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Ausstellung:Viele herzliche Grüße vom Starnberger See!

Das Landratsamt zeigt Postkarten aus einer Zeit, da es noch üblich war, die Vorderseite in Sütterlin zu beschriften und Motive imposanter abzubilden, als sie waren.

Wer ein Stück Urlaub verschicken will, greift meist zur Postkarte. Einige der Exemplare, die von den 1870er-Jahren an aus dem Landkreis verschickt wurden, sind nun im Landratsamt zu sehen. Die Stiftung der Kreissparkasse Starnberg hat 2006 insgesamt 2800 Postkarten gekauft. Sie zeigen Starnberg und seine Umgebung, vor allem die Orte, "wo früher die touristischen Attraktionen waren", so Gerd Hertlein, Kreisarchivpfleger. Größtenteils stammen sie aus der Zeit von 1894 bis 1930. Um sie der Allgemeinheit zugänglich zumachen, werden wechselnd einige Exponate in einer Vitrine im Eingangsbereich des Landratsamtes gezeigt. Die aktuelle Ausstellung hat vier Themen: die Geschichte der Postkarte, Motive des Landkreises, Künstlerkarten und Ortsansichten von Feldafing und Tutzing.

Wellenbad, Segelschiff und Dampflok: Die Postkarten zeigen unter anderem das Undosa-Bad. Repro: Sparkassen-Stiftung

Die ersten Postkarten kamen 1870 in Umlauf, vorerst durften aber nur von der Post hergestellte Stücke versendet werden. Seit 1872 sind auch Karten aus privater Herstellung erlaubt. Auf der obersten Ebene der Vitrine sind Exponate von 1870 bis 1914 zu sehen. Diese ersten Exemplare sind Steindrucke, sogenannte Lithografien. Es gab sie vorerst nur in Schwarz-weiß, später, von 1895 an, dann auch in Farbe. Auffällig ist, dass nur die Adressen auf der Rückseite zu sehen sind. "Früher hat man die Botschaften vorne drauf geschrieben", meint Hertlein. Erst von 1905 an sei es erlaubt gewesen, den Text auch auf die Rückseite zu schreiben.

Auch der Bahnhof am Starnberger See ist abgebildet. Repro: Sparkassen-Stiftung

Da es die Postkarten schon vor den ersten Fotografien gab, haben sie großen dokumentarischen Wert. Verlässliche Quellen sind sie aber nicht unbedingt. "Die Motive wurden zum Teil für die Touristen verschönt", sagt Hertlein. So sei zum Beispiel das Schloss Berg auf einer Ansichtskarte etwas versetzt worden. Erst von 1914 an ist auf die Karten Verlass, von diesem Jahr an wurden die ersten Echtfotokarten in Schwarzweiß versendet. Fast 50 Jahre später gab es sie dann auch in Farbe.

Auf Karten, die vor 1905 verschickt wurden, ist der Text noch auf der Vorderseite zu lesen. In diesem Fall lautet er: "Sehr geehrtes Fräulein! Meinen herzlichsten Dank für ihre Bemühungen, bin ein rechter Plaggeist. Viele herzliche Grüße an Sie, Frl. Rosa und Ihren Lieben. Marie Mayr." Repro: Sparkassen-Stiftung

Auf den anderen Ebenen der Vitrine werden Postkarten gezeigt, die mit Fotografien und gemalten Bildern bedruckt wurden. Zentral sind imposante Gebäude und andere markante Motive aus dem Landkreis, wie das Undosa-Wellenbad, die Dampfer auf dem Starnberger See, der Bahnhof am See und die Rottmannshöhe mit Biergarten, dieses Motiv gefällt Hertlein besonders gut.

Eine Besonderheit der Sammlung sind drei- und vierteilige Postkarten. Die Panorama-Fotografien können auf das normale Postkartenformat zusammengeklappt werden. "Da frag ich mich immer noch, wie die verschickt wurden", gibt Hertlein zu und lacht.

Die Sammlung, die auch digitalisiert wurde, ist eine Dauerleihgabe der Stiftung der Kreissparkasse Starnberg an den Landkreis. Die aktuell ausgestellten Exponate werden noch bis Ende September gezeigt. Danach geht es mit Postkarten zum Thema Bahnhof am See weiter. Dazu ließ sich Hertlein von der aktuellen Diskussion zur Seeanbindung inspirieren. In der Folgezeit werden wechselnd immer neue Postkarten zu sehen sein.

Was die Zielgruppe der Präsentation betrifft, so denkt Hertlein an Besucher, die "etwas im Landratsamt erledigen, vorbeikommen und sich die Karten anschauen". Aber auch Mitarbeiter des Landratsamtes interessieren sich für die Ausstellung: Gemeinsam versuchen zwei Frauen die auf den Karten gezeigten Motive den Orten rund um den See zuzuordnen. Die Versuche, die zumeist in Sütterlin geschriebenen Texte zu entziffern, scheitern jedoch nach der ersten Zeile. "Die Verfasser hätten sich damals auch nicht vorstellen können, dass das mehr als hundert Jahre später mal jemand lesen will", meint eine der Mitarbeiterinnen. Manche Orte seien noch genauso, wie sie auf den Karten dargestellt werden.