Sozialprojekt Basketballer wollen Sporthalle bauen - in Transsilvanien

Einen Basketballplatz aus München können die Kinder aus Bögöz bereits nutzen, nun sollen sie auch eine richtige Sporthalle bekommen.

(Foto: privat)
  • Einen Bauplatz gibt es bereits, Kontakt zu der Gemeinde in Rumänien und ein Modell ebenfalls - nur das Geld für das 800 000 Euro teure Projekt fehlt noch.
  • Mit der Halle wollen die Münchnerin Sandy Lorenz und der BC Hellenen den Kindern in Transsilvanien eine Perspektive geben. Ein Basketballfeld haben sie bereits gebaut.
  • Weitere Informationen über das Projekt gibt es hier.
Von Andreas Liebmann

"Eine Menge Holz", sagt Sandy Lorenz nickend, und sie meint nicht das Baumaterial. Sondern die Kosten. Die 38-jährige Münchnerin will eine Sporthalle bauen. 800 000 Euro muss sie dafür auftreiben, irgendwie. Sie atmet tief, überlegt. "Andererseits: Das ist auch nicht mehr als eine Eigentumswohnung in München." Vorsichtiges Lächeln. Dann sagt sie mit fester Stimme: "Ich bin sehr zuversichtlich." Die blauen Augen funkeln bestätigend.

Sandy Lorenz hat schon andere Dinge geschafft, die keiner so recht für möglich hielt, wieso also nicht auch das? Man muss allerdings wissen: Der Kontostand für ihr Projekt liegt aktuell so ziemlich bei null. Und die Sporthalle will sie ja nicht etwa in München errichten lassen, sondern in Bögöz, einem fernen rumänischen Dorf irgendwo im tiefsten Transsilvanien. Und nein: Das ist keineswegs eine Schnapsidee, sondern ein ziemlich konkretes Projekt.

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Es gibt bereits ein Modell von dieser Halle, gefertigt im Rahmen eines Wettbewerbs von Augsburger Architektur-Studenten. Auch einen Bauplatz gibt es, den Kontakt zur Gemeinde, und natürlich die Kinder, die in der Halle trainieren sollen. Basketballprofi John Bryant ist der Schirmherr des Projekts. Nur diese 800 000 Euro gibt es nicht. Noch nicht. "Ich muss jetzt einfach die richtigen Unterstützer finden", sagt Lorenz, von Beruf Grafikerin.

Sandy Lorenz ist Jugendleiterin beim Basketball-Regionalligisten BC Hellenen München, es ist ihr Projekt. Auch der Verein hat es zu seinem Sozialprojekt gemacht. Gemeinsam haben sie in Bögöz bereits ein Basketballfeld gebaut, sie bezahlen dort seit Jahren Trainer, die die Kinder unterrichten, alles durch Spenden finanziert. Und durch Mitgliedsbeiträge des dafür gegründeten Vereins Basketball Leben. Für das Winterhalbjahr haben sie dort wieder einen kleinen Sportraum angemietet, in dem das Training weitergeht, 5000 Euro koste sie jeder Winter. Knapp 50 000 Euro haben sie inzwischen wohl ausgegeben, schätzt Lorenz, 25 000 allein für den Freiplatzbau. Die Frage ist: Wozu das alles?

Sandy Lorenz kennt die Gegend gut. Sie hat dort vor 14 Jahren ein Praktikum in einem Kinderheim absolviert, sie hat sich in diesen Landstrich verliebt, in die Menschen. Sie kennt auch die Armut dort, die Perspektivlosigkeit. Es ist Szekler-Gebiet. Eine ungarische Minderheit lebt dort, die es schwer hat im ohnehin strukturschwachen Rumänien. Nach der Schule hatten die Kinder nichts zu tun, erzählt Lorenz.

Die Sporthalle ist von den örtlichen Scheunen inspiriert und soll sich so gut in die Landschaft Transsilvaniens einpassen.

