SpVgg Unterhaching Pleite im Kerngeschäft

Mund abputzen: Unterhachings Torwart Lukas Königshofer geht nach der 0:3-Niederlage in Münster zu den wenigen mitgereisten Anhängern. Deren Geduld wird zurzeit auf eine harte Probe gestellt.

(Foto: Eibner/imago images)

Der einstige Aufstiegskandidat kommt nicht aus der Krise. Nach dem 0:3 in Münster wartet die Elf von Claus Schromm nun schon seit 523 Minuten auf einen eigenen Treffer.

Von Stefan Galler, Unterhaching

Was waren das für Lobeshymnen, die noch im Herbst auf die SpVgg Unterhaching angestimmt wurden: Das spielerisch beste Team der dritten Liga hätte Trainer Claus Schromm zur Verfügung, jubelte die Konkurrenz, sogar als Aufstiegsfavorit war die junge Mannschaft aus der Münchner Vorstadt bereits gehandelt worden, selbst wenn die Rot-Blauen so manchen Sieg liegen ließen, weil sie vor lauter Hurra-Fußball und frischer Offensive gar nicht so oft treffen konnte, wie sie sich hinten Gegentreffer einfingen. Gestört hat das niemanden, denn das Ergebnis stimmte. Haching machte allen mächtig Spaß.

Ein paar Monate später hängt die Mannschaft in einer beinahe unheimlichen Abwärtsspirale fest, von Rang fünf sind die Fußballer der Spielvereinigung bis auf Platz elf der Tabelle durchgereicht worden. Von nunmehr zehn Partien im Kalenderjahr 2019 gewann Haching nur eine (1:0 in Würzburg), verlor aber sieben. Die Zahlen sind alarmierend, vor allem, was den offensiven Ertrag angeht: In den zehn Spielen traf die SpVgg insgesamt nur dreimal, zuletzt blieb Haching 523 Minuten, also insgesamt fast sechs Spiele lang ohne Torerfolg. Insofern ergibt es durchaus Sinn, was Spielmacher Sascha Bigalke nach der 0:3 (0:1)-Niederlage am Samstag beim SC Preußen Münster sagte: "Ich glaube, wir müssen endlich mal wieder ein Tor schießen. Wir haben nur ein einziges Mal in der Rückrunde geführt - und da haben wir gewonnen. Das sagt alles darüber aus, woran es bei uns derzeit liegt."

Dass Stephan Hain wegen einer Verletzung der Syndesmose bis Saisonende nicht mehr einsatzfähig sein wird, macht die Lage nicht besser, immerhin liegt der Stürmer mit 13 Treffern noch immer auf Rang zwei der Torschützenliste der dritten Liga, obwohl er seit dem 30. November 2018 nicht mehr getroffen hat. In Münster durfte wie zuletzt am Mittwoch beim 0:0 gegen Cottbus wieder der 22 Jahre alte Maximilian Krauß von Beginn an neben Stefan Schimmer stürmen. Auf sein erstes persönliches Erfolgserlebnis wartet der vor der Saison aus Nürnberg geholte Angreifer aber noch. Seine beste Aktion am Samstag war ein Dribbling im gegnerischen Strafraum inklusive Zuspiel auf Orestis Kiomourtzoglou, dessen Abschluss von Preußen-Verteidiger Lion Schweers aber noch geblockt wurde (55.).

Das war eine der wenigen guten Ausgleichschancen für die SpVgg, nachdem sie bereits in der siebten Minute in Rückstand geraten war: Nach einem Eckball brachten die Unterhachinger den Ball nicht aus der gefährlichen Zone, Fabian Menig bediente René Klingenburg, und der ließ Torwart Lukas Königshofer aus kurzer Distanz keine Abwehrchance. Zumindest die Münsteraner Durststrecke von 285 Minuten ohne Tor war damit hinfällig.

Der Negativlauf der Gäste hält dagegen an, auch weil Preußen-Torwart Maximilian Schulz-Niehues einen Bigalke-Schlenzer stark über die Latte lenkte (30.). "Wenn es ums Kerngeschäft geht, also vorne den Ball über die Linie zu bekommen oder defensiv alles reinzuhauen, damit nichts passiert, dann treffen wir zurzeit oft die falschen Entscheidungen", sagt Trainer Claus Schromm. Dazu kommt die lähmende Erschöpfung, die das Team mit sich herumträgt. Das Match in Münster war bereits das siebte Pflichtspiel innerhalb von 25 Tagen. Und dann ist da ja auch noch die Personalmisere: Momentan fehlen sechs Spieler aus dem erweiterten Stamm. "Das passt alles ins Bild", sagt Schromm.

Die Lage ist ernst: Der Vorsprung der SpVgg auf die Abstiegsränge beträgt nur noch sechs Punkte

In der Schlussphase erlahmte schließlich die Gegenwehr: Nachdem zunächst Torwart Königshofer seine Mannschaft mit einer starken Doppelparade gegen Klingenburg und Philipp Müller noch im Spiel gehalten hatte (64.), setzte sich in der 82. Minute Philipp Hoffmann gegen die Hachinger Defensivspieler Max Dombrowka und Alexander Winkler durch, ehe er aus zehn Metern auf 2:0 für Münster erhöhte. Nachdem die Rot-Blauen abermals einen Eckball nicht wegbekommen hatten, setzte Simon Scherder zwei Minuten vor dem Abpfiff den Schlusspunkt mit dem 3:0. "Ich muss die Truppe in Schutz nehmen, jeder, der schon mal so eine Phase durchgemacht hat, weiß, wie man sich da fühlt", sagte Schromm über diese für seine Elf so harten Schlussminuten.

Nun gilt es, die sechs spielfreien Tage zu nutzen, um die Akkus wieder einigermaßen aufzuladen. Während sie in Unterhaching im Winter noch von einer Rückkehr in die zweite Liga träumten, rückt nun langsam, aber sicher die Rote Zone bedrohlich nahe: Nur noch sechs Punkte beträgt der Abstand der SpVgg zum ersten Abstiegsplatz. Es zeichnet sich ab, dass jene 40 Zähler, die Haching acht Runden vor Saisonschluss hat, wohl kaum zum Klassenerhalt reichen werden. Noch herrscht Zuversicht: "Ich bin hundertprozentig überzeugt, dass wir aus dieser schwierigen Phase als Team herauskommen werden", sagt etwa Verteidiger Markus Schwabl. "Wir werden alles dafür tun, um am Samstag gegen Halle zu gewinnen."