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Talentiade 2019:Kleiner Flitzer

Selbst älteren Gegnerinnen läuft Hannah Schreiber mittlerweile mühelos davon. Sie hat den Willen, ernsthaft Leistungssport zu betreiben.

(Foto: Privat)

Leichtathletin Hannah Schrei­ber ist zwölf Jahre alt und hat große Ziele: Sie will die Gesa Felicitas Krause der Mittel­strecke werden. Dafür wechselt sie nun auf die Sportschule.

Hannah Schreiber hat dieses Jahr zwei große Ziele vor Augen: die bayerischen Meisterschaften Ende Juli und den Unterrichtsbeginn an ihrer neuen Schule im September. Ersteres soll Schreiber einen Titel bringen, Letzteres irgendwann mal den ganz großen Erfolg. Die 13-jährige Leichtathletin der SG Moosburg startet dieses Jahr in ihre erste richtige Wettkampfsaison, Erfolge hat sie trotzdem schon so einige erlaufen. Überall im Haus der Schreibers hängen Hannahs Medaillen. Im vergangenen Jahr wurde sie Teil des oberbayerischen Förderkaders. Von September an geht sie nun auf die Eliteschule des Sports in München. Schreiber träumt von Olympia und davon, mal ganz vorne mitzulaufen.

Dass die junge Leichtathletin Talent hat, bemerkte ihr Trainer Alexander Pschorr schon, als sie das erste Mal zu ihm ins Training kam: "Da waren wir in der Halle und haben Sprintübungen gemacht - Hannah war von allen Anwesenden die Beste." Dabei ist Sprint bis heute nicht Schreibers beste Disziplin, sie läuft eher Mittel- und Langstrecke.

Ein paar Monate nach ihrem ersten Training machte die Läuferin auch außerhalb von Moosburg auf sich aufmerksam. Ende 2015 nahm sie mit ihrem Vater an einem Münchner Zehnkilometerlauf teil. Starten konnte Schreiber nur mit einer Ausnahmegenehmigung. "Sie war noch so klein, dass mein Mann mitgelaufen ist", erzählt Mutter Heike Schreiber. 800 Meter hat es gedauert, dann ist die Tochter ihrem Vater Michael davongezogen. Getroffen haben sie sich erst im Ziel wieder. Die damals Neunjährige kam dort acht Minuten vor ihrem Vater an, in der Frauenwertung wurde sie 41. Auch im Leistungsbereich ist Hannah Schreiber schon jetzt schneller als viele ältere Läuferinnen: Bei einem Zehnkilometerlauf in Bad Füssing Anfang dieses Jahres stach sie die gesamte weibliche U18 aus. "Man sieht schon immer die Blicke bei Stadtläufen und anderen Wettbewerben, wenn an all den Großen plötzlich die kleine Hannah vorbeizieht", sagt Michael Schreiber stolz.

Die Erfolge sind da, die Eliteschule des Sports will die Zwölfjährige aufnehmen und fördern, in ihrem Verein ist Hannah eines der Ausnahmetalente. Das kann schnell zu Kopf steigen. Vor allem in letzter Zeit nimmt Trainer Pschorr seinen jungen Schützling oft in die Mangel. "Du bist noch so jung, ich kann dir nicht sagen, wo du später mal sein wirst. Olympia - ja, das ist ein Traum von dir, den du auch haben darfst. Aber es ist ein Traum, kein Fakt. Du musst wissen, wo du jetzt stehst: Gerade gewinnst du Kreismeisterschaften, oberbayerische, vielleicht die bayerische", ermahnt er sie dann. Ihr stehe noch ein langer Weg bevor, zu dem auch Scheitern gehöre. Pschorr sagt ihr auch, so früh seien viele gut - aber nur wenige von ihnen schafften es am Ende nach ganz oben.

Trotzdem weiß Hannah Schreiber genau: Nach ganz oben, da will sie hin. Wie ihr großes Vorbild, Gesa Felicitas Krause. Hannas Schreiber will die Krause der Mittelstrecke werden. Angefangen bei der bayerischen Meisterschaft Ende Juli: "Natürlich will ich da vorne mitlaufen", sagt die Zwölfjährige entschlossen. "Und eine neue Bestzeit laufen. Dafür trainiere ich jetzt."

Mit ihrer aktuellen Bestzeit hat sie sich vor einigen Wochen für die bayerische Meisterschaft qualifiziert, in 2:34 Minuten ist sie die 800 Meter gelaufen. Danach ist die Saison für die junge Läuferin erst mal vorbei, für die größeren Turniere ist sie noch zu jung. An welchen Wettbewerben sie im nächsten Jahr teilnimmt, wird auch ihre neue Schule entscheiden, an der sie Trainer des Bayerischen Leichtathletik-Verbands trainieren. Schreiber bekommt dort Trainings- und Ernährungspläne, der Stundenplan wird mit Trainingseinheiten abgestimmt. Nach der Schule wird die Moosburgerin dann weiter bei Trainer Pschorr in ihrem Verein trainieren, vier Mal die Woche. Ob das nicht zu viel wird? Hannah Schreiber schüttelt entschieden den Kopf. "Wenn ich mal einen Tag kein Training habe, wird mir langweilig." Das Laufen sei das einzige, was sie an ihre Grenzen treibe.

Diese Leidenschaft haben auch ihre Eltern erkannt und sich deshalb für den Schritt Richtung Eliteschule entschieden. Auch für ihren Trainer ist die Ausrichtung auf den Leistungssport eine Umstellung. "Wir lassen das einfach mal auf uns zukommen und schauen, wie es läuft", sagt Pschorr. "Grundlegende Sachen ändert das sowieso nicht: Hannah braucht viel Geduld, muss Zeit investieren, viel trainieren. Sie muss aber auch schauen, dass sie gesund bleibt." An einen Wechsel in einen größeren Verein denkt Hannah Schreiber nicht, sie fühlt sich wohl in Moosburg.

Zum zehnten Mal hat die Süddeutsche Zeitung in den vergangenen Wochen herausragende Talente gesucht und Sportvereine, die sich besonders um die Nachwuchsarbeit verdient gemacht haben.