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Kinderbetreuung:In dieser Kita sind noch 50 Plätze frei

Kinderhaus unter neuer Leitung; Kinderhaus StaRKe Strolche

Nur Kinder fehlen noch: Simone Lushtaku (Mitte), neue Leiterin des Kinderhauses, mit (von links) Claudia Kobschätzky vom BRK, Erzieherin Marlies Grimmeisen, BRK-Kreisgeschäftsführer Jan Lang und Kinderpflegerin Elisa Popp.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Andechs ist mit dem Neubau erstmals seiner Zeit voraus. Der Bürgermeister spricht von einem "Luxusproblem". Doch der Träger tut sich schwer, die monatlichen Gebühren aufzubringen.

Von Carolin Fries

Im Obergeschoss wirkt das neue Kinderhaus im Andechser Ortsteil Erling fast ein bisschen gespenstisch: An den Garderoben hängen keine Jacken und Matschhosen, die grauen Sichtbetonwände schmücken keine bunten Bilder, die kleinen Stühle stapeln sich in den Zimmern unbenutzt auf den Holztischen. Vor einem Jahr ist die Einrichtung mit 44 Kindern in Betrieb gegangen, doch zum Start des neuen Kindergartenjahres im September wird es trotz einer Verdoppelung der gebuchten Betreuungsplätze noch immer 50 freie Plätze geben. "Ein Luxusproblem", wie der Andechser Bürgermeister Georg Scheitz (CSU) am Dienstag bei einem Rundgang durch die Kita sagte. Aber dennoch ein Problem.

Denn ein halb leer stehendes Kinderhaus ist für Scheitz nicht nur optisch und emotional schwer zu ertragen, wie er sagte. "Das ist auch eine wirtschaftliche Geschichte". 5,8 Millionen Euro hat die Gemeinde in den Bau investiert, die Summe soll unter anderem über Mieteinnahmen refinanziert werden. Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) als Träger tut sich angesichts der geringen Auslastung nun aber schwer, die monatlichen Gebühren aufzubringen. Von einer Fehlplanung könne dennoch nicht die Rede sein, so Scheitz. "Wir sind der Entwicklung bisher immer hinterher gelaufen", so der Bürgermeister, nun sei man eben einmal ein Stück voraus. Und zwar genau drei Jahre, wie die Rathausverwaltung berechnet habe. Dann sollen in Andechs dank Nahverdichtung ausreichend Kinder am Ort wohnen, um die zwei Krippen-, zwei Kindergarten- und zwei Hortgruppen füllen zu können. Bis dahin will Scheitz die freien Plätze anderen Kommunen anbieten, die dringend Kitaplätze benötigen. Angenommen hat sein Angebot bislang aber noch keine Gemeinde. "Das ist eine schwierige Geschichte", so Scheitz, der damit nicht nur die Zahlung von Gastbeiträgen meint, die für die Kommunen mit der Buchung eines Kitaplatzes in einer auswärtigen Gemeinde fällig würden. "Da geht es auch um den Transport." Viel unkomplizierter wäre es, wenn Kinder im Erlinger Kinderhaus "Starke Strolche" betreut würden, deren Eltern aus den umliegenden Gemeinden nach oder über Andechs zur Arbeit pendeln.

Auf zwei Krippengruppen und eineinhalb Hortgruppen sowie eine Kindergartengruppe will das BRK den Betrieb von September an erweitern. Während die Krippe so gut wie voll ist, gibt es für Kinder zwischen drei und sechs Jahren noch freie Plätze, selbstverständlich auch inklusive Plätze für Kinder mit Behinderung, wie BRK-Kreisgeschäftsführer Jan Lang sagte. Ausreichend Personal stehe bereit, auch für den Fall, dass doch noch eine Kommune auf die Plätze zugreifen sollte. "Umso südlicher, umso leichter" gelinge es, Erzieher und Kinderpfleger zu akquirieren. Sollten die Räume ungenutzt bleiben, will das BRK eine Art Familienzentrum einrichten, das Schulungen und Kurse anbietet.

Georg Scheitz sieht derweil schon das nächste Problem auf die Gemeinde zukommen. "Der Platz in der Schule wird knapp." Doch auch hier hat die Gemeinde bereits "für den ersten Stress" vorgesorgt: Auf dem Parkplatz stehen bereits Container für drei Klassenräume, die 2021 zum Einsatz kommen könnten.

© SZ vom 05.08.2020

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