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FC Bayern München II:Nichts für feine Klingen

Leon Dajaku ( 7, Bayern München II / Muenchen II) jubelt nach seinem Tor zum 0:1 10.10.2020 Fussball, 3.Liga, KFC Uerdi

Geisterjubel: Leon Dajaku freut sich über sein Tor gegen Uerdingen.

(Foto: Mauelshagen/imago)

Costa, Roca, Choupo-Moting und Sarr ? Nein. Mit einer unerfahrenen Elf müht sich der FC Bayern II auf ramponiertem Rasen gegen Uerdingen zum 1:1