Frauenfußball Matter Glanz

Langer Anlauf: Mandy Islacker, links,Torschützenkönigin der vergangenen beiden Bundesliga-Spielzeiten, erzielte gegen Bremen (re. Lisa-Marie Scholz) ihre Saisontore drei und vier.

(Foto: imago/foto2press)

Nach verschlafener erster Halbzeit gelingen den FC-Bayern-Frauen drei Tore innerhalb von sechs Minuten beim letztlich deutlichen 4:1-Sieg gegen Werder Bremen.

Von Christoph Leischwitz

Die Gäste aus dem Norden waren am Sonntagnachmittag zumindest akustisch überlegen. Von der Gegengeraden im Grünwalder Stadion war doch tatsächlich "Steht auf, wenn ihr Bremer seid" zu hören, Mitte der ersten Halbzeit kurz einmal sogar ein "Zieht den Bayern die Lederhosen aus". Dieser Gesang machte natürlich überhaupt keinen Sinn. Erstens war das Wetter eher nach langen Unterhosen, zweitens spielten dort unten auf dem Rasen gerade die Frauen des FC Bayern. Und diese gewannen drittens dann auch recht überlegen. Auch wenn sie sich lange Zeit sehr schwer taten gegen die aufopferungsvoll spielenden Außenseiter vom Tabellenende.

"Das war keine leichte erste Halbzeit für uns. Wir waren nicht wach und haben schwach gespielt." - Bayern-Trainer Thomas Wörle

Dass diese Partie letztlich deutlich 4:1 enden würde, war lange nicht absehbar. Weil gleichzeitig auch noch die Konkurrenz patzte - der SC Freiburg verlor zu Hause gegen den FFC Frankfurt - standen die Bayern-Frauen am Sonntagnachmittag vorübergehend auf Platz eins der Bundesliga-Tabelle. Allerdings war der VfL Wolfsburg zwei Stunden später dank eines 4:0-Erfolgs in Essen punktgleich und um ein Tor besser.

Bayern-Trainer Thomas Wörle hatte vor dem Umschaltspiel der Bremerinnen gewarnt und vorgegeben, man möge "zielstrebig, aber geduldig" spielen. Zu Beginn gelang fast nur Letzteres. Trotz Feldüberlegenheit kam Angreiferin Mandy Islacker erst nach elf Minuten zu einem halbwegs gefährlichen Abschluss. Verena Wieder vergaß wenig später, freistehend vor dem Tor den Ball mitzunehmen (20.). Schon zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich ab, dass die Bayern Probleme mit den Kontern der Bremerinnen bekommen würden. "Wir wussten, was kommt, aber wir konnte nichts machen", ärgerte sich Wörle.

Oft verrannten sich die Münchnerinnen vor dem gegnerischen Strafraum, dann schwärmten die Spielerinnen in Grün aus. In der 16. Minute ging es gerade noch mal gut, als Nina Lührßen durchgelaufen war und unbedrängt nach innen passte, wo Pia-Sophie Wolter in den Pass rutsche, aber nur das Außennetz traf. Wenig später fiel dann aber doch die verdiente Führung für die Gäste. Bayerns Mittelfeldspielerin Jill Roord verlor ein Laufduell gegen Wolter, in der Mitte wartete Verena Volkmer und schob aus kurzer Distanz ein (23.).

Der Favorit antwortete mit vehementen, aber oft unpräzisen Angriffen. "Bremen hat das gut gemacht, stand sehr kompakt und war sehr diszipliniert. Das war keine leichte erste Halbzeit für uns, wir waren auch nicht wach und haben schwach gespielt", sagte Wörle. Erst kurz vor der Pause war die Zielstrebigkeit allmählich zu erkennen, die Bayern fanden jetzt die Lücken. In der 42. Minute wurde ein Tor von Islacker aber nicht anerkannt. Trainer Wörle war sich sicher: "Das war kein Abseits."

"Ich freue mich auch für sie", sagt Werder-Trainerin Roth über die ehemalige Mitspielerin Islacker

Islacker hatte bis zu dieser Partie erst zwei Tore geschossen, eines beim Auftaktsieg gegen Essen Anfang September, ein eher unbedeutendes Ende Oktober beim 5:0-Sieg über Jena. Dabei war die 29-jährige Torschützenkönigin der vergangenen beiden Spielzeiten für eine kolportierte Rekordablöse im niedrigen sechsstelligen Bereich vom FFC Frankfurt geholt worden. Nach der Pause machte sich ihre Rückkehr nach sieben Jahren erstmals so richtig bezahlt. Fridolina Rolfö spielte nach der Pause auf der linken Seite stark auf und flankte mehrmals gefährlich an den Bremer Fünfmetterraum. In der 55. Minute hatte Islacker auch einmal Glück, als sie eine scharfe Hereingabe nur noch mit dem Oberschenkel aus einem Meter Entfernung über die Linie drücken musste.

Dann ging alles ganz schnell: Roord traf nach einer Flanke von Melanie Behringer per Kopf zum 2:1 (58.). Plötzlich fielen den nun klar überlegenen Bayern auch alle Abpraller vor die Füße, die in der ersten Halbzeit immer beim Gegner gelandet waren. Islacker erzielte so mit einem Distanzschuss das 3:1 (61.). "Für Mandy freut es mich ganz besonders", sagte Wörle, denn sie habe in den vergangenen Wochen immer wieder "supergut für uns gearbeitet, das tut ihr jetzt unglaublich gut." Das 4:1 erzielte die für Islacker eingewechselte Jovana Damnjanovic mit ihrem ersten Saisontreffer (87.). Trotzdem: "Es war kein Tag, um zu glänzen", resümierte Wörle.

"In der ersten Halbzeit waren wir die bessere Mannschaft, aber dann verlieren wir innerhalb von sechs Minuten das Spiel", ärgerte sich Werders Trainerin Carmen Roth, die erst im Sommer den FC Bayern verlassen hatte. Als Trainerin hatte sie mit der U17 des FCB die deutsche Meisterschaft gewonnen, als Aktive spielte sie bis 2010 noch mit Islacker zusammen. "Ich freue mich auch für sie, aber es wäre mir lieber gewesen, sie hätte erst nächste Woche wieder getroffen", sagte Roth. In der Bundesliga ist nämlich erst einmal Pause, am Freitag steht ein Länderspiel gegen Frankreich an.