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Handball:Das Ächzen der Panther

Bietigheim, Deutschland 17. April 2021: 2. BL - 20/21 - SG BBM Bietigheim vs. TuS Fuerstenfeldbruck v.li. Sebastian Mei; Handball TuS Fürstenfeldbruck

Vier Tore gelangen Sebastian Meinzer in Bietigheim, hier kommt Nikola Vlahovic zu spät.

(Foto: Marco Wolf/wolf-sportfoto/Imago)

Der TuS Fürstenfeldbruck macht zu viele technische Fehler, verliert sein Zweitligaspiel bei der SG Bietigheim klar mit 25:31 und bleibt Tabellenletzter.

Von Thomas Jensen, Fürstenfeldbruck

Martin Wild stöhnte, als er die Frage hörte. Der Handball-Trainer des TuS Fürstenfeldbruck saß im Mannschaftsbus - Heimreise aus Bietigheim am späten Samstagabend. Dort hatten die Brucker nach einer frühen 7:3-Führung ihr Zweitligaspiel bei der SG BBM Bietigheim letztlich chancenlos mit 25:31 verloren. Warum nur die ersten 15 Minuten so gut liefen? Dem Ächzen folgte dann doch eine ausführliche Erklärung: "Unser Angriffsspiel war ungewohnt fehlerhaft, daran lag es heute. Wir haben zu wenig Druck ausgeübt, unsere Kreuzungen mit zu wenig Tempo gespielt und Eins-gegen-eins-Situationen schlecht vorbereitet."

Die Aufzählung war damit noch nicht beendet, am schwersten wog für den Trainer wohl der letzte Punkt: "Wir haben zu viele technische Fehler gemacht und sind so in Tempogegenstöße gelaufen. Das ist ihre Stärke, das wollten wir unterbinden. Und das haben wir nicht geschafft." Das Konterspiel ist die beste Disziplin beider Mannschaften, vor dem Spiel teilten sie sich den zweitbesten Wert der Liga, jeweils 98 Tore resultierten aus Tempogegenstößen. Im direkten Duell brachte der Tabellenzwölfte diese Stärke besser aufs Parkett, insgesamt zehn weitere Treffer fügten die Schwaben ihrem Konto hinzu, die Panther kamen nur auf vier.

Ob man den Statistiken glauben könne, zweifelte Wild zwar an, "aber allgemein geht das schon in die Richtung". Das galt auch für Tore in Überzahl: neun für Bietigheim, eines für den TuS. "Das zeigt, dass wir sie in normalen Positionsangriffen mit sechs gegen sechs ganz gut verteidigt haben", befand Wild, einer seiner wenigen positiven Analysepunkte. Allerdings nicht der einzige: "Auch über die letzten Minuten muss ich lobend sprechen. Das haben die Jungs, die sonst nicht so viel Spielzeit bekommen, wirklich gut gemacht."

Nachdem der Rückstand zwischenzeitlich zehn Tore betragen hatte, betrieb der TuS noch etwas Ergebniskosmetik und schonte gleichzeitig Schlüsselspieler. Auch Falk Kolodziej bekam zum Ende des Spiels eine Pause. Zuvor hatte er im Duell des besten Vorlagengebers der Liga mit dem bestem Torschützen der Liga die unauffälligere Rolle gespielt. Ganze neun Mal überwand Bietigheims Rechtsaußen Christian Schäfer Michel Luderschmid oder Stefan Hanemann im Tor, Kolodziej verbuchte vier Treffer und fünf Assists.

Für den Brucker Spielmacher war das unter seinem Durchschnitt, was sein Trainer nicht überbewerten wollte: "Wir haben insgesamt keine Mittel gefunden im Angriff. Das gilt nicht für einzelne Spieler, sondern für alle. Es hat einfach nicht gepasst." Nach dem Sensationssieg vergangene Woche gegen den HSV Hamburg war die Leistung verständlicherweise ein Dämpfer für die Stimmung: "Natürlich sind die Jungs jetzt gefrustet, alle sind da selbstkritisch, ich muss da jetzt nicht noch draufhauen." Allerdings nahm der 41-Jährige die Niederlage nicht dramatisch: "Es hängt auch davon ab, mit welcher Erwartungshaltung man an die Sache geht. Wenn wir solche Leistungen wie gegen Hamburg jede Woche bringen würden, wären wir eine Topmannschaft in der Liga."

Stattdessen liegt der TuS Fürstenfeldbruck nach wie vor auf dem 19. Tabellenplatz, auch wenn Wild anmerkt: "Bei den Leistungen, die wir schon gebracht haben, fühlt es sich nicht so an, als ob wir Letzter sind. Aber natürlich weiß ich auch, dass es von Woche zu Woche schwieriger wird." Noch bleiben zehn Spiele, um die Abstiegsränge zu verlassen, auf den dafür nötigen 16. Platz, den aktuell die HSG Konstanz innehat, fehlen vier Punkte. "Vermutlich müssen wir von den letzten Spielen sieben oder acht gewinnen", glaubt Wild.

Dass der Auftakt in so eine Siegesserie am kommenden Wochenende gelingt, erscheint zunächst unwahrscheinlich. Dann empfangen die Panther den zweitplatzierten TuS N-Lübbecke, die für Wild "beste Mannschaft der Liga". Allerdings haben sich die Panther einen Ruf als Favoritenschreck erarbeitet. Vier der sechs Saisonsiege gelangen gegen Teams, die aktuell zu den besten fünf der Liga gehören: Hamburg, Gummersbach, Dresden und Dormagen. Aus dem Spitzenquintett fehlt also nur noch ein Sieg gegen Lübbecke.

Wie diese Vorliebe für Topmannschaften zu erklären sei? Wild entfuhr wieder ein Stöhnen, dann sagte er: "Das ist verrückt und auch nicht so leicht zu erklären. Wir sind in Spielen gegen andere Mannschaften ja nicht weniger motiviert. Vielleicht gehen wir da ein bisschen unbekümmerter rein." Dafür wäre Lübbecke der passende Gegner. Am Montag steht zunächst die Videoanalyse des Bietigheim-Spiels an, Wild weiß schon den wichtigsten Ansatzpunkt: "Wir müssen unser Angriffsspiel anschauen."

© SZ/toe/sewi
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