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Gesundheit:Training gegen das Burnout

Nach einem Umbau des früheren Generali-Schulunghauses in Höhenried eröffnet die Rentenversicherung dort ein neues Präventionszentrum. Kursteilnehmer befassen sich mit gesunder Ernährung und Fitness.

Überall wird gehämmert und gebohrt. Im Foyer stehen Umzugskisten und Möbelteile. Arbeiter entfernen die Schutzfolie von roten Sesseln, die auf die 76 Zimmer gebracht werden müssen. Nur eine Fußmatte im Eingangsbereich mit dem Generali-Logo erinnert noch daran, dass das Gebäude in Bernried Jahrzehnte das Schulungszentrum des Konzerns beherbergte. Im April hat die Klinik Höhenried das 8500 Quadratmeter große Areal gekauft, um es als Präventionszentrum zu nutzen. In nur drei Monaten wurde das Gebäude aus den Siebzigerjahren saniert. In der kommenden Woche wird die erste Gruppe in der Einrichtung starten.

Robert Zucker, Geschäftsführer der Klinik Höhenried, einer Reha-Einrichtung der Deutschen Rentenversicherung, ist sichtlich erleichtert, dass er den Zeitplan für den Umbau einhalten konnte. Über den Kaufpreis selbst wurde Stillschweigen vereinbart. Er verrät nur, dass das Generali-Schulungszentrum vergleichsweise günstig zu erwerben gewesen sei. Die Nutzungsmöglichkeiten sind beschränkt, da das Areal im Bebauungsplan als Seminarhaus festgesetzt ist.

Etwa 50 Prozent der Zimmer im neuen Präventionszentrum sind vor ein paar Jahren renoviert worden. Der Rest musste saniert und die Bäder mussten erneuert werden. Die Möblierung ist ebenfalls neu und entspricht einem hohem Hotelstandard. Auch Schwimmbad-, Sauna-, Aufzugs- und Haustechnik mussten auf den neuesten Stand gebracht und die Räume im Keller für Diagnostik und Therapie umgebaut werden. Die Fitnessgeräte wurden von der Klinik Höhenried übernommen, die Ergometergeräte sind neu. In einem gemütlichen Stüberl im Keller mit Billard- und Kickerspiel können die Gäste ihre Freizeit verbringen. Vom Schwimmbad- und Saunabereich aus gibt es einen direkten Zugang zum Garten, der von außen nicht einsehbar ist. Insgesamt wurden für den Umbau laut Zucker etwa zwei Millionen Euro investiert.

Wenn der Betrieb einmal voll ausgelastet ist, können fünf Gruppen mit jeweils bis zu 15 Personen gleichzeitig betreut werden. Derzeit stehe jedoch noch nicht das notwendige Personal zur Verfügung, erklärt Geschäftsführer Zucker. Nach Angaben der kaufmännischen Leiterin Katja Latayka wurden die ehemaligen Mitarbeiter des Schulungszentrums übernommen, Reinigungspersonal allerdings werde noch gesucht.

Das Präventionsprogramm ist ein relativ neues Angebot der Rentenversicherung. Erste Kurse fanden auf Schloss Höhenried statt, allerdings nur in beschränktem Ausmaß, weil dort ausreichend Platz fehlte. Laut dem Geschäftsführer, der die Idee für das Präventionszentrum hatte, kann das Programm nun in dem neuen Gebäude ausgebaut und erweitert werden.

Kostenfaktor Krankheit

Nach Untersuchungen des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen sind Arbeitnehmer durchschnittlich 16,4 Tage pro Jahr krank. Pro Krankheitstag geht Unternehmen nach den Berechnungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit eine Bruttowertschöpfung von 165 Euro verloren. "Sinnvolle Präventionsmaßnahmen helfen jeder Firma Kosten zu senken", erklärt daher Klinik-Geschäftsführer Robert Zucker. Aus diesem Grund habe die Deutsche Rentenversicherung das Präventionsprogramm unter dem Motto "Prävention vor Rehabilitation vor Rente" gestartet. Jeder Arbeitnehmer kann an dem Gesundheitsprogramm teilnehmen und über seinen Haus- oder Werksarzt einen entsprechenden Antrag stellen. Die Kosten trägt die Rentenversicherung. sbh

Eine Einheit dauert jeweils neun Monate. Sie startet mit einer Bestandsaufnahme sowie Schulungen zu Themen wie gesunde Ernährung oder Fitnesstraining in Bernried. Nach der Initialwoche gehen die Teilnehmer wieder in die Arbeit, und das Trainingsprogramm wird ambulant von einem Trainer überwacht. Nach neun Monaten kommen die Teilnehmer wieder nach Bernried, und die Fortschritte werden überprüft. Das Programm ist geeignet für Arbeitnehmer bei drohendem Burn-out, oder wenn deren Gesundheit gefährdet ist, beispielsweise durch Schichtarbeit, Bewegungsmangel oder Lärm und Stress. Bislang wurden solche Präventionsmaßnahmen für Mitarbeiter von Großkonzernen angeboten. Nun können auch Mitarbeiter mittlerer Unternehmen daran teilnehmen und sogar Einzelpersonen. Die erste Gruppe von Arbeitnehmern, die hier die einwöchige stationäre Initialphase verbringt, sind Mitarbeiter des Münchener Flughafens.

Insgesamt 1500 Teilnehmer haben das Programm bisher auf Schloss Höhenried absolviert. Laut Zucker haben die Teilnehmer dabei durchschnittlich sieben Kilogramm Gewicht verloren. Es habe nur sehr wenige Abbrecher gegeben.