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Ein Jahr Bauzeit:Kiefl investiert fünf Millionen Euro in neues Gartencenter

Am Samstag öffnet der 4500 Quadratmeter große Bau bei Buchendorf. In den Gewächshäusern warten 250 000 Stiefmütterchen auf Kundschaft.

Von Otto Fritscher

Es muss eine große Belastung gewesen sein für das Nervenkostüm von Wolfgang Kiefl, aber auch ein Kraftakt finanzieller Art. "So etwas macht man ja nur einmal im Leben", sagt Kiefl und deutet mit einer Armbewegung auf das Herzstück seines komplett neuen Gartencenters bei Buchendorf. Es ist die "Scheune", wie er den Eingangsbereich zu den Verkaufsräumen nennt, ein 13 Meter hoher, teilweise mit Holz verkleideter Giebel. Ein imposanter Anblick, der manche an eine Kathedrale erinnert.

Gut fünf Millionen Euro hat Kiefl nach eigenen Angaben in den Neubau gesteckt, der vor fast genau einem Jahr begonnen wurde. In dieser Zeit habe er "von 52 Wochenenden 49 durchgearbeitet, auch an den Sonntagen, denn da waren keine Handwerker auf der Baustelle und keine Kunden im Laden". Auch die beiden Söhne mussten ran, sie haben 700 LED-Leuchten eigenhändig aufgehängt.

Das neue Gartencenter hat eine Fläche von 4500 Quadratmetern, "nicht viel mehr als das alte", wie Kiefl sagt. Größer geworden sind jedoch das Café-Restaurant und die Gewächshäuser. Etwa 1600 Quadratmeter wurden neu gebaut, so dass es jetzt 5000 Quadratmeter sind. Eine schier unglaubliche Zahl von Stiefmütterchen steht derzeit bei Kiefl bereit: sage und schreibe eine Viertelmillion in 30 verschiedenen Farben, die nicht nur an Kunden im Buchendorfer Geschäft direkt verkauft werden, sondern mit denen auch Gräber auf dem Münchner Waldfriedhof bepflanzt werden; etwa 3000 Gräber hat die Gärtnerei in Pflege.

Bei allen Pflanzen wird bei Kiefl seit jeher großer Wert auf Qualität gelegt. Ein besonderes Anliegen sind ihm aber auch selten gewordene Pflanzen, wie die 100 zumeist alten, oft schon in Vergessenheit geratenen Tomatensorten, die im Frühjahr gezogen werden, wenn es wärmer ist. Möglichst ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auszukommen, ist Kiefl ebenso wichtig. Er macht mit bei einem Pilotprojekt mit, bei dem Chemie durch Nützlinge ersetzt wird, also Tierchen, die für die Pflanzenaufzucht schädliche Tierchen fressen und so deren Zahl in Schach halten. "Die Nützlinge wie Maikäfer werden einmal pro Woche geliefert und dann in den Gewächshäusern ausgesetzt", sagt Kiefl.

Schon jetzt ist das neue Café-Restaurant, das jetzt einfach "Kiefl" und nicht mehr "Vier Jahreszeiten" heißt, gut besucht. Es bietet 173 Plätze, mehr als doppelt so viele wie das alte Café, dazu kommen 70 Plätze auf der Terrasse. Besonders das Kuchen- und Tortensortiment ist weithin beliebt. Das Personal hat Kiefl um die Konditormeisterin Resi Seirer verstärkt. Es werde "bayerische, aber pfiffige Küche" auf der Speisenkarte stehen.

Die Farbgestaltung und die Inneneinrichtung von Café und Verkaufsräumen haben Wolfgang und Carola Kiefl größtenteils selbst entworfen; Wände und Regale der Verkaufsräume sind in Anthrazit gehalten, unterbrochen von hellen Holzelementen, wie sie draußen am Giebel der Scheune hängen, ein durchgängiges Konzept. "Wir wollten eine Farbkombination, die die Pflanzen besser zur Geltung bringt", sagt der 58-Jährige, der das Gartencenter seit 31 Jahren führt. Bis er sich dann zu einem kompletten Neubeginn entschlossen hatte mit seiner Frau Carola, einer Floristenmeisterin, und den Söhnen Valentin, 21 und BWL-Student, und Jakob, 16, der noch das Gautinger Gymnasium besucht.

Gauting Kiefl

Bunt geht es im neuen Gartencenter Kiefl zu.

(Foto: Nila Thiel)

Im vergangenen März begannen die Bauarbeiten, die offizielle Eröffnung findet an diesem Samstag statt. Dann soll alles fertig sein, bis auf die 162 Parkplätze vor dem Center. "Da haben uns die Frosttemperaturen zwei Wochen gekostet", sagt Kiefl. Was hat ihn in der Bauphase die meisten Nerven gekostet? Da muss Kiefl nicht lange überlegen. "Die äußerst komplizierten Brandschutzvorschriften", sagt er, "und überhaupt die Bürokratie".

Groß gewachsen ist auch der sehr alte Olivenbaum, der nun den Eingangsbereich ziert. "Den hat uns ein italienischer Lieferant zur Einweihung geschenkt", sagt Kiefl und lacht wieder. Stolz ist er auch auf sein Team: "Wir hatten das Gartencenter keinen einzigen Tag während des Umbaus und der Abrissarbeiten, die im Januar angefangen haben, geschlossen, nur das Café war einen Tag geschlossen." Nun gehören 70 Mitarbeiter zum Kiefl-Team, zehn mehr als vor dem Neubau, darunter ein Gartenbau-Ingenieur und zwei Gärtner.

Und wie ist das Verhältnis zu der nur wenige Meter entfernten Gärtnerei Zanker? Liefert man sich erbitterte Konkurrenzkämpfe um jeden Kunden? "Nein, natürlich sind wir Wettbewerber, aber keinesfalls verfeindet", sagt Kiefl. Manche Dinge gehe man gemeinsam an, wie man sich etwa seit Jahren für eine schnellere Internet-Anbindung einsetze.

© SZ vom 15.03.2018
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