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SpVgg Unterhaching:Es wackelt die falsche Null

v.li.: Jim-Patrick Müller (Jim-Patrick Mueller, Unterhaching, 13) Hassan Amin (SV Meppen, 7) im Zweikampf, Duell, duel,

Die Offensive, links der eingewechselte Jim-Patrick Müller, bringt ihr Potential zurzeit nicht auf den Rasen.

(Foto: Sven Leifer/imago)

Wieder ist die Abwehr der Trumpf der SpVgg Unterhaching. Der Offensive fehlt es dagegen an Zielstrebigkeit - und der Gegner ist viel näher an einem Torerfolg.

Auf dem Schwebebalken oder der Slackline kommt es bekanntlich auf die Balance an - immer schön den Körpermittelpunkt finden und nicht nach links oder rechts kippen. Auch im modernen Fußball wird die Balance immer wichtiger, da geht es dann eher darum, nicht zu offensiv, aber eben auch nicht zu defensiv zu agieren. Bei der SpVgg Unterhaching suchen sie ihren fußballerischen Körpermittelpunkt in dieser Saison noch, in den ersten drei Saisonspielen in Liga drei setzte es sieben Gegentore, dafür rappelte es vorne ordentlich. Mittlerweile ist die Abwehr um den jungen Torwart Nico Mantl das Prunkstück - in den letzten sieben Spielen kassierte die SpVgg nur zwei Gegentreffer, beide beim 2:2 gegen Münster. Aber vorne will es eben auch nicht mehr so recht klappen, sieht man vom 3:0-Auswärtssieg in Mannheim vor einer Woche ab. Das 0:0 am Samstagnachmittag vor 2000 Zuschauern im Sportpark gegen den SV Meppen war bereits die vierte Nullnummer in den zurückliegenden sechs Partien.

"So lange man etwas mitnimmt, ist es okay", urteilte Hachings Kapitän Dominik Stahl nach dem Spiel. "Wir haben wieder zu null gespielt, kassieren wenig Gegentore. Aber es ist natürlich auch nicht gerade so, dass wir ein Feuerwerk abbrennen." Davon konnte nun wahrlich keine Rede sein, obwohl das Offensivpersonal eigentlich große Taten versprach: Stephan Hain und Florian Dietz durften sich gegen Meppen in vorderster Front versuchen, über die Seiten schoben Sascha Bigalke und Moritz Heinrich an. Und Mitte der zweiten Halbzeit konnte Trainer Claus Schromm dann noch Jim-Patrick Müller, Felix Schröter und Dominik Stroh-Engel nachladen.

Trotz der hohen Angriffsqualität blieben Torchancen der Gastgeber Mangelware. Die beste in Durchgang eins hatte Dietz, als er von der rechten Seite den Meppener Keeper Matthis Harsman prüfte, der Abpraller fiel Bigalke vor die Füße, doch dessen Versuch blockte ein Verteidiger (44.). Nach dem Seitenwechsel spielte sich die beste Offensivszene der Rot-Blauen in der 75. Minute ab, als Lucas Hufnagel die Kugel mit der Ferse kurz vor der Torauslinie im Spiel hielt, Heinrich die Lücke nicht fand, schließlich Stahl aus 20 Metern abzog, dabei jedoch nur Hufnagel traf, der mittlerweile im Abseits stand.

Entsprechend musste auch Coach Schromm einräumen, dass "ein Sieg nicht verdient" gewesen wäre. "Wir haben gegen Ende auf einen Lucky Punch gehofft, der ist leider nicht geglückt." Und Kapitän Stahl ergänzte: "Wir haben das Tor nicht konsequent erzwungen, haben die Bälle nicht in die Räume gebracht und das Spiel generell nicht gut verlagert."

Das konnte man von den Meppenern nicht behaupten. Obwohl die Mannschaft eine beschwerliche Anreise hinter sich hatte - wegen des Pilotenstreiks fiel der Flug nach München aus, das Team musste die 800 Kilometer lange Strecke in Kleinbussen bewältigen, weil sich auch der große Mannschaftsbus bereits auf den Weg gemacht hatte. Dennoch waren die Emsländer von Anfang an wacher als die ausgeruhten Gastgeber. Und sie hatten jede Menge Torgelegenheiten, etwa als Deniz Undav Valdet Rama per Steilpass in Szene setzte und jener den Ball übers Tor zirkelte (19.). Oder als SpVgg-Keeper Mantl bei einem Konter der Meppener glänzend gegen René Guder rettete (27.). Undav traf per Kopf nach einer Flanke von Markus Ballmert den Pfosten (28.) und Hachings Verteidiger Alexander Winkler, der zuvor bereits seine fünfte gelbe Karte gesehen hatte und nach der Länderspielpause in Magdeburg gesperrt ist, rettete in höchster Not gegen Guder (41.). "Man muss schon sagen, dass das 0:0 vor allem in der ersten Halbzeit glücklich für uns war", sagte Stahl. Und Schromm ergänzte: "Unsere erste Halbzeit war sehr überschaubar, Dank an Nico Mantl und die Meppener, dass wir da ohne Gegentor geblieben sind." In der zweiten Halbzeit hatten sich die Hachinger dann besser auf das Angriffsspiel der Gäste eingestellt, dennoch blieb Meppen gefährlicher als Haching. Die beste Gelegenheit vergab der für den verletzten Undav eingewechselte Julius Düker, der nach Ballverlust von Hufnagel und Chip-Pass von Hilal El-Helwe plötzlich frei vor Mantl auftauchte, den Ball an diesem jedoch nicht vorbei brachte (50.).

Am Ende haderten die Gäste deutlich mehr mit der Punkteteilung als die Hachinger. Aus dem Gleichgewicht brachte das torlose Remis jedoch niemanden an diesem kalten Nachmittag im Sportpark.

© SZ vom 11.11.2019
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