(Foto: privat)

Das ist inzwischen anders. Sie spielen jetzt Basketball. 60 sind es aktuell, aus dem 1500-Einwohner-Dorf Bögöz und neun umliegenden Dörfern. Allmählich, sagt Lorenz, hätten auch die Eltern dort verstanden, worum es geht, und Vertrauen in das Projekt gefasst. Nun muss sie es nur noch potenten Geldgebern erklären, vielleicht deutschen Unternehmen, die auch in Rumänien aktiv sind. Immerhin: Kürzlich war ein Fernsehteam beim BC Hellenen, das für einen Beitrag in der Sendung "Lebensformen" gedreht hat. "Die haben mich von sich aus angeschrieben", erzählt sie staunend. Es tut sich also was.

Die neue Halle soll optisch an die Scheunen der Umgebung erinnern, sie soll sich einfügen in die Landschaft und nicht dastehen wie ein notgelandetes Ufo aus Deutschland. 40×20 Meter, eine Mehrzweckhalle, mit umlaufenden Sitzbänken aus Holzmodulen, die zu Tischen und Stühlen umfunktioniert werden können. Es gibt in der Nähe keine Halle, auch nicht an der Schule, auf deren Gelände die neue Sportstätte entstehen soll. Der Direktor, erzählt Lorenz, kennt sich aus im Sport, er weiß, wie riesengroß der Bedarf in der ganzen Gegend ist.

Dass das Basketball-Training nach drei Jahren so gut funktioniert, lag auch an einem Zufall. Im September war eine Gruppe Kinder vom BC Hellenen zu Besuch, nicht zum ersten Mal. Sie trafen die Kinder aus Bögöz zunächst in Cluj, wo sie gemeinsam ein Basketballspiel zwischen Spanien und Tschechien ansehen durften. Den Schulbus, den ihnen die Gemeinde zur Verfügung stellte, steuerte ein Mann, der früher an der Uni Basketball gespielt hat und der als Sportlehrer in Bögöz und den Nachbarorten arbeitet. Ihn konnte Lorenz spontan für das Trainerteam gewinnen, und mit ihm kamen viele neue Kinder. Seither engagierten sich auch die Eltern mehr. Nur den Namen des Hallenbauprojekts, den sich die Augsburger Studenten ausgedacht und den sie mit einem lustigen Fledermaus-Logo versehen haben, finden sie in Bögöz nicht ganz so gut: "Dracula Court." Das solle halt eher deutsche Sponsoren ansprechen, erklärt Lorenz schulterzuckend.

Auch junge Roma aus ärmsten Verhältnissen nehmen am Training teil

Am gemeinsamen Ausflug nach Cluj nahmen auch einige Roma-Kinder teil. "Einige haben ihr Dorf noch nie zuvor verlassen", wie Lorenz sagt. Sie sind die Minderheit im Minderheitsgebiet, sie leben "in ärmlichsten Verhältnissen", auch von ihnen kommen immer mehr ins Training. Ganz allmählich würden sie von den anderen im Team akzeptiert und zugelassen. Es geht um kulturellen Austausch, um Völkerverständigung, um den Abbau von Vorurteilen - übrigens auch für die Münchner, denen es guttue, diese Armut mal zu erleben. Einige der Kinder aus Bögöz durften im August erstmals München besuchen.

Beim Gegenbesuch im September stahl Sandy Lorenz übrigens einer ihrer Reisebegleiter die Show. Sidney d'Almeida, Hellenen-Spieler und Jugendtrainer, war mit dabei, und die Kinder hatten bislang wohl weder jemanden mit einer solchen Sprungkraft gesehen - noch solch eine dunkle Hautfarbe. "Er war der Star, alle hingen an ihm dran und wollten Fotos mit ihm", erzählt Sandy Lorenz lachend. Auch eine Art, Vorurteile abzubauen. Es sei fast ein zweiter Fulltime-Job, den sie da betreibe, sagt sie, aber er lohne sich. Lorenz findet: "Man müsste eigentlich noch viel mehr machen."

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