SpVgg Unterhaching Eingeschnürt im Spinnennetz

Frustriert, aber mit Hoffnung: Josef Welzmüller erinnerte daran, dass der letzten Niederlage dieser Art eine lange Siegesserie folgte.

(Foto: Sven Leifer/imago/foto2press)

Haching beendet seine Siegesserie mit einem 0:3 gegen Rostock. Geschockt ist niemand, man plant weiter mit dem Aufstieg - in zwei oder drei Jahren.

Von Christoph Leischwitz, Unterhaching

Es zog sich, doch gegen Ende der Pressekonferenz konnte sich Gästetrainer Pavel Dotchev noch einmal freuen. "Schön, dass Sie das ansprechen", sagte der Trainer von Hansa Rostock, als die Rede auf die Fans kam. Mehr als 1000 waren es gewesen, die an einem Freitagabend nach Unterhaching gekommen waren, die meisten von ihnen wohl tatsächlich aus der 800 Kilometer entfernten Heimat. "Es ist eine tolle Sache, dass sie sich diese Mühe machen." Während Dotchev das sagte, schwebte eine Spinne an ihrem Faden ganz nah an seinem Gesicht vorbei, er selbst sah sie wohl gar nicht. Sie stieg schräg nach oben, offensichtlich hatte sie nicht mehr damit gerechnet, dass Dotchev noch einmal zum Mikrofon greifen würde - das schöne Netz! Als der Sprecher den Gästen eine gute Heimfahrt wünschte, hatte die Spinne die rettende Decke erreicht.

"Jetzt hat's halt mal wieder auf die Fresse gegeben", sagte Präsident Manfred Schwabl

Es dauert eben seine Zeit, wenn die SpVgg Unterhaching von den gegnerischen Übungsleitern gelobt wird. Selbst dann, wenn die Mannschaft eine deutlich schlechtere Leistung abliefert als üblich. 0:3 verlor die SpVgg gegen Rostock, obwohl sie zuvor in fünf Spielen kein einziges Gegentor gefangen hatte. Diesmal wurden die Hachinger nach allen Regeln der Pressing-Kunst eingeschnürt, und wenn man erst einmal ins Netz gegangen ist, dann macht man oft alles nur noch viel schlimmer mit dem Versuch, sich irgendwie aus der Falle herauszuwinden.

"Jetzt hat's halt mal wieder auf die Fresse gegeben", sagte Präsident Manfred Schwabl. Trainer Schromm wählte später eine ähnliche Formulierung, ebenso Kapitän Josef Welzmüller: "Jetzt haben wir wieder auf die Fresse bekommen, so wie gegen Großaspach", sagte der Kapitän. Damals, vor sechs Wochen, habe man dann ja die Siegesserie gestartet. "Der Gegner war mehr gewarnt", sagte Hachings Trainer Claus Schromm über die starke Serie, die nun zu Ende gegangen war. Auch er hatte sich viel Zeit genommen, die Gegner und deren Spielanlage zu loben. So gesehen hatte man wohl ein Drittligaspiel auf recht hohem Niveau gesehen.

So richtig erklären konnte es sich der Abwehrchef Welzmüller aber auch nicht, warum sein Team zweimal gut in die Partie gefunden hatte, beide Male aber nur für wenige Minuten. Die erste und letztlich auch beste Chance der Gastgeber hatte Christoph Greger schon nach fünf Minuten gehabt. "Wir hatten heute Ballpech. Wir hatten in den letzten fünf Spielen aber auch sehr viel Ballglück. Insofern ist es gerecht, wenn es einen mal trifft", sagte Welzmüller. Ballpech - eine diplomatische Umschreibung für die Tatsache, dass man sich vor den Toren arge individuelle Fehler geleistet hatte. Vor dem 0:1 hatte Ulrich Taffertshofer den Ball im Spielaufbau verloren (35.), vor dem 0:2 hatte sich Alexander Winkler ein unnötiges Foul am Strafraumrand erlaubt (51.), vor dem 0:3 hatte Maximilian Bauer an der Torlinie gepatzt (59.).

Blieb noch die Frage, wie es sein konnte, dass man zu Hause 0:3 verliert, wo man eine Woche zuvor auswärts beim Aufstiegskandidaten Magdeburg 3:0 gewonnen hatte? Dominik Stahl reichten für die Antwort zwei Worte: "Dritte Liga." Die sei nämlich so unberechenbar, dass fast immer alles passieren könne. Stahl hatte während der Siegesserie verletzt gefehlt, diesmal war er unmittelbar vor dem 0:3 eingewechselt worden.

Niemand hörte sich so an, als ob nun etwas arg Schlimmes passiert wäre, man müsse eben darauf achten, nicht den Faden zu verlieren. Die Hachinger fühlen sich wohl mit dem immer noch erheblichen Abstand auf die Abstiegsränge. Gleichzeitig scheuen sie fast schon einen zweiten Aufstieg in Serie, die Strukturen könnten gar nicht so schnell mitwachsen, sagt etwa Vizepräsident Peter Wagstyl. Dieser übrigens hat Anfang September, ohne öffentliche Mitteilung, die Leitung der Geschäftsführung übernommen. Es sei ein erster Schritt, die Professionalisierung im Verein voranzutreiben, sagte Wagstyl. Auf SZ-Anfrage gab Präsident Schwabl bekannt, dass die Hauptversammlung, bei der über eine Ausgliederung der Profis abgestimmt werden soll, für Februar geplant ist. Mit einer kleinen Siegesserie könnte man sich bis dahin auch schon ziemlich sicher sein, nicht noch in Abstiegsgefahr zu geraten.