Rugby Sie flitzen wieder

Im kommenden Jahr kehrt das Oktoberfest 7s ins Olympiastadion zurück. München wird das Rugby-Turnier bis 2022 jeweils am ersten Wiesn-Wochenende ausrichten und bezuschusst das Spektakel mit 200000 Euro.

Der Flitzer hätte natürlich nicht unbedingt sein müssen, dieser nur mit einer Darth-Vader-Maske bekleidete und ansonsten splitterfasernackte Mann, der da beim Finale zwischen den Fidschi-Inseln und Australien über den Rasen des Münchner Olympiastadions sprintete. Aber auch er trug seinen Teil dazu bei, dass sich das Publikum köstlich amüsierte, als er sich den Rugbyball schnappte, ausrutschte und dann doch den Ordnern immer wieder davonlief. Bis sie ihn nach einer gefühlten Ewigkeit schnappten und in die Katakomben trugen. Familientauglich sind Flitzer nie gewesen, schon klar, aber er hatte bei den allermeisten Rugbyfans schon auch für blanke Belustigung gesorgt. Das Finale des erstmals ausgetragenen Oktoberfest 7s gewann damals vor zwei Jahren, am letzten Wiesn-Samstag, übrigens Australien gegen den Olympiasieger Fidschi.

Nachdem das hochkarätige Einladungsturnier in diesem Jahr aus organisatorischen und finanziellen Gründen ausfallen musste, ist eine Neuauflage des Turniers der weltbesten 7er-Rugby-Mannschaften im kommenden Jahr nach SZ-Informationen im Olympiastadion gesichert. Demnach stehen auch schon zwei Teilnehmer fest, neben der deutschen Nationalmannschaft als Gastgeber reist England an. Die zweite Auflage soll am 21. und 22. September stattfinden, dem Eröffnungswochenende des Oktoberfestes 2019. Am Samstag sind die Vorrundenspiele geplant, am Sonntag sollen im K.o.-System der Turniersieger und die weiteren Platzierungen ermittelt werden.

Hintergrund für die Verschiebung vom dritten auf das erste Wiesn-Wochenende sind auch die teuren Hotelpreise in München zu dieser Zeit. Vor Beginn des weltgrößten Volksfestes - wenn also die Rugbymannschaften schon zur Vorbereitung anreisen - sind diese noch deutlich moderater und entsprechend verträglicher fürs kalkulierte Budget.

Der Plan ist es, das Turnier bis 2022 am ersten Wiesn-Wochenende zu etablieren. Der Etat soll zehn bis zwanzig Prozent unter den zwei Millionen Euro der Premiere 2017 liegen, bei der die Oktoberfest 7s GmbH als Veranstalter in der Endabrechnung sechsstellige Verluste hinnehmen musste. Um diese abzufedern, schießt die Stadt München - anders als noch im vergangenen Jahr, als sie kaum Geld beisteuerte - 200 000 Euro für das Turnier im kommenden Jahr zu. Das ist auch nötig, denn laut Finanzplan der Oktoberfest 7s GmbH, so heißt es im Stadtratsbeschluss vom 10. Oktober, entstehe dem Veranstalter bis 2022 ohne Zuschüsse ein jährliches Defizit von 379 000 bis 519 000 Euro.

Weiterhin heißt es im Stadtratsbeschluss vom 10. Oktober: "Der Veranstalter verspricht sich eine kontinuierliche Steigerung der Zuschauerzahl bis zu circa 50 000 Fans im Jahr 2022." Bei der Premiere im Jahr 2017 hatten sich noch insgesamt 21 000 zumeist bunt verkleidete und feierfreudige Fans aus aller Welt die Spiele im Olympiastadion angeschaut, im kommenden Jahr soll ihre Zahl nach den Wünschen des Veranstalters und des Deutschen Rugby-Verbandes (DRV) als seinem Kooperationspartner schon auf 32 000 anwachsen.

Umrahmt werden soll das Turnier, für das der Ticketverkauf bereits an diesem Samstag startet (www.oktoberfest7s.com) wieder vom traditionsreichen Amateurturnier, das künftig " Oktoberfest 7s Classics" heißt. Außerdem soll das Unterhaltungsprogramm im Olympiastadion stark ausgeweitet werden und Festivalcharakter bekommen. Von 2021 an soll parallel zum Profi-Event der Männer zusätzlich ein hochklassiges Frauenturnier mit den acht besten Teams der Olympischen Spiele 2020 in Tokio in München stattfinden.

All diese Planungen sind aus einer schlechten Nachricht heraus geboren: Ursprünglich wollten die Oktoberfest 7s GmbH und der DRV von 2019 an die so populäre wie lukrative World Series nach Deutschland holen, das Heimturnier hätte sich als Munich Sevens in so traditionsreiche Formate wie das Hongkong Sevens, Singapure Sevens oder London Sevens eingereiht. Nach SZ-Informationen scheiterte München im Weltverband aber mit dem Versuch, in den illustren Zirkel der zehn Austragungsorte aufgenommen zu werden - wohl auch deshalb, weil die Funktionäre keinen neuen Standort wollten.

Zugleich erlebt Rugby hierzulande seit Jahren einen enormen Popularitätsschub, nicht zuletzt, weil es 2016 sein Olympia-Comeback feierte. Allein in Bayern ist die Zahl der Vereine in den vergangenen fünf Jahren von 19 auf 27 gestiegen, in München gibt es in StuSta München, dem München RFC und dem RC Unterföhring inzwischen drei Zweitligisten. Und die Stadt verspricht sich vom neuerlichen Oktoberfest 7s einiges: So sind 2019 Besuche mehrerer Rugby-Nationalteams an Münchner Schulen geplant, der Imagegewinn durch TV-Vermarktungen ist ein weiterer Aspekt. Als wichtigsten "Meilenstein" sieht München die nachhaltige sportliche Nutzung des Olympiastadions, das sich lediglich für die drei olympischen Sportarten Fußball, Leichtathletik und Rugby eigne. "Nachdem Fußball an anderer Stelle inszeniert wird und große Leichtathletikereignisse mit deutlich höheren Kosten verbunden sind, stellt Rugby eine sinnvolle Alternative dar", besagt der Stadtratsbeschluss.

Eine Alternative, die bunt und schrill und laut werden dürfte - und ohnehin ein großes sportliches Spektakel auf dem Rasen bietet. Auch ganz ohne Flitzer mit Darth-Vader-Maske.