Asyl:"Akt der Barmherzigkeit"

Bürger besichtigen Flüchtlingsheim

Das ehemalige Schwesternwohnheim in Breitbrunn dient nun als Unterkunft für Flüchtlinge. Am Mittwoch konnte das Gebäude besichtigt werden.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Schwestern der Sankt Josefskongregation stellen ihr ehemaliges Wohnheim unentgeltlich für Flüchtlinge zur Verfügung. Der Vorteil für die Nonnen: Sie müssen den Umbau nicht bezahlen

Von Patrizia Steipe, Breitbrunn

Das Gebäude hat das Flair einer Jugendherberge: Einfacher Wohnstandard im alten Haus, Gemeinschaftsduschen und -küchen, schöner Garten und eine idyllische Lage oberhalb des Ammersees. 85 Flüchtlinge werden in dem ehemaligen Schwesternwohnheim der Sankt Josefskongregation in Breitbrunn in Ein- bis Sechsbett-Zimmern untergebracht. Am Tag bevor die ersten Menschen aus dem Iran, dem Irak und Syrien eintrafen, konnten die Breitbrunner die Einrichtung besichtigen.

Das Gebäude unterscheidet sich positiv von dem Einerlei an Wohncontainern, Hallen und Zelten, die derzeit überall im Landkreis gebaut werden. Es ist ein typischer Zweckbau aus den Sechzigerjahren, den die Klosterschwestern der Gemeinde im vergangenen Jahr angeboten haben. Bis 1996 wurde das Gebäude als Altersheim genutzt. Später waren Obdachlose darin untergebracht. Vor drei Jahren musste das Haus schließen. Der Brandschutz entsprach nicht mehr dem technischen Standard. Sechs Jahre lang darf der Landkreis das Gebäude nun mietfrei nutzen. Allerdings musste das Ganze zuvor für eine Million Euro saniert und umgebaut werden. Dabei gab es einige unliebsame Überraschungen für Architektin Monika Hintze. "Die Wasserrohre waren alle komplett verrostet", erzählte sie. Jetzt gibt es Brandschutztüren, eine Fluchttreppe, neue Duschen für jeweils zehn Menschen, vier Küchen und sogar ein behindertengerechtes WC. Für die Einrichtung ist Jimmy Jacobs unter der Woche zuständig. Der in Afrika aufgewachsene Mitarbeiter von Hausverwalter Jonas Better Place spricht arabisch, englisch und die afrikanische Sprache Wolof. Von seinem Büro aus kann er den Eingang des Hauses gut überblicken. Fünf Stunden täglich wird er von einer Asylsozialarbeiterin unterstützt.

Teilweise konnten die alte Küchenzeile und die Einbauschränke wiederverwendet werden. Die Zimmer selbst sind sehr unterschiedlich. Das reicht von den Mini-Einzelzimmern, über Mehrbett-Zimmer im dunkleren Souterrain, bis zu hellen Sechs- und Vierbett-Zimmern, die sogar einen Balkon und Seeblick haben. Hinter dem Haus gibt es einen eingewachsenen Garten mit Gemüsebeeten. "Ideal für Familien. Hier können sie zur Ruhe kommen", waren sich die Besucher einig während Bürgermeister Christian Schiller hoffte, dass die schönen Zimmer bei der Bevölkerung keinen Sozialneid bewirken werden. Familien hatte Sabine Neumann, Leiterin des Fachbereichs Asyl im Landratsamt von der Regierung von Oberbayern für das Objekt angefordert. Das erste Drittel der neuen Bewohner besteht allerdings aus 27 Männern und drei Frauen sowie fünf Kinder.

Auf sie wartet ein gut aufgestellter Helferkreis (www.asyl-hb.de). Ansprechpartnerin Sonja Hils hat bei der Besichtigung die Räume genau inspiziert. Hier sollen schließlich auch Deutschkurse stattfinden. Beim Landratsamt hat sie gleich noch einen Schrank angefordert, in dem die Spielsachen für die Kinder gelagert werden können. Unter den Besuchern waren auch Schwester Tabita mit ihren fünf Mitschwestern aus dem benachbarten Kloster der Sankt Josefskongregation. "Wir haben das Gebäude als Akt der Barmherzigkeit für die Flüchtlinge zur Verfügung gestellt", erklärt sie. Sie freut sich, dass das Haus wieder bewohnt werden kann. "Es war alles desolat. Den Umbau hätte wir gar nicht stemmen können".

© SZ vom 26.02.2016
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