Fußball Zu frech für die Regionalliga

Der Wechsel von Ylli Sallahi nach Karlsruhe erzählt viel über die Schwierigkeit, ein Fußball-Talent beim FC Bayern zu sein

Von Benedikt Warmbrunn

Im Tor dieser historischen Elf stand Manuel Neuer, im Sturm Mario Mandzukic, die Doppelsechs bildeten Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos. Und der Linksverteidiger hieß Ylli Sallahi, Rückennummer 38. Es war Anfang April, der Tag vor Sallahis 20. Geburtstag, 50 Minuten lang spielte er für den FC Bayern in der Partie beim FC Augsburg. Dann wurde er ausgewechselt, es waren seine ersten Minuten in der Bundesliga. Der FC Bayern verlor 0:1, es war die erste Niederlage in der Liga im 29. Spiel unter Trainer Pep Guardiola. Danach hieß der Linksverteidiger des FC Bayern nie wieder Ylli Sallahi.

Ende der vergangenen Woche verkündete der Karlsruher SC, dass Sallahi in der Winterpause zu dem Zweitliga-Spitzenteam wechseln werde. Es ist ein Wechsel, der für den KSC vermutlich eine Verstärkung sein wird. Es ist aber auch ein Wechsel, der viel erzählt über die Schwierigkeit, ein Perspektivspieler beim FC Bayern München zu sein.

Sallahi hat sich seit dem Aprilnachmittag in Augsburg gesteigert, auch wenn er sich in den Wochen unmittelbar danach mit Selbstzweifeln plagte. Warum spielte er so nervös bei den Profis? Warum nicht so abgeklärt, warum nicht so frech wie sonst, mit dieser Frechheit, die kombiniert mit seiner Technik seinen Stil ausmacht. Das waren die Fragen, mit denen er sich quälte. Bewundernd hat er dann beobachtet, dass im Sommer Gianluca Gaudino, ein Junge, der mehr als zwei Jahre jünger ist als er selbst, sich ohne Weiteres bei den Profis eingefügt hat. Am Ende gibt es eine ganz einfache Antwort: Gaudino hat seine erste Chance sofort genutzt. Sallahi nicht.

Erik ten Hag, Sallahis Trainer in der U23, lobt, dass der Linksverteidiger "eine sehr gute Entwicklung" genommen habe; in 18 Spielen in der Regionalliga Bayern erzielte Sallahi sechs Tore, sieben weitere bereitete er vor. Ten Hag sagt: "In der Hinrunde war er ganz klar unser bester Spieler." Er hat nicht viele Spieler, die eine Partie entscheiden können, die mit einem Sprint die Mannschaft wecken, die mit einer überraschenden und präzisen Flanke dem Team wieder Hoffnung geben. Ten Hag hätte Sallahi daher gerne behalten, auch für die Entwicklung des Spielers. "Manche Spieler sind bei ihrem neuen Verein sofort sehr gut", sagt der Trainer, "andere sind zu ungeduldig, bei ihnen verläuft die Entwicklung nicht so weiter wie erhofft."

"In der Hinrunde war er ganz klar unser bester Spieler", sagt U23-Trainer Erik ten Hag über Ylli Sallahi (links, im Duell mit Bambergs Schäffler).

(Foto: Johannes Simon)

Der Österreicher Sallahi war geduldig, er hat sich ein halbes Jahr lang mit sehr guten Leistungen in der zweiten Mannschaft empfohlen. Aber er sah keine Perspektive bei den Profis - auch, weil sich dort der Spanier Juan Bernat nach anfänglichen Problemen fest als Linksverteidiger ins Team gespielt hat. Daher endete Sallahis Geduld. Seit Kurzem betreut ihn die Spielerberateragentur, die sich auch um Mario Götze oder Marco Reus kümmert. Dann kamen die Angebote, Sallahi entschied sich für Karlsruhe. Wegen der Perspektive.

U23-Trainer ten Hag sagt, er habe "eine Idee", wie er seinen besten Spieler ersetzen will. Philipp Steinhart könnte er sich als Linksverteidiger vorstellen, allerdings hat sich dieser gerade erst als Innenverteidiger beim Tabellendritten der Regionalliga Bayern etabliert. Auch in der U19 gebe es "ein paar interessante Spieler", sagt ten Hag, Namen nennt er keine. Und Zugänge? "Wünsche habe ich immer", sagt der Niederländer, konkret für die Linksverteidigerposition habe er "ein, zwei Ideen" - aber ob sich diese Transfers tatsächlich umsetzen lassen, "das weiß niemand".

Ten Hag ist sich sicher, dass Sallahi im Aufstiegsrennen in der Regionalliga wertvoll gewesen wäre, den Wechsel nach Karlsruhe "kann ich aber nachvollziehen". Der KSC ist Zweiter. Bleibt das so, sammelt Sallahi im Sommer weitere Bundesligaminuten.