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Schach:Acht Großmeister

FCB-Großmeister: Noel Studer.

(Foto: Claus Schunk)

Der FC Bayern München ist in der vergangenen Saison in die erste Bundesliga aufgestiegen und hat sich nun verstärkt. Ziel ist der Klassenerhalt.

Klaus Bischoff ist seit 1990 Schach-Großmeister, von 1983 bis 1995 war er Teil der glorreichen Schachriege des FC Bayern München, die neunmal deutscher Mannschaftsmeister wurde und den Europapokal gewann. Der gebürtige Ulmer ist mittlerweile 58 Jahre alt und kehrte nach Gastspielen bei mehreren Vereinen 2014 zum FC Bayern zurück. Mit Erfolg, wie der Aufstieg in die erste Bundesliga beweist. Abteilungsleiter Jörg Wengler hat die Mannschaft nun personell verstärkt, Ziel ist der Klassenerhalt. Dafür hat er gleich drei jüngere Großmeister engagiert, somit gehen die Bayern mit acht Großmeistern in die Saison, die an diesem Wochenende in Augsburg gegen Turm Kiel (Sa. 14 Uhr) und den Hamburger SK (So. 10 Uhr) beginnt.

Acht Großmeister gab es beim FC Bayern zuletzt in den Neunzigerjahren. Um in der vor allem im Winterhalbjahr hochklassig besetzen Bundesliga bestehen zu können, ist das aber notwendig. Ein Team besteht auch acht Schachspielern, Wengler hat die vorderen drei Bretter neu besetzt. Neue Nummer eins ist Niclas Huschenbeth, der 27-Jährige aus dem niedersächsischen Hannoversch Münden ist der aktuelle deutsche Meister. "Am Spitzenbrett kann sich Huschenbeth mit der Weltspitze messen", sagt Wengler.

Was auch dessen Hauptmotivation für den Wechsel nach München gewesen sei. Denn Antrittsgelder lässt die klamme FCB-Schachkasse nicht zu. Anders bei der OSG Baden-Baden, dem Seriensieger der Bundesliga, dort spielt der US-Amerikaner Fabiano Caruana an eins, zuletzt Gegner von Magnus Carlsen im WM-Finale 2018. Der ehemalige Weltmeister Viswanathan Anand spielt beim Titelfavoriten an drei, der Inder geht für Baden-Baden in seine elfte Saison. Insgesamt spielen beim Titelverteidiger 16 Großmeister. Deutsche Namen sind nicht zu finden, was auch daran liegt, dass Spitzenspieler wie Caruana oder Anand die höchsten Gagen in der Bundesliga kassieren können. Dem Vernehmen nach sind das 2000 Euro pro Auftritt für Topspieler - Spesen gehen extra. Neben Baden-Baden werden noch Hockenheim und Solingen auf einen sechsstelligen Etat eingeschätzt.

Die Spielstärke der Schachprofis bemisst sich nach der Elo-Wertung, nach der auch die Weltrangliste ausgerichtet ist. Großmeister wird man ab 2500 Elo-Punkten, die man bei hochkarätigen Turnieren sammeln kann. Caruana kommt auf 2819 Elo-Punkte, Anand auf 2775. Huschenbeth, der beste im Bayern-Kader, wird aktuell mit 2620 Punkten geführt.

Sebastian Bogner, 28, die neue Nummer zwei des FCB, kommt auf 2584 Elo-Punkte. Der Pforzheimer erspielte sich schon mit 18 Jahren den Großmeistertitel. Nummer drei ist fortan Miguel San Ruiz, 21, der Spanier ist seit kurzem Großmeister (2567 Punkte) und spielte zuletzt beim Erstligisten Aachen. Der Elo-Schnitt an den ersten acht Brettern beträgt in München 2558, dort sieht man den gravierendsten Unterschied: Baden-Baden kommt auf 2752 im Durchschnitt. Zwar werden Curuana und Anand nicht immer eingesetzt, "diese Weltauswahl kann trotzdem kaum jemand schlagen", legt sich Klaus Bischoff fest.

Für FCB-Abteilungsleiter Wengler zählt jedenfalls nur der Klassenerhalt: "Durch die drei Neuen ist der Abstand zur Konkurrenz kleiner geworden, doch nominell gehören wir zu den schwächeren Teams." Gespielt wird in der 16er-Liga eine Einfachrunde, die mit dem traditionellen Finale in Berlin Ende April abschließt, vier Teams müssen absteigen. Hinter dem Trio an den vorderen Brettern verweist Wengler auf die 13 weiteren Spieler, die dem Klub seit vielen Jahren die Treue halten. Da wären zunächst Valentin Dragnev, Nico Georgiadis und Noel Studer, drei junge Großmeister, die sich jeweils bei etwa 2500 Elo-Punkte einreihen. Dazu kommen Zoltan Ribli und eben Bischoff, der in Augsburg zum Einsatz kommen wird. "Unsere Mannschaft ist besser geworden", sagt Bischoff, doch auch die Konkurrenz habe sich verstärkt. Er setzt auf seine Routine und hofft auf Fehler jüngerer Konkurrenten: "Das Alter spielt natürlich eine Rolle", in Sachen Gedächtnisleistung wären indes die Jungen im Vorteil. Die Münchner Schachfreunde können sich darauf freuen, demnächst hohe Schachkunst beobachten zu können. Hat sich doch der FC Bayern zwei Heimwochenenden gesichert. Das erste mit zwei Mannschaftspartien findet Anfang Februar im Kulturhaus München-Milbertshofen statt.

© SZ vom 23.11.2019