SZ-Serie: An der Amper Fließgewässer mit fünf Buchstaben? Amper!

Die Amper entspringt nicht dort, wo sie ihren Namen auf der Landkarte bekommt, sondern viel weiter südlich.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Amper ist ein Fluss, der die Menschen ebenso erfreut wie er sie erschreckt. Den Vogelkundler und den Pfarrer ebenso wie den Wirt und den Künstler. Was sie von der Amper haben, warum sie den Fluss mögen, all das verraten sie in der SZ-Serie "An der Amper - Menschen am Fluss".

Von Erich C. Setzwein

Könnte ein Fluss Geschichten transportieren, er würde sie ohne weiteres um die ganze Welt bringen. Freilich nicht allein in seinem Bett, aber durch Zufluss in andere Flüsse und sodann in Ströme, die zu einem Meer fließen. Die Amper ist ein solcher Fluss. Doch wer zunächst zu seinem Ursprung will, muss weiter gehen als nur zum Ammersee. Denn die Amper entspringt nicht dort, wo sie ihren Namen auf der Landkarte bekommt, sondern viel weiter südlich.

Nicht der Ausfluss des Ammersees bei Stegen im Landkreis Landsberg ist es, sondern viele kleine Quellen, die im beschaulichen Graswangtal bei Ettal aus plätschernden Rinnsalen erst einen durch die Wiesen murmelnden Bach machen, der nach und nach breiter wird und nach dem Gebiet benannt wird, aus dem er kommt - dem Ammergau. Von den Wiesen, an denen sich einst König Ludwig II. zu seinem geliebten Schloss Linderhof bringen ließ, bis zur Mündung in die Isar bei Moosburg im Kreis Freising sind es 186 Kilometer.

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Ammer und Amper als ein Fluss-System liefern der Isar mehr Wasser als irgendein anderer ihrer Zuflüsse. Und an diesem kleinen Strom durch halb Oberbayern leben Menschen, sie leben mit dem Fluss und von ihm, insbesondere die Amper gibt ihnen Möglichkeiten, ihren Beruf dort auszuüben, sich zu erholen, als Ingenieur oder Künstler tätig zu sein, sich als Sportler auszupowern oder als Geistlicher zu wirken. Alle diese Menschen haben Geschichten zu erzählen. Was ihnen der Fluss bedeutet, wie sie ihn erleben und was er ihnen gibt. Der Vogelkundler, der Pfarrer, die Naturschützerin, der Wirt, der Fischer, der Kraftwerksbetreiber und der Künstler. Was sie von der Amper haben, wie sie mit ihr umgehen, warum sie den Fluss mögen, all das verraten sie in der Serie "An der Amper - Menschen am Fluss".

Als Gebirgsbach geboren

Doch die Amper wird nicht nur als angenehm empfunden, sie erschreckt die Menschen auch. Sie wurde zwar als Gebirgsbach geboren, aber reißend ist sie nicht. Dafür aber genauso zerstörerisch, wenn sich ihr Wasserspiegel hebt, sie über die Ufer tritt und ganze Landschaften bedeckt. Da wird aus dem Fluss, in den Mädchen und Buben alljährlich ihre Lucienhäuschen beim Lichterfest einsetzen, plötzlich eine Gefahr. Die man eindämmen, gegen die man etwas tun muss. Dann wird aus dem sonst mit vielen literarischen Attributen versehenen Fluss ganz bürokratisch ein Fließgewässer erster Ordnung.

Zuständig sind die Wasserwirtschaftsämter, die den Fluss Kilometer für Kilometer unterteilen und ihre "Maßnahmen" planen. Das war auch schon in früheren Jahrhunderten so, als der Lauf des Flusses geändert wurde, um ihn den wirtschaftlichen Interessen seiner Anwohner anzupassen. Oder um mit ihm Herrschaftsgebiete abzustecken. Heute sind Ämter in Weilheim - für den Abschnitt der Ammer - und in München und Freising - für den Amperabschnitt - zuständig, und in ihnen werden nun wirtschaftliche und ökologische Belange abgewogen.

Für jeden eine Geschichte

Natürlich unterliegt auch die Amper europäischen Regelungen, zum Beispiel bei der Badewasserqualität, die sie noch nicht wieder erlangt hat. Dabei kommt der technische Aspekt als sogenannter Vorfluter ins Spiel. Ein Fluss, in den nicht nur Bäche ihr teils frisches, teils durch Landwirtschaft und Industrie verunreinigtes Wasser abgeben, sondern in den auch Leitungen einmünden, die aus Kläranlagen kommen.

Chemiker würden aus einer Probe herauslesen, wie viel Nitrat von güllebenetzten Feldern kam oder Hormone von Verhütungsmitteln, die aus der Kläranlage gespült wurden. Ein Künstler hingegen würde, vielleicht am Ufer sitzend, sich an Formen und Farben der nie endenden Bewegungen erfreuen und das Gesehene auf eine Leinwand bringen oder fotografieren. Die Amper, so scheint es, hält für jeden eine Geschichte bereit. Wer sie nicht herauslesen kann, dem fließt sie davon.

SZ-Serie
An der Amper - Menschen am Fluss