SpVgg Unterhaching Nicht noch einmal

Sauber: Präsident Manfred Schwabl tätschelt Luca Marseiler, den Schützen des Hachinger 2:0.

(Foto: Sven Leifer/imago/foto2press)

Drei Tage nach der verspielten 2:0-Führung in Cottbus behält die Schomm-Elf beim 2:1 gegen Rostock die Nerven.

Von Stefan Galler, Unterhaching

Aus der Kabine schallte eine alte Modern Talking-Nummer, die Spieler grölten wild durcheinander und ließen den Gefühlen ihren Lauf. Als der Präsident in die Umkleide eilte, um sie zu beglückwünschen, ließ er zwar wissen, dass derlei Klänge nicht sein Fall sind: "Auf meinem Tape wäre eher Abba drauf, ,Dancing Queen'", sagte Manfred Schwabl und grinste breit. Aber natürlich hatte Schwabl prächtige Laune nach dem heiß umkämpften 2:1 (1:0)-Erfolg der SpVgg Unterhaching gegen Hansa Rostock. Schließlich thronten die Rot-Blauen nach dem Spiel zumindest vorübergehend an der Tabellenspitze der dritten Liga. Viel wichtiger aber sei, sagte Trainer Claus Schromm, dass die Spielvereinigung nach vier Spieltagen bereits acht Punkte auf dem Konto hat: "Darum beneiden uns viele in der Liga."

Nur drei Tage nach der Nervenschlacht in Cottbus, als Haching in den letzten drei Minuten eine 2:0-Führung vergeigte und sich am Ende mit einem 2:2 zufrieden geben musste, schien sich der Spielverlauf vor 4000 Zuschauern im Sportpark zu wiederholen. Drei Minuten waren noch zu absolvieren, Haching führte wie in Cottbus 2:0, da legte Rostocks Marco Königs den Ball zurück an den Strafraum und Del-Angelo Williams schmetterte die Kugel in den Winkel - Hansa war wieder dran. Dann musste Markus Schwabl aufgeben, der Sohn des Präsidenten; "Ein Krampferl", so Schromm, plagte den laufstarken Außenverteidiger derart, dass er nicht mehr weiterrennen konnte; weil das Wechselkontingent bereits erschöpft war, mussten sich die Gastgeber in Unterzahl den Angriffen der Mecklenburger stellen. Und es entwickelte sich ein unfassbarer Krimi mit Hachings Torwart Lukas Königshofer im Zentrum des Geschehens. Der 29-jährige Wiener parierte einen weiteren Gewaltschuss von Williams, den Schromm wohl schon im Tor gesehen hatte (jedenfalls raufte er sich verzweifelt die Haare), und dann hielt der Keeper auch noch einen Versuch von Pascal Breier - der Ball tänzelte parallel zur Torlinie, erst dann war die Gefahr gebannt und der erste Heimsieg in dieser Saison unter Dach und Fach.

"Vielleicht hat der Fußballgott herunter geschaut und sich gedacht, dass er den armen Hachingern nicht zweimal das Gleiche antun wollte", witzelte Schromm hinterher im Rückblick auf das Cottbus-Spiel, während Keeper Königshofer angab, in der hektischen Schlussphase nicht an den Mittwoch gedacht zu haben: "Dazu hatte ich gar keine Zeit." Überhaupt genieße er es durchaus, wenn er viel zu tun habe. "Aber nur, wenn es so ausgeht wie heute."

"Wenn man die Leistungen sieht, stehen wir zurecht oben", sagt der überragende Torwart Königshofer

Die Rostocker haderten nach dem Spiel mit dem Ergebnis. Trainer Pavel Dotchev hatte auch eine gute halbe Stunde nach dem Schlusspfiff noch nicht recht eingeordnet, was da gerade passiert war: "Ich versuche mir klarzumachen, warum wir dieses Spiel verloren haben." Und kam dann zu folgendem Ergebnis: "Haching war sehr effizient. Und wir hatten ein bisschen Pech." Gut zwanzig Minuten lang hatten die von ihren mehr als 1000 mitgereisten Anhängern frenetisch angefeuerten Rostocker das Spiel total im Griff. Es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, wann dem brandgefährlichen Mittelstürmer Cebio Soukou das erste Tor gelingen würde. Doch dann befreiten sich die Gastgeber eine erste Doppelchance vergaben Finn Porath und Stephan Hain (27.); einen 20-Meter-Freistoß von Sascha Bigalke klaubte Hansa-Torwart Ioannis Gelios aus dem Winkel (29.). Den folgenden Eckball brachten die Gäste nicht aus der Gefahrenzone, Lucas Hufnagel fand mit einer perfekten Flanke Hain, der Gelios mit einem schulmäßigen Kopfball gegen die Laufrichtung keine Chance ließ - 1:0 (30.).

Auch im zweiten Durchgang waren es die Kicker von der Ostsee, die den Ton angaben, doch an Königshofer gab es kein Vorbeikommen. Einen Schuss von Königs wehrte der 1,93-m-Hüne mit der Schulter ab (55.), gegen Breier zeigte er einen sensationellen Reflex (65.). Ausgerechnet in jener Phase, als die Hachinger den Ball kaum mehr halten konnten, setzten sie einen perfekten Konter: Bigalke und Hain bereiteten vor, Luca Marseiler schloss mit einem strammen Rechtsschuss ins Kreuzeck ab - 2:0 (72.). Es folgten 180 dramatische Schlusssekunden - und danach Hachinger Jubelgesänge.

"Wir haben ein kleineres Budget als die meisten anderen Vereine. Und dennoch haben wir in jedem Spiel eine riesige Qualität gezeigt", sagte Königshofer. "Wenn man die Leistungen anschaut, dann stehen wir zu Recht oben in der Tabelle." Claus Schromm zeigte sich "überglücklich", bewertete den Spielverlauf jedoch nicht euphorisch: "Ehrlich gesagt hätten wir es am Mittwoch in Cottbus mehr verdient gehabt zu gewinnen als heute." Und Kapitän Josef Welzmüller erklärte, warum es diesmal mit dem Sieg geklappt hatte: "Weil wir uns nach dem Cottbus-Spiel vorgenommen haben, dass es das letzte Mal war, dass wir eine Führung verspielt haben."