Einkaufen:Mode auf Rock'n Roll-Tour

Wer im Einzelhandel in Pandemiezeiten überleben will, muss sich einiges einfallen lassen. Die Starnberger Designerin Bettina Krebs holt sich nun einen Pop-up-Store ins Haus - für besondere Einkaufserlebnisse

Von Peter Haacke, Starnberg

Dem Einzelhandel geht es schlecht, die Corona-Pandemie hat Spuren hinterlassen. Das Gejammer über Umsatzeinbußen ist groß, und auch in Starnberg dokumentiert eine Vielzahl leer stehender Gewerbeimmobilien die Tatsache, dass die goldenen Zeiten des Einzelhandels in herkömmlicher Form wohl endgültig vorbei sein dürften. Längst wird die Gefahr einer Verödung der Innenstadt heraufbeschworen. Verstärkt wird daher schon seit Längerem von politischer Seite eine "Belebung der Innenstadt" gefordert, passiert ist bislang jedoch wenig. Eine, die sich gegen die vorherrschende Lethargie stemmt, ist Bettina Krebs: Die Inhaberin des Textilgeschäftes "Modafein Fashion" in der Wittelsbacher Straße setzt auf ständige Aktivität und will nun erstmals auch mit einem Pop-up-Store neue Kunden anlocken.

Starnberg: Pop Up Store im Modafein

Setzen auf Slow Fashion Trends, die es nicht an jeder Ecke zu kaufen gibt: Bettina Krebs und "Faex"-Geschäftsführer Ingo Müller-Dormann möchten kuratierte Designer mit anspruchsvollen Kunden zusammen bringen, die beim Event-Shopping Wert auf individuellen Style und nachhaltige Produktion legen.

(Foto: Nila Thiel)

Drei Tage lang präsentiert die 54-Jährige bis Samstag, 23. Oktober, gemeinsam mit der Berliner Firma "Faex" - eine Abkürzung für Fashion und Exchange - ausgewählte Designer-Stücke. Nach einer exklusiven Modeschau am Mittwochabend vor ausgewähltem Publikum unter Berücksichtigung der derzeitigen Hygienevorschriften wird die edle Mode von diesem Donnerstag an allen Kundinnen angeboten. Das Modeformat "Faex", das im Oktober und November mit seinem Pop-up-Store durch Deutschland tourt, möchte "Lust machen auf ein Einkaufserlebnis abseits der Massen und Massenprodukte". Geschäftsführer Ingo Müller-Dormann setzt dabei auf ein innovatives Konzept: Er will kuratierte Designer und anspruchsvolle Kunden zusammen bringen, denen individueller Style wichtig ist. Er arbeitet mit rund 200 Designern zusammen, etwa 30 Kollektionen sind nun in Starnberg zu sehen. Nächste Stationen sind Freiburg und Heilbronn, den Aufwand für den temporären Store vergleicht er mit den Anstrengungen "einer Rock'n Roll-Band auf Tour".

Starnberg: Pop Up Store im Modafein

Präsentieren im Pop-up-Store Herbstmode exklusiver Designer in bunten Farben: Modafein-Mitarbeiterinnen Petra Hildebrandt und Hanna Erke.

(Foto: Nila Thiel)

Gleichwohl ist der Pop-up-Store für Krebs und Müller-Dormann auch ein Experiment: Wie reagiert der Markt auf diese Sonderform des Verkaufs? Was geht, was nicht? Langfristiges Ziel von Müller-Dormann ("wir sind die Guten") ist es, neue Labels in die Läden zu bringen, Erlebnis-Shopping zu etablieren und die Kunden zu beglücken mit nachhaltig produzierten, exklusiven Designer-Stücken, die freilich auch einen exklusiven Preis haben.

Mit Krebs hat er dabei eine Partnerin gefunden, die sich nicht einfach den coronabedingten Vorgaben ergeben hat, sondern kreativ gegen monatelangen Stillstand ankämpfte: Neben ihrem Stammgeschäft in den Arkaden betreibt die gelernte Designerin ein Outlet in Berg, einen Online-Shop und hat auch ein eigenes Modelabel kreiert. Zudem ist sie schwer aktiv auf den populären Social-Media-Plattformen Instagram und Facebook. "Es ist schwierig, bestehen zu bleiben", sagt Krebs, die zuweilen bis 2 Uhr morgens in ihrem Ladengeschäft arbeitet. "Aber es läuft sehr gut."

Seit elf Jahren führt Krebs ihren Fashionstore in prominenter Lage gegenüber dem Bahnhof See schon, von der Stadt habe sie in dieser Zeit "Null-komma-null Unterstützung" bekommen. "Ich glaube, es könnte mehr gemacht werden", sagt die Unternehmerin, die sich in Starnberg bislang relativ allein auf weiter Flur sieht. Sie weiß: Kommunikation ist ein wichtiger Faktor im Zusammenspiel von Einzelhändlern, Verwaltung und Kunden. Gleichwohl verspürt auch sie wieder Aufbruchstimmung, das Konsumklima scheint günstiger zu werden. Welche Zukunft die Pop-up-Stores haben werden, kann auch Müller-Dormann nicht sagen : "Ob das alles richtig ist, wird man danach sehen."

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