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Buchheim Museum:Welcome Holmead!

Das 2001 eröffnete Haus feiert seine "Volljährigkeit" und präsentiert dank Zustiftung eine höchst interessante Sammlung

Das Buchheim Museum in Bernried feiert seine "Volljährigkeit": Am 23. Mai 2001 wurde es eröffnet, fast zwei Millionen Menschen haben seither das Museum und seine Sammlung des deutschen Expressionismus gesehen, die zu den größten weltweit gehört. An diesem Wochenende lädt das Geburtstagskind nun alle Altersgenossen zu sich ein: Alle 18-Jährigen haben freien Eintritt ins Museum. Eine weitere kleine Sensation hat sich, von der Öffentlichkeit beinahe unbemerkt, hinter den Kulissen ereignet: Durch zwei umfangreiche Zustiftungen ist das Buchheim Museum nun auch das größte Holmead-Museum der Welt geworden. Eine repräsentative Auswahl aus den Neuzugängen von 64 Ölgemälden und 109 Arbeiten auf Papier ist jetzt in der Ausstellung "Welcome Holmead!" zu sehen.

Der 1889 als Clifford Holmead Phillips in Shippensburg, Pennsylvania, geborene Maler, der zwischen den beiden Weltkriegen einige Zeit in München lebte und 1975 in Brüssel starb, ist nach wie vor ein kunsthistorischer Geheimtipp. Daniel J. Schreiber, der Direktor des Buchheim Museums, hatte Holmead bereits vor Jahren während seiner Zeit als Kustos in den Kunstsammlungen Böttcherstraße in Bremen entdeckt. Jetzt ist es ihm dank seiner Bremer Kontakte gelungen, die Bestände von dort sowie weitere Bilder aus der Schenkung eines privaten Sammlers in Bernried zu vereinen. Dort sollen sie zukünftig in immer wieder neuem Kontext gezeigt werden und auch der Forschung zur Verfügung stehen. Für Schreiber ist Holmead eine perfekte Ergänzung zur Sammlung Buchheim: Es sei der Wunsch des Museumsgründers gewesen, die vorhandenen Bestände der Künstlergruppe "Brücke" durch expressionistische Kunst der nachfolgenden Künstlergenerationen zu ergänzen.

Clifford Holmead Phillips war als Fabrikantensohn finanziell völlig unabhängig. 1912 reiste er erstmals nach Europa und besuchte die Kunstmetropolen in Frankreich, Italien, Deutschland und England. Unter dem Eindruck des Gesehenen beschloss er, selbst Maler zu werden. Er besuchte die großen amerikanischen Museen und eignete sich im Dialog mit der Kunstgeschichte als Autodidakt die Malerei an. Insgesamt 25 Mal überquerte er im Lauf seines Lebens den Atlantik, bevor er sich, seit 1933 verheiratet mit einer deutschen Fotografin, im Jahr 1956 endgültig in Brüssel niederließ. Ab 1944 signierte er seine Bilder mit "HOLMEAD". Er war mit berühmten Künstlern seiner Zeit in Kontakt und zeigte seine Bilder in namhaften Galerien der alten und neuen Welt. Der große Durchbruch sollte ihm allerdings nie gelingen. Nach dem Tod ihres Mannes kehrte Elisabeth Philips in ihre Geburtsstadt Bremen zurück und brachte den künstlerischen Nachlass in die 1998 gegründete "Holmead Foundation" ein, die jetzt der Buchheim-Stiftung angegliedert wurde.

Mit der aktuellen Ausstellung will das Buchheim Museum, das 2017 bereits eine Reihe von Portraits aus dem Spätwerk präsentierte, nun vor allem den Weg aufzeigen, den Holmead als Künstler nahm: Die frühen Arbeiten aus den 1920er Jahren zeigen ihn noch ganz dem amerikanischen Realismus verpflichtet. Anfang der Dreißiger Jahre lernte er in München deutsche und österreichische Maler kennen, die in einer Art Synthese aus Impressionismus, Expressionismus und Neuer Sachlichkeit im "Expressiven Realismus" einen neuen Stil gefunden hatten. Insbesondere die Steigerung des Ausdrucks durch einen extrem pastosen Farbauftrag und eine heftige gestische Malweise sollten für Holmead typisch werden. Eine Reihe von Landschaftsbildern zeigt seine Entwicklung von einer fast romantischen Sichtweise bis ins Grenzland zur Abstraktion besonders eindrücklich.

Aber erst nach einem Schlaganfall im Jahr 1961 fand Holmead zur Malweise seines Spätwerks, die ihm - nach seiner endgültigen Entdeckung - einen festen Platz in der Kunstgeschichte sichern wird: "Shorthand Painting" nannte er seine Methode, bei der er gleichsam stenografisch, in kürzester Zeit und mit nur wenigen groben Spachtelhieben, aber höchst zielsicher menschliche Gesichter erstehen ließ. Typische Merkmale, ein spitzer Bart, eine runde Brille, eine auffällige Frisur oder auch nur ein arroganter, ein ängstlicher, ein erstaunter Blick werden dabei so verkürzt und überspitzt, dass der Betrachter meint, den oder die Porträtierten zu kennen. Als "kruden Expressionismus" bezeichnete er seinen so zuletzt gefundenen Stil, in dem er Figuration und Abstraktion auf höchst eigenwillige Weise zu vereinen wusste.