Forstwirtschaft:Waldumbau für Mensch und Klima

Forstwirtschaft: Förster der Bayerischen Forstverwaltung zeigen im Andechser Klosterwald, wie klimagerechter Waldumbau aussehen kann.

Förster der Bayerischen Forstverwaltung zeigen im Andechser Klosterwald, wie klimagerechter Waldumbau aussehen kann.

(Foto: Georgine Treybal)

Um weiterhin als Ort für alle verfügbar zu sein, müssen Wälder gepflegt und klimagerecht umgestaltet werden. Ein Rundgang gibt Einblicke.

Von Madeleine Rieger, Andechs

Die Fichten ragen in den blauen Sommerhimmel hinauf, junge Laubbäume sprießen aus dem grünen Dickicht heraus. Im Andechser Klosterwald bei Rothenfeld ist es trotz der beinahe 30 Grad Celsius angenehm kühl, die Bäume spenden Schatten. Das Waldstück ist Teil des Projekts "Initiative Zukunftswald" vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF).

Hier wurde in den vergangenen Jahren ein Musterbestand für klimagerechten Waldumbau angelegt. Interessierte Waldbesitzer und Waldbesitzerinnen können sich bei den Förstern des AELF Weilheim Inspirationen für die Umgestaltung ihrer Privatwälder holen. Ungefähr ein Drittel der insgesamt 18 000 Hektar Privatwaldfläche im Landkreis Starnberg nimmt allein der Andechser Klosterwald ein. Die Kirche müsste eigentlich keine Förster anstellen, weil Kirchenwälder seit einer Forstreform im Jahr 2005 ebenfalls als Privatwälder gelten. Dennoch organisieren die forstlichen Fachkräfte Raphaela und Markus Blacek hier seit 20 Jahren die Waldbepflanzung.

Eine ziemliche Herausforderung, denn 1990 hatte Orkan Wiebke alles dem Erdboden gleichgemacht. Der Wald musste komplett neu aufgestockt werden. Noch 2005 befanden sich regelrechte Löcher in den Waldböden des Klosterwaldes, zwei Hektar Fläche waren gar nicht erst wieder bestockt worden. Solche Freiflächen gilt es eigentlich zu vermeiden: Die Sonne könnte den Boden austrocknen. Die neu angelegten Flächen brauchen besonders viel Pflege, da Mäuseplagen, Unkrautwucherungen, extreme Trockenheit und andere Faktoren die neuen Bestände am Wachsen hindern. Mindestens vier verschiedene Baumarten sollten in einem Waldabschnitt zu finden sein, um gegen Schädlinge und Klimaschwankungen gerüstet zu sein, sagt Raphaela Blacek.

Stürme und Borkenkäfer gehen oft Hand in Hand

Noch vor einigen Jahrzehnten waren reine Fichtenwälder in der Region gang und gäbe. Seit Jahren versucht man, diese in Mischwälder umzubauen. "Fichten sind nicht nur zu verteufeln", merkt Förster Luitpold Schneider an. Dennoch gilt der Nadelbaum als sehr trockenempfindlich und anfällig für Borkenkäferbefall. Sein flaches Wurzelwerk macht es Stürmen zudem leicht, ganze Fichtenbestände zu entwurzeln und zu zerstören, so wie es Anfang der 1990er-Jahre der Fall war. Stürme und Borkenkäfer gehen oft Hand in Hand. Denn die Schädlinge vermehren sich besonders gut in Totholz.

Forstwirtschaft: Markus Blazek kümmert sich um den Andechser Klosterwald.

Markus Blazek kümmert sich um den Andechser Klosterwald.

(Foto: Georgine Treybal)

Stabile und klimatolerante Eichen und Ahornbäume wurden deswegen aufgeforstet und die noch vorhandenen Fichtenbestände mit Buchen und Tannen unterpflanzt. Markus Blacek deutet auf ein paar junge Bäumchen, die kaum bis zum Knie reichen. Daran, in welcher Anordnung die neuen Sprösslinge hochkommen, erkennt man, ob sie gepflanzt wurden oder von alleine gewachsen sind, erklärt er. Beides ist in den Gebieten des Klosterwaldes möglich.

"Bäume werden für die nächsten 200 bis 300 Jahre angebaut"

Aufforstung ist freilich stets mit hohem finanziellen Aufwand für Waldbesitzer verbunden. Alleine gelassen werden sie damit jedoch nicht: Die Bayerische Forstverwaltung unterstützt etwa das Setzen von neuen Tannenbäumen mit einer Förderung von 2,50 Euro pro Setzling. Im Klosterwald gibt es allein davon etwa 4300. Besonders gefragt ist bei der Kultivierung neuer Bestände die Zusammenarbeit von Waldbesitzern, Förstern und Jägern. Zwar kann man junge Bäume mit Gittern aus Plastik oder Draht vor Wildverbiss schützen. Allerdings werden nicht alle dieser Schutzmaßnahmen von staatlicher Seite gefördert. Denn der Wald soll auf natürliche Weise wachsen. Außerdem enthalten viele Zäune Mikroplastik, und die Beseitigung des Reh-Problems durch Jäger ist ohnehin kostengünstiger.

Gegenwärtige Waldbesitzer entscheiden darüber, wie der Wald zukünftiger Generationen aussehen wird. Denn: "Bäume werden für die nächsten 200 bis 300 Jahre angebaut", sagt Kilian Ertl vom AELF und verweist damit auf die Zukunftsbedeutung von Wäldern. Sie spielen als CO2-Speicher eine wichtige Rolle und dienen den Menschen seit jeher als Ort der Regeneration. Zudem schützen Waldböden die Trinkwasserspeicher, und ein stabiler Wald bietet Dörfern und Städten Schutz vor Stürmen. Auch der wirtschaftliche Nutzen von Bäumen ist hoch: Nachhaltige Produktion und Bauweise finden oft auf Basis von Holz statt.

Zehn verschiedene Baumarten sorgen im Andechser Klosterwald für ein gutes Klima. Bei der Hitze in diesem Sommer ist das eine willkommene Abkühlung.

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