Schach Vorspiel zur WM

Antoaneta Stefanova, ehemalige Weltmeisterin aus Bulgarien.

(Foto: Xinhua/Imago)

Zum zehnten Geburtstag der Schachakademie treten am Wochenende in München ein Dutzend internationale Spitzenspieler zum Blitzturnier gegeneinander an

Von Philipp Jakob

Ohne Frage, die Schach-Welt hat aktuell all ihre Blicke auf die USA gerichtet. Genauer: New York. Im Big Apple duellieren sich seit gut einer Woche Titelverteidiger Magnus Carlsen und Sergej Karjakin um die Krone des Weltmeisters. Herausforderer Karjakin ist drauf und dran, den Norweger vom Thron zu stoßen, am Wochenende könnte die Entscheidung fallen. Doch bevor es so weit ist, hofft die Schachakademie München auf die Aufmerksamkeit der einschlägig Interessierten weltweit - zumindest für einige Stunden, ehe das große Event in New York weitergeht. "Die Spiele der Weltmeisterschaft sind erst am Abend", weiß Dijana Dengler. "Die Fans brauchen aber auch tagsüber ihr Schach." Und genau da kommt München ins Spiel.

Am Samstag und Sonntag (jeweils ab 11 Uhr) veranstaltet die Schachakademie zu ihrem zehnjährigen Bestehen ein hochkarätig besetztes Turnier. Aus sieben Ländern reisen zehn Großmeister und Großmeisterinnen sowie zwei Internationale Meisterinnen in die Landeshauptstadt. Das Besondere: Männer und Frauen treten gemeinsam an. "Das kommt nicht oft vor", sagt Dengler. Neben Nigel Short, der 1993 den langjährigen Weltmeister Garri Kasparow herausforderte, treten in Mariya Muzychuk und Antoaneta Stefanova auch zwei ehemalige Weltmeisterinnen an, um sich im Schnellschach zu messen. Jeder tritt gegen jeden an, ein Spieler hat pro Partie nur 20 Minuten Bedenkzeit. "Eine Partie dauert also maximal eine Stunde", erklärt Dengler. Die 50-Jährige ist Mitbegründerin der Schachakademie, spielt für die Nationalmannschaft Bosnien-Herzegowinas und fungiert als Turnierdirektorin. Das starke Teilnehmerfeld konnte sie dank ihrer persönlichen Kontakte auf die Beine stellen. "Ich bin mit allen befreundet, wir kennen uns schon seit Jahren von gemeinsamen Turnieren", sagt Dengler. Laut Veranstalter findet damit seit mehr als 20 Jahren erstmals wieder ein internationales Spitzenschachturnier in München statt.

In der Vergangenheit habe es für eine Veranstaltung auf so hohem Niveau an Geld und Sponsoren gefehlt. Beides ist nun vorhanden. "Wenn es gut ankommt, wäre es schön, wenn wir es auch in Zukunft machen könnten", sagt Dengler. Präziser wird sie bei der Frage nach ihrem Favoriten auf den Turniersieg. Dengler sieht Short oder auch den aktuell besten spanischen Schachspieler Francisco Vallejo Pons vorne. Aber: "Beim Schnellschach kann alles passieren." Von daher seien auch die lokalen Großmeister nicht ganz chancenlos.

Besonders drückt Dengler ihren Kollegen von der Schachakademie Gerald Hertneck und Stefan Kindermann die Daumen. Gemeinsam gründeten sie vor zehn Jahren die Akademie mit dem Ziel, Schach "nicht als Leistungssport, sondern als Bildungsmaßnahme" zu vermitteln. Die Arbeit mit Kindern steht dabei im Vordergrund. Schach soll zum Beispiel Schülern helfen, Alltagsprobleme leichter zu lösen. Auch für Flüchtlinge oder körperlich schwer behinderte Menschen bietet die Schachakademie Programme an. "Schach ist für jedermann", fasst Dengler ihr Motto zusammen.

Mit dem Turnier sollen im Idealfall auch Neulinge an die Sportart herangeführt werden. Am Wochenende hofft Dengler auf etwa 500 Besucher im Hotel Eden Wolff, wo das Turnier stattfindet. Zusätzlich erwartet sie ein paar Millionen weitere Zuschauer, die die Partien zu Hause verfolgen. Das Turnier wird auf zwei führenden Schachportalen im Internet übertragen. Für viele Fans ist das sicherlich eine schöne Einstimmung auf die Weltmeisterschaft in New York.