Alzheimer Was Gemeinden im Umgang mit Demenz tun können

Gemeinsam mit Landrat Karl Roth besichtigen Corinna Bürner, Angelika Büschel, Petra Fontana, Barbara Schachtschneider, Christine Gunz-Kahlau, Christine Offtermatt und Aloisia Chiera die Ausstellung "Was geht, was bleibt. Leben mit Demenz" im Foyer des Landratsamts.

(Foto: Nila Thiel)

Die Zahl der Erkrankten wird in den kommenden Jahren steigen. Eine Ausstellung im Starnberger Landratsamt bildet den Auftakt für eine neue Initiative

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Starnberg

Eine ältere Dame steht bei Minustemperaturen im Bademantel auf der Straße und findet nicht mehr nach Hause, sie ist dement - so schildern die Experten einen typischen Fall. Nach Angaben von Petra Fontana, Leiterin der Fachstelle für Senioren im Landratsamt, ist die Anzahl von demenzkranken Bürgern im Landkreis stark steigend. Im Jahr 2012 waren es 2500, bis 2032 wird die Zahl auf mehr als 4000 angewachsen sein. Das sei ein Plus von 65 Prozent, erklärte sie. Die Gemeinden müssten sich auf die Problematik einstellen. Das Landratsamt will nun zusammen mit den Kommunen einen Leitfaden zum Umgang mit ihren demenzkranken Bürgern erarbeiten. Im Zuge der Ausstellungseröffnung "Was geht, was bleibt. Leben mit Demenz" am Dienstag im Foyer des Landratsamtes fand die Auftaktveranstaltung zur Initiative "Demenzfreundliche Kommune im Landkreis" statt.

Ein erster Schritt könnte laut Fontana eine Schulung der kommunalen Mitarbeiter im Umgang mit dementen Bürgern sein. Darüber hinaus könnte die Gemeinde demenzfreundliche Wegweiser und Hinweisschilder anbringen sowie Räumlichkeiten für Veranstaltungen oder die stundenweise Betreuung zur Verfügung stellen. Auf jeden Fall könnte die Gemeinde Koordinator sein und Informationen weitergeben.

Die Vorträge von Ulrike Kaufmann von der Landesalzheimergesellschaft Bayern sowie der Mitarbeiter des Landratsamtes München, in dem das Projekt bereits umgesetzt wird, waren den anwesenden Bürgermeistern und Vertretern sozialer Einrichtungen allerdings zu theoretisch. "Ich will hören, was wir als bürgerfreundliche Gemeinde machen können", monierte der Feldafinger Bürgermeister Bernhard Sontheim. Laut Fontana steht man im Landkreis Starnberg aber erst am Anfang. Sie setzt auf praxisorientierte Vorschläge aus den Gemeinden. In vielen der 14 Landkreiskommunen wird bereits einiges getan. So gibt es Seniorenreferenten im Gemeinderat oder Seniorenbeiräte. Wie Barbara Schachtschneider von der Nachbarschaftshilfe Inning berichtete, werden Angehörige unterstützt, damit Betroffene zu Hause betreut werden können. Nicht nur bei den Nachbarschaftshilfen, auch im Starnberger Seniorentreff werden Beratungen angeboten. Im BRK gibt es laut Christine Gunz-Kahlau eine Fachstelle für pflegende Angehörige sowie einige stationäre Einrichtungen im Landkreis. Bei der Ilse-Kubaschewski-Stiftung in Starnberg existiert eine spezielle Wohngemeinschaft. In den Kliniken Starnberg, Penzberg und Seefeld sind im Bereich Innere Medizin oder Unfallchirurgie nach Angaben von Aloisia Chiera bis zu 30 Prozent der Patienten demenzkrank. Wenn weglaufgefährdete Patienten nach richterlichem Beschluss freiheitsentziehende Maßnahmen bekommen, werden diese jedoch nach Erfahrungen der Ärzte traumatisiert. Nun habe man ein Spezialbett angeschafft.

In der Ausstellung, die bis 1. Februar im Landratsamt zu sehen ist, gibt es viel Information rund um die Betreuung von Demenzkranken. Eine Mitarbeiterschulung findet am 27. Februar im Landratsamt statt. Anmeldungen sind bis 15. Februar unter Telefon 08151/14 85 86 oder per E-Mail an petra.fontana@lra-starnberg.de möglich. Die nächste Veranstaltung ist am 3. April im Landratsamt geplant.