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Demonstration beim Spatenstich:Wortgefechte und Rangeleien

Starnberg Tunnel Spatenstich, DEMO

Die Polizei ist mit 14 Beamten im Einsatz, der Vize-Chef persönlich muss einen Streit zwischen Gegnern und Befürwortern schlichten.

(Foto: Georgine Treybal)

300 bis 400 Menschen protestieren mit Trillerpfeifen und Transparenten. Die Veranstalter haben die Demonstration orchestriert.

Von David Costanzo

Transparente und Trillerpfeifen, Riesenlärm und sogar Rempeleien zwischen Tunnelgegnern und Befürwortern: Proteste dieser Dimension dürfte es in Starnberg noch nicht gegeben haben. Frank Brosch, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion, musste einen Streit persönlich schlichten. Er schätzt, dass 300 bis 400 Menschen gegen den Spatenstich am Landratsamt demonstrierten. Die Polizei war mit 14 Beamten im Einsatz. "30 Jahre Konflikt", sagte er. "Das merkt man an den Gesprächen." Insgesamt aber sei alles friedlich geblieben.

Ausgangspunkt war der Bürgerpark. Kurzzeitig führte Bürgermeisterin und Tunnelgegnerin Eva John (BMS) den Marsch zum Landratsamt an, wo sich die Gruppe teilte, um den Festakt von zwei Seiten mit einem Pfeifkonzert zu begleiten. Teils mischten sich die Demonstranten unter die Feiergäste, die Polizei musste sie immer wieder hinter ein Trassierband schicken. Viele Besucher hielten sich die Ohren zu, die Protestierenden hatten Ohrenstöpsel ausgeteilt bekommen.

"Acht Jahre Stau in Starnberg", "Ilse go home" oder "Tunnel nur für Weilheimer - Nein, danke" stand auf den vielen Schildern. Auf einigen waren die Konterfeis jener fünf Stadträte abgebildet, die als frühere Umfahrungsbefürworter vor einem Jahr dem Tunnelbau zugestimmt hatten. Die Demonstranten warfen ihnen "Wahlverrat" vor. Während sie bei der Rede Johns schwiegen und applaudierten, skandierten die Demonstranten beim Auftritt des Zweiten Bürgermeisters Klaus Rieskamp: "Hau ab!" Das führte zu Wortgefechten. "Sie haben null Anstand", warf etwa ein Tunnelbefürworter Gegnern vor, diese hätten sich teilweise einer Gossensprache bedient. Die CSU und der Verein für eine umweltbewusste Verkehrsentlastung waren aber ebenfalls mit Transparenten präsent. "Lieber schnell untendurch als niemals außenrum", stand etwa auf einem, auf einem anderen "Schluss mit dem Umfahrungsmärchen".

Den Protest hatten die Veranstalter um WPS-Stadtrat Markus Mooser orchestriert. Ordner in Warnwesten verteilten die Schilder, Trillerpfeifen und Ohrenstöpsel. Einzelne Gegner hatten eigene Plakate dabei. Mooser instruierte sie, die Schilder gestaffelt in die Höhe zu halten, um präsenter zu sein und die Trillerpfeifen darunter nicht zu verdecken. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Vize-Ministerpräsidentin Ilse Aigner sollten einen "Denkzettel" verpasst bekommen: "Wir blasen sie vom Platz!" Die Gäste des Umtrunks wolle man so beschallen, "dass es ihnen keinen Spaß mehr macht", "verderben" solle man ihnen den gemütlichen Teil. Hinterher mussten die Protestierenden die Schilder aber wieder am Veranstalter-Fahrzeug abgeben; die Pfeifen durften sie behalten.

© SZ vom 21.07.2018
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