Stadelheim:Prozess um Wiesn-Messerstecherei: Millionär überraschend festgenommen

Wiesn Festzelte und Schenken in der Blauen Stunde

Vor dem Käfer-Zelt soll Melanie M. einen Lastwagenfahrer niedergestochen haben. Danach feierte sie weiter.

(Foto: people picture)
  • Der Millionär, dessen Freundin wegen der Wiesn-Messerattacke im Gefängnis ist, wurde überraschend festgenommen.
  • Er soll einen Zeugen gekauft haben, um die Angeklagte zu entlassen.
  • Auf der Wiesn 2015 war die Frau mit einem Messer auf einen Lastwagen-Fahrer losgegangen.

Von Christian Rost

Im Zusammenhang mit dem Prozess um eine Messer-Attacke auf dem Oktoberfest 2015 hat es am Dienstag eine spektakuläre Festnahme gegeben. Die Staatsanwaltschaft München I ließ den Lebensgefährten der wegen Mordversuchs vor Gericht stehenden Melanie M. verhaften. Dem Hamburger Millionär Detlef F., 63, wird Anstiftung zur uneidlichen Falschaussage vorgeworfen. Er soll versucht haben, mit einem gekauften Zeugen den Prozess gegen seine Freundin zu beeinflussen.

Die Staatsanwaltschaft präsentierte F. den Haftbefehl, als er am Dienstag Melanie M. in der Frauenabteilung der Justizvollzugsanstalt Stadelheim besuchen wollte. Der Immobilienkaufmann wurde dem Ermittlungsrichter vorgeführt, wie Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch bestätigte. Der 63-jährige räumte dort die Vorwürfe ein, daraufhin wurde der Haftbefehl wieder aufgehoben. In U-Haft befinden sich dagegen die 34-jährige Melanie M. sowie Christian H., der Zeuge, der falsch ausgesagt haben soll.

Melanie M. wird vorgeworfen, am ersten Wiesnwochenende 2015 vor dem Käfer-Zelt mit einem Klappmesser einen Lastwagenfahrer niedergestochen zu haben, der rassistische Beleidigungen in Richtung des Ex-Fußballnationalspielers Patrick Owomoyela gebrüllt hatte. Das Messer traf die Milz des Opfers, die in einer Operation entfernt werden musste. M. war nach der Tat mit Bekannten weitergezogen zum Feiern in die Disco P1. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr versuchten Mord vor. Die Verteidigung spricht von einem straffreien Notwehrexzess.

Während des Prozesses vor dem Schwurgericht präsentierte die Verteidigung vor knapp zwei Wochen mit dem Schweizer Geschäftsmann Christian H. einen vermeintlichen Entlastungszeugen. Der Mann sagte zugunsten von M. aus, dass der Lastwagenfahrer sie an den Schultern gepackt und mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen habe. "Sie versuchte, ihn mit den Füßen wegzutreten, traf ihn aber nicht", schilderte der Zeuge. Damit stützte H. die Notwehr-Version der Verteidigung.

Für die Staatsanwaltschaft war dessen Aussage zu glatt. Zudem log er, als er zweimal vor Gericht behauptete, nicht vorbestraft zu sein. Tatsächlich hat er bereits zwei Einträge im Strafregister: Betrug und Unterschlagung. Die Staatsanwaltschaft ließ H. noch im Gerichtssaal wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage festnehmen.

Seither sitzt er in Untersuchungshaft. Melanie M.s Verteidiger Annette Voges, Gerhard Strate und Steffen Ufer protestierten zunächst gegen die Festnahme des Zeugen, distanzierten sich dann aber von ihm. Sie hätten über H. im Internet recherchiert und seien auf dubiose Geschäfte des Mannes gestoßen.

An diesem Montag räumte H. nach SZ-Informationen in einer Vernehmung ein, falsch ausgesagt zu haben. Ein von Detlef F. beauftragter Mittelsmann habe ihm 100 000 Euro für die entlastende Aussage vor Gericht geboten. Weitere 100 000 Euro seien ihm für den Fall versprochen worden, dass M. vorzeitig aus der Haft frei komme.

Im Gegenzug für das Geständnis soll die Staatsanwaltschaft H. in Aussicht gestellt haben, mit einem Strafbefehl davonzukommen. Für die Falschaussage soll er eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung erhalten. An diesem Mittwoch soll Christian H. in der Hauptverhandlung des Verfahrens gegen Melanie M. erneut vernommen werden. H. kündigte an, sein Geständnis vor dem Schwurgericht zu wiederholen.

© SZ vom 20.07.2016/hmai
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