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Sportschießen:Voll ins Schwarze

Der Prittlbacherin Isabella Straub gelingt in der Luftgewehr-Bundesliga der perfekte Wettkampf: 400 Ringe, kein einziger Fehlschuss. Sie sagt, das sei eine logische Konsequenz - eine Olympiateilnahme wird dennoch schwer

Von Julian Ignatowitsch, Hebertshausen

Isabella Straub hat es kommen sehen. Sie sagt das ganz selbstbewusst. Der perfekte Wettkampf - für die 24-jährige Luftgewehr-Schützin von Germania Prittlbach war er nur die logische Konsequenz. "Ich bin einfach super in Form und habe seit Wochen einen Lauf", sagt sie. Jetzt hängt der Beweis dafür in ihrem Zimmer in Kirchseeon bei München. Das Schussbild von 400 Ringen hat sich Straub ausdrucken lassen und mit nach Hause zu ihren Eltern genommen, wo sie während ihres Lehramt-Studiums weiterhin wohnt. "Die Erfassung ist ja mittlerweile elektronisch", erklärt sie. "Deswegen keine echte Scheibe, sondern ein Ausdruck."

Germania Prittlbach

"Ich habe es kommen sehen": Kein einziger Schuss ging Isabella Straub in dieser unglaublichen Serie daneben.

(Foto: oh)

400 Ringe. Vierhundert. Das heißt, dass man 40 Mal hintereinander ins Schwarze, also die Zehn, getroffen hat. So ein Ergebnis gelingt den besten Schützen nur wenige Male in der sportlichen Karriere. Straub ist dieses Resultat jetzt in der Bundesliga geglückt, am Wochenende beim Sieg ihrer Mannschaft gegen den SV Schopp. "Das hat sich ziemlich geil angefühlt", sagt sie und lacht. Zum dritten Mal hat sie den maximalen Wert nun im Wettkampf erreicht: "400 hatte ich schon mal 2006 bei der Bezirksmeisterschaft und 2013 bei einem kleinen internationalen Wettkampf", sagt Straub. "Dazu zwei Mal im Training." Viele Schützen berichten davon, dass sie den Bestwert schon einmal im Training erreicht haben. Im Wettbewerb ist es freilich noch mal etwas ganz anderes, wenn alle Augen, auch die der Gegner, auf einen gerichtet sind. "Ich bin eine Wettkampfsau", sagt Straub und lacht erneut. Bei ihr sei es eher umgekehrt, im Training fehle ihr ab und zu mal die Anspannung, im Wettkampf sei die Konzentration dagegen sofort da.

So ein Ergebnis gelingt den besten Schützen nur wenige Male in der sportlichen Karriere.

(Foto: oh)

Als Nummer eins ihres Teams hat Straub bislang die ganze Saison über nur Spitzenergebnisse abgeliefert, ihr Schnitt von 396,5 Ringen macht sie zu einer der Topschützinnen in der auch international hochkarätig besetzten Liga. Vor zwei Monaten wurde sie deutsche Meisterin mit dem Luftgewehr. Sie ist Nationalkaderathletin, 2010 wurde sie Junioren-Europameisterin. International tut sie sich seit ihrem Wechsel zu den Erwachsenen allerdings immer noch schwer, weshalb auch die Qualifikation für die Spiele 2016 eher unwahrscheinlich ist. "2020 ist ja auch noch eine Option", meint sie, zukünftig muss sie dazu bei einem Weltcup, bei einer EM oder WM unter die besten Acht kommen. Die Konkurrenz ist für Straub in ihrer Paradedisziplin aber schon im deutschen Lager extrem: In Barbara Engleder, Selina Gschwandtner, Beate Gauß und Nina-Laura Kreutzer gibt es vier aussichtsreiche Kandidatinnen für Rio - aber nur zwei Plätze. Straub ist eher in der Außenseiterrolle. Ihr Fokus liegt ohnehin erst einmal auf der Bundesliga. Hier fühlt sich Straub am wohlsten, der Eins-gegen-eins-Modus liegt ihr. "Man ist nicht eine von 80 am Stand wie sonst, sondern steht im Mittelpunkt", sagt sie, "Nervenkitzel pur." Prittlbach ist mit zwei Siegen und zwei Niederlagen aktuell Vierter. "Wir hatten etwas Pech im direkten Vergleich. Insgesamt sind wir sehr stark und rechnen uns gute Chancen aufs Finale aus", sagt Straub.

2001 hat übrigens zum ersten und bis jetzt einzigen Mal jemand aus ihrer Mannschaft die 400 Ringe in der Bundesliga geknackt. Es war Trainerin Bettina Pfeffermann, die nun Straubs Ruhe lobte. Vor dem Wettkampf am Samstag hatte Straub vormittags bei ihrem Heimatverein in Kirchseeon 397 Ringe, darunter drei Mal 9,9 Punkte, erzielt. Die Kollegen scherzten: "Wieso keine 400?" Es sei doch knapp gewesen. Straub antwortete trocken: "Die mache ich gleich in der Bundesliga." Sagte sie und zeigte den perfekten Wettkampf.

© SZ vom 28.10.2015
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