, da die Werkstatt über eine Fußbodenheizung verfügt. Mit der Fotovoltaikanlage auf dem Dach wird zudem der eigene Strom produziert. Künftig will der Betrieb auf elektrobetriebene Fahrzeuge umsteigen, einen E-Gabelstapler gibt es bereits. Später sollen die Baustellen ebenfalls mit E-Fahrzeugen angefahren werden.

Die Zimmerei ist 1976 von Gansneders Vater direkt neben dem Wohnhaus gegründet worden. Schon bald wurde es in der Ortsmitte zu eng. Andere Handwerkerkollegen in Pöcking hatten ebenfalls Probleme, ihre Betriebe im Dorf zu erweitern. Sie gründeten einen Gewerbeverband und forderten einen Handwerkerhof. Doch die Grundstücksverhandlungen zogen sich wegen der hohen Preise in die Länge, und die Probleme der Zimmerei wurden immer größer. Ein wichtiges Standbein des Betriebs ist die Herstellung von Dachstühlen, das war in der alten Werkstatt nur im Freien möglich. Wegen des Lärms wurde Gansneder 2011 von einem Nachbarn verklagt. Der Betrieb verlegte daraufhin lärmintensive Arbeiten in eine Halle nach Maising - mit großen Nachteilen. Zwei Standorte bedeuteten zwei Maschinenausstattungen und zwei Arbeitsteams. Manche Arbeitsabläufe überschnitten sich. Das Material musste mehrmals am Tag hin- und hergefahren werden, zumal mit der Spenglerei in Traubing ein dritter Standort dazukam.

Als Fiedler vor drei Jahren als Partner einstieg, wurde der Betrieb um die Produktion von Massivholzhäusern erweitert. Sie werden schlüsselfertig geliefert inklusive Dachziegel und Wärmedämmung. Als Zusatzleistung wird die Bauleitung für alle Gewerke angeboten.

Die Fläche im Neubau fülle man sehr gut aus, aber größer wolle man nicht werden, sagt Gansneder. Und sein Partner Fiedler fügt hinzu: "Wir sind erst mal glücklich, so wie es ist."

© SZ vom 21.05.2021
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