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Fünfseen-Filmfestival:Berauschende Unterhaltung

Patience heißt Geduld, aber Patience Portefeux ist es leid. Der Heimplatz für ihre Mama verschlingt Unsummen, ihr Job bei der Polizei ist lausig bezahlt, und es macht auch nicht viel Spaß, abgehörte Telefonate arabisch sprechender Dealer ins Französische zu übersetzen. Also wechselt Madame Portefeux (Isabelle Huppert) die Seiten: Sie sabotiert die Festnahme eines Kuriers, der eine Tonne Haschisch in seinem Lkw geladen hat und die Fracht schnell abseits der Hauptstraßen versteckt. Macht mit einem pensionierten Drogenhund namens DNA den Stoff ausfindig. Und vertickt das Zeug alsbald in Paris.

Jean-Paul Salomé setzt in "Eine Frau mit berauschenden Talenten" (im Original: "La Daronne", die Alte) auf eine vielschichtige Mischung aus nonchalanter Komödie und Drama mit einem Schuss Krimi. Den Frauen kommt in dem Katz- und Maus-Spiel, das am 9. September, 20 Uhr, noch mal in Seefeld läuft, die Hauptrolle zu. Isabelle Huppert ist mal die mondäne Madame Hasch, mal die verletzliche Patience, die keinen an sich ranlässt, mal die Coole mit Pokerface. Farida Ouchani gibt die herrlich zwielichtige Hausverwalterin Colette und Liliane Rovère die schrullige Mama. Die Männer sind entweder zu ehrlich oder dumm wie Brot und essen Hamburger mit Soße "Samurai". Salomé setzt seine absurd abgedrehten Pointen so leichthin, als wäre das alles selbverständlich. Trotzdem bleibt die Geschichte einer Missetäterin, die davonkommt, nur elegante, witzige Unterhaltung.

© SZ vom 04.09.2020 / sum

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