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Sportschießen:Tokio im Visier

Scharfes Auge: Dennoch konnte Maximilian Dallinger, 22, seine Trainingsleistungen nicht ganz bestätigen.

(Foto: Claus Schunk)

Beim Schützen-Weltcup in Garching deutet sich ein Generationenwechsel an, doch die Talente brauchen Zeit. Die Qualität des Teilnehmerfelds steigt ständig.

Das Ziel anvisieren, mit Leidenschaft und Begeisterung bei der Sache sein - das hat sich die Münchner Luftgewehr-Trainingsgruppe "Burning Eye" zum Ziel gesetzt. Mit dieser Leidenschaft und Begeisterung schaffte es "Burning Eye"-Schützin Barbara Engleder 2016 in Rio de Janeiro zum Olympiasieg - und ließ sowohl Konkurrenten wie auch Zuschauer an ihren Emotionen teilhaben. Unvergessen die original niederbairischen Interview-Eruptionen der 37-Jährigen, die in der Bundesliga für die FSG "Der Bund" München schoss. Nachdem sich aber zunächst Engleder und dann aus beruflichen Gründen auch Daniel Brodmeier, der die Gruppe mitbegründet hat, aus dem Leistungssport zurückgezogen und große Fußstapfen hinterlassen haben, steht die Gruppe vor einem Generationenwechsel.

Maximilian Dallinger gilt als einer der Kandidaten, die in diese großen Fußstapfen treten könnten. Der 22-jährige Polizeioberwachtmeister aus Lengdorf im Landkreis Erding konnte auf der internationalen Bühne noch keine großen Erfolge feiern, hat aber laut dem bayerischen Luftgewehr-Landestrainer Mario Gonsierowski, der auch die "Burning Eye"-Gruppe betreut, mit die besten Chancen, sich für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio zu qualifizieren. Beim Weltcup, der seit Sonntag auf der Olympia-Schießanlage in Garching-Hochbrück stattfindet und bei dem 17 Quotenplätze für die Spiele vergeben werden, reichte es allerdings noch nicht. Im Dreilagenkampf mit dem Kleinkalibergewehr belegte Dallinger in der Vorausscheidung am Sonntag Rang elf und Rang 47 in der Qualifikation am Montag; in der Luftgewehrqualifikation stand am Dienstagnachmittag ein 47. Platz mit vier Ringen Rückstand zum Finale zu Buche.

"Maxi hat seine Trainingsleistungen nicht erreichen können", sagt Gonsierowski, "die wären nötig gewesen, um ins Finale zu kommen." Trotzdem müsse man das gerade in diesem stark besetzten Feld - der Weltcup verzeichnet in diesem Jahr mit 919 Schützen einen weltweiten Teilnehmerrekord - nicht übermäßig kritisch sehen. Dallinger habe in einem Bereich geschossen, mit dem man durchaus zufrieden sein könne.

Zusammen mit dem 18-jährigen Maxi Ulbrich, der in diesem Jahr ebenfalls Mitglied der Sportfördergruppe der Polizei wird, bildet Dallinger den neuen Kern von "Burning Eye". Dazu kommen in Selina Gschwandtner (ehemals HSG München), die wie Dallinger Ende Juni bei den Europaspielen in der weißrussischen Hauptstadt Minsk antritt, Isabella Straub (Germania Prittlbach), die ihr Ticket für die Olympischen Spiele schon vor dem Heimweltcup gelöst hat und deshalb erst beim nächsten Weltcup in Rio wieder antritt, und Sabrina Hößl drei Studentinnen. "Da sind wir mit guten jungen Schützen im Rennen, bei denen ich sehr viel Hoffnung habe", sagt Gonsierowski. Die 22-jährige Regensburgerin Hößl habe sich in Garching jedenfalls "wacker geschlagen".

Auch im restlichen Bundeskader rücken starke junge Talente nach. Die 17-jährige Anna Janßen (Kevelaer) schien in der Luftgewehr-Qualifikation der Damen lange auf Finalkurs zu sein, doch der vorletzte Schuss ging daneben. Mit 629,3 Ringen trennten sie am Ende 0,7 Ringe in dem breit besetzten Teilnehmerfeld am Ende von Platz fünf, der die Teilnahme am Finale bedeutet hätte. "Ich kann mich nicht erinnern, dass man eine 630 fürs Finale benötigt", kommentierte Bundestrainer Claus-Dieter Roth das Niveau des Wettkampfes. Mit dem 18-jährigen Max Braun (Neidlingen) kam ein weiterer Nachwuchsschütze zu seinem Debüt im Weltcup der Erwachsenen und zog mit 1165 Ringen in die Qualifikationsrunde ein.

In dem 27-jährigen Luftpistolenschützen Michael Heise, der in der Qualifikation auf den 27. Platz kam, und Maximilian Wolf, der im Dreilagenkampf mit dem Kleinkalibergewehr Platz 20 erreichte, beenden zwei Münchner Schützen ihren Heimweltcup als beste Deutsche. "Das ist ein sehr gutes Ergebnis für sein Vermögen, die Weltspitze ist aber sieben Ringe davon entfernt", sagt Gonsierowski über Wolf.

© SZ vom 29.05.2019

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