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Asyl:Ein Fahrplan für die Integration

Integrationskurs

Sprachkurse, Männergesprächskreise und Kulturmittler: Der Integrationsfahrplan des Landkreises soll von Herbst an gelten.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Der Landkreis arbeitet an einem Programm mit 193 Punkten, damit sich Zuwanderer zu Hause fühlen

Von Kilian Pinl, Starnberg

Krieg, Verfolgung, Armut: Auf der ganzen Welt brechen Menschen in eine ungewisse Zukunft auf - die Gründe für ihre Auswanderung sind so zahlreich wie die gewählten Wege und Verkehrsmittel. Deutschland ist das beliebteste Einwanderungsland Europas und auch im Landkreis Starnberg konnte man in den letzten Jahren einen kontinuierlichen Anstieg der Zuwanderung feststellen. Lebten hier Ende 2011 noch 13 419 Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft, so waren es Ende letzten Jahres 20 848 Bürger. Flüchtlinge und andere Zuwanderer, die in den vergangenen fünf Jahre angekommen sind, sollen nun besser integriert werden - mit einer Vielzahl an Schulungen und Kursen sollen sie Sprache, Alltagskompetenzen und Kultur vermittelt bekommen. Der neue Integrationsfahrplan des Landkreises umfasst 193 Einzelpunkte für die kommenden drei Jahre und soll etwa 314 000 Euro kosten. Der Sozialausschuss des Landkreises hat das Programm ohne Gegenstimme an den Kreistag empfohlen, der am 21. Oktober über die Umsetzung entscheiden soll.

"Mit dem Integrationsfahrplan möchten wir ein friedliches Zusammenleben ermöglichen und den Neuzuwanderern helfen, ihr volles Potenzial zu entfalten", erklärte die Leiterin des Asyl-Fachbereichs, Sabine Neumann, die mit ihrem elfköpfigen Team für Migration und Integration zuständig ist und die Erstellung des Fahrplans koordiniert hat. Verschiedene Fachbereiche des Landratsamts, Kommunen, Fachstellen, Migranten und ehrenamtlichen Helfer haben am Integrationsprogramm mitgearbeitet. Dazu gehören etwa Vortragsreihen zur Länderkunde, interkulturelle Frauentreffs und Männergesprächskreise, um das gegenseitige Werteverständnis zu fördern. "Mama lernt Deutsch"-Kurse, wie sie an der Tutzinger Mittelschule bereits stattfinden, Kulturmittler und Bildungslotsen an Schulen sollen einen besseren Zugang zum Bildungssystem ermöglichen.

Um sich zu Hause zu fühlen braucht man auch einen Rückzugsort: Zwar konnten 617 Flüchtlinge dank Helferkreisen bereits privaten Wohnraum finden, doch 684 sind zwar ebenfalls anerkannt, leben aber gewärtig noch in Containerunterkünften, weil sie keine Wohnung finden. Diesem Problem möchte man mit dem Ausbau von Sozialwohnungen und regelmäßigen Schulungen zu Wohnraumsuche und Mieterkompetenz begegnen. Die Wohnraumlage sei noch nicht ideal, hieß es, aber im Vergleich zu den Zuständen von 2015 bis 2017 schon deutlich besser.

Dem Landkreis Starnberg wurden in dieser Zeit insgesamt 2 700 Asylbewerber und deren Anliegen dauerhaft zur Bearbeitung zugewiesen. Neben den Problemen der Unterbringung und Erstversorgung sei man damals in der Verwaltung personell einfach nicht auf einen Andrang in dieser Größenordnung vorbereitet gewesen. Das Personalproblem habe man mittlerweile "durch interne Fachbereichswechsel und Neueinstellungen in den Griff bekommen", erklärte die Leiterin der Ausländerbehörde, Bettina Richter. Arbeiteten vor Beginn der Zuwanderung von 2015 noch acht Sachbearbeiter und eine Teamleitung im gesamten Bereich des Ausländerwesens, so kümmern sich heute 22 Mitarbeiter um die Belange von Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit.

Mit regelmäßigen Schulungen der Mitarbeiter, der Umstellung auf die elektronische Akte und der Schaffung neuer, spezialisierter Fachbereiche konnten so die Rückstände aus dem Jahr 2017 abgebaut werden; auch die Rückstände aus den Jahren 2018 und 2019 werde man bald abgearbeitet haben, zeigte sich Richter zuversichtlich. Nun gelte es die Zuwanderer zu integrieren und "der Integrationsfahrplan bietet dafür die entsprechenden Lösungsansätze", so Richter. Durch regelmäßige Überprüfungen werde sich der Fachbereich für Asyl und Integration vom Erfolg der einzelnen Maßnahmen vergewissern, erklärte Neumann. Nach zwei Jahren soll der Integrationsfahrplan in Abstimmung mit allen Beteiligten aktualisiert werden, sodass nach drei Jahren ein überarbeitetes Programm umgesetzt werden kann, das auf dem aktuellen Stand der Integration aufbaut.

© SZ vom 09.07.2019
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