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Entwicklungshilfe:Botschafterin für die Armen

Neben ihrer Entwicklungsarbeit studiert Natalia Loyola Daiqui Philosophie und Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

(Foto: privat/oh)

Natalia Loyola Daiqui aus Gilching engagiert sich in Brüssel

Von Isabella Falkner

In extremer Armut, also mit weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag und Kopf leben, ist das noch menschenwürdig? Nein, aber trotzdem gibt es vor allem in Entwicklungsländern nach wie vor viele Menschen, die unter solchen Umständen ihr Leben bestreiten müssen. Das findet die Studentin Natalia Loyola Daiqui aus Gilching absolut ungerecht. Sie ist deshalb zum Europaparlament nach Brüssel gereist, um etwas zu ändern.

Die 23-Jährige möchte Abgeordnete des EU-Parlaments dazu bewegen, das One-Vote-Versprechen zu unterzeichnen. Daiqui ist seit Februar dieses Jahres One-Jugendbotschafterin. One ist eine internationale Bewegung, die das Ziel hat, extremer Armut und vermeidbaren Krankheiten bis 2030 ein Ende zu setzen. "Denn Armutsbekämpfung ist der erste Schritt, dass Menschenrechte wahrgenommen werden können", erklärt Daiqui.

Auch wenn sie nicht in der Funktion als One-Jugendbotschafterin unterwegs ist, sind Menschenrechte für sie ein wichtiges Thema. Die 23-Jährige studiert Philosophie und Rechtswissenschaften an der Münchner Ludwigs-Maximilians-Universität, auch beruflich wäre für sie Menschenrecht eine Perspektive: "Ich weiß, dass ich privilegiert bin, in Deutschland aufgewachsen zu sein, eine Schulausbildung gemacht zu haben, studieren zu können. Und für mich ist der verpflichtende Teil dieses Privilegs, für Menschenrechte zu kämpfen. Das ist für mich eine Frage der Gerechtigkeit." An der Uni war sie zwei Jahre lang für die Refugee Law Clinic tätig, eine ehrenamtliche Organisation, die Studierende und andere Interessierte ausbildet, Geflüchtete in Rechtsfragen zu beraten.

Die überparteiliche Organisation One möchte Aufsehen erregen, über Missstände informieren, auf Machthabende Druck ausüben. Deshalb wurde das One-Vote-Versprechen ins Leben gerufen, mit dem Jugendbotschafterinnen und Jugendbotschafter schon häufiger an Politikerinnen und Politiker herangetreten sind. Auf der Deklaration werden die Abgeordneten an Ziele erinnert, die die EU eigentlich schon mit den Mitgliedsstaaten vereinbart hatte, beispielsweise die Verpflichtung, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens in Entwicklungsarbeit zu investieren.

Dabei handele es sich nicht um ein rechtlich bindendes Versprechen, "es ist eher eine allgemein gehaltene Verpflichtung, die Einhaltung können wir nicht einklagen, aber dennoch ist es ein politisches Druckmittel", sagt Daiqui. Sie will als eine von 29 Botschafterinnen mit vier Abgeordneten über Armutsbekämpfung und die Rolle der EU reden: mit Lefteris Christoforou aus Zypern, Maite Pagazaurtundía aus Spanien und den Vizepräsidenten des Europaparlaments, Heidi Hautala aus Finnland und Othmar Karas aus Österreich. Das macht sie jeweils in Dreiergruppen.

Daiquis ersten Gespräche liefen gut, Hautala und Christoforou haben das Versprechen schon unterzeichnet, mit den anderen beiden Abgeordneten stehen die Unterredungen noch bevor. Sogar Abgeordnete, mit denen sie keinen Termin hatte, haben das Versprechen auf dem Gang unterzeichnet. Daiqui ist zuversichtlich: "Wir haben jetzt schon 191 Unterstützerinnen und Unterstützer im EU-Parlament, damit sind wir stärker als die stärkste Partei." Ihr sei besonders wichtig, in den Gesprächen deutlich zu machen, dass sich die Armutsbekämpfung zuletzt verlangsamt habe. "Deshalb brauchen wir gerade jetzt, gerade für das nächste EU-Budget ehrgeizige Ziele", sagt sie.

© SZ vom 06.11.2019

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