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Fünfseen-Filmfestival:Vamos, ihr Erdenbürger!

Ein blasses Science-Fiction-Drama aus dem faszinierenden Kuba

"Die außergewöhnliche Reise der Celeste Garcia" erzählt von der 60-jährigen Ex-Lehrerin Celeste, die im heutigen Kuba im Planetarium arbeitet und Schulklassen über ferne Galaxien unterrichtet. In ihrem Leben passiert nicht viel Spannendes, bis eine Gruppe Aliens vom Planeten "Gryok" die Menschheit einlädt, eine Reihe von Abgesandten auf ihren Planeten zu schicken. Celeste packt die Gelegenheit beim Schopf und tritt eine Reise an, die sie mit wenigen anderen darauf vorbereiten soll, der fremden Spezies von der Erde zu berichten. Die Menschen, die mit ihr in dem Vorbereitungscamp landen, haben unterschiedliche Motive, warum sie auf den fremden Planeten gelangen wollen. Und nicht alle davon sind rühmlich.

Der Film von Regisseur und Drehbuchautor Arturo Infante ist keine bloße Science-Fiction-Komödie. Denn obwohl er größtenteils die Vorbereitung der Menschen auf die Ankunft der Gryokaner zeigt, sind die Themen, die eine Rolle spielen, eher die eines romantischen Dramas. Celeste haben schlechte Erfahrungen geprägt. Ihr erster Ehemann hat sie misshandelt. Sie hat deshalb das Vertrauen zu Männern und in sich selbst verloren, findet es aber auf ihrer Reise zurück. Leider ist der Film ansonsten fast pointenlos und hinterlässt den Zuschauer in Gauting mit einem Achselzucken.

Dafür, dass er von Celestes Emanzipation und Reise zu sich selbst handeln soll, gibt es zu wenig Anhaltspunkte. Zwar deutet metaphorisch einiges darauf hin, dass Celestes innere Reise die wichtigere ist, dafür schenkt der Regisseur aber ihrer Entwicklung zu wenig Aufmerksamkeit. Und auch das Alien-Thema kann weder inhaltlich punkten, etwa mit spannenden futuristischen Ideen, noch mit besonders schönen Bildern. Auch die unterschiedlichen Motive der "Auserwählten", den Planeten zu verlassen, werden immer nur kurz angerissen, etwa die Sehnsucht nach dem Ungewissen wie bei Celeste oder die Selbstverwirklichung als Star-Musiker. Das jedenfalls treibt ihren Zimmernachbarn im Trainingscamp an.

Was "Die außergewöhnliche Reise der Celeste Garcia" sehenswert macht, ist eindeutig der erdverhaftete Teil: Havannas Straßen und Gebäude, so verfallen sie sind, bilden einen großartigen Schauplatz. Und die kubanische Lebensart, die familiären Beziehungen der Nachbarn in den Blocks und das gemeinschaftliche Treiben größtenteils auf den Straßen und vor den Laden- und Haustüren ist faszinierend. Mancher Zuschauer mag zwar einen milden Kulturschock erleben, weil das Land so kaputt ist, aber die Kultur, die Sprache (spanisch im Original mit Untertiteln) und das Temperament der Leute lässt das Fernweh nach dem terrestrisch Fremden auch im Zuschauer wachsen.

© SZ vom 02.09.2020

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