Politische Akademie in Tutzing:Zwischen Sommerloch und Demokratiekrise

Politische Akademie in Tutzing: "Dann würden wir in der Wüste leben": Ursula Münch (Mitte) empfängt beim Gartenfest der Politischen Akademie Gäste aus Politik und Gesellschaft.

"Dann würden wir in der Wüste leben": Ursula Münch (Mitte) empfängt beim Gartenfest der Politischen Akademie Gäste aus Politik und Gesellschaft.

(Foto: Arlet Ulfers)

Beim Gartenfest der Politischen Akademie stellt man schnell fest: Das schlechte Wetter ist nur ein verhältnismäßig kleines Problem.

Von Florian Zick, Tutzing

Nein, da hilft auch der aufopferungsvolle Einsatz des Serviceteams nichts. Mit Fensterabziehern und anderen Wischutensilien versucht eine beeindruckend große Schlechtwettereinheit die Biertischgarnituren im Garten der Politischen Akademie in Tutzing vom Regenwasser zu befreien. Aber es soll nicht sein. Zumindest nieselnd macht der Himmel die Arbeit immer wieder zunichte. Das berühmte Gartenfest der Bildungsanstalt wird deshalb weitgehend zu einer reinen Indoor-Veranstaltung.

Die geladenen Gäste lassen sich am Freitagabend davon die Laune aber nicht vermiesen. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) trägt trotz dichter Wolkendecke ganz sommerlich weiße Sneaker zum schwarzen Anzug. Der ehemalige Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) macht Selfies - auch, wenn das trocken nur in der Aula der Akademie geht und nicht vor der imposanten Alpenkulisse auf der Panoramaterrasse. Und Starnbergs Landrat Stefan Frey (CSU) weist jede Verantwortung für dieses Schlamassel routiniert von sich.

Man solle einfach eine E-Mail an das Beschwerdemanagement des Landratsamts schreiben, scherzt Frey - und muss sich wegen seiner Krawattenlosigkeit umgehend selbst eine Frotzelei seines Münchner Amts- und Parteikollegens Christoph Göbel gefallen lassen. Hausherrin Ursula Münch, die auch wegen ihrer Fernsehauftritte beim BR-Stammtisch weitläufig bekannte Direktorin der Politischen Akademie, begrüßt indes mit gewohnt hinterkünftigem Blick die letzten Gäste.

"Wenn's bei allen Gartenfesten trocken wäre, würden wir in der Wüste leben", sollte Münch in ihrer Ansprache dann sagen. Ihr Thema im bei mehr als 400 Anwesenden schnell tropisch warmen Heinrich-Oberreuter-Saal war allerdings nicht die Klimakrise, sondern eine andere zeitgenössische Großbaustelle: die wachsende Entfremdung vieler Bürger von der Demokratie. "Unserem freiheitlichen System ist ein Gegenpart erwachsen", so Münch mit Blick auf den erstarkenden Rechtspopulismus.

Vertrieben werden die Aufkleber von einer eindeutig rechtsextremen Firma

In Ostdeutschland seien nur noch 42,6 Prozent zufrieden damit, wie Demokratie in Deutschland funktioniert, zitierte Münch eine jüngst veröffentlichte Studie. Tagtäglich gebe es Einschüchterungsversuche und Pöbeleien gegen Politiker demokratischer Parteien. Und Plakate mit der Aufschrift "Grüne an die Ostfront" tauchten nicht nur in Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern auf, sondern inzwischen auch im bayerischen Schwaben. Die gleichlautenden Aufkleber werden vertrieben von einer allein schon dem Chiffre nach ganz offensichtlich rechtsextremen Firma mit dem Namen Druck18.

Als verhältnismäßig klein kommt da ein anderes Problem daher. Aber natürlich darf in Tutzing auch das momentan nicht fehlen: ein bisschen Geschimpfe auf die Dauerbaustelle an der Ortsdurchfahrt. Ursula Münch nutzte diesen Umstand für etwas Werbung in eigener Sache. Schließlich gebe es in der Akademie noch diese Jahr die Tagung: "Runter von der Bremse - wie machen wir die Region zukunftsfit?"

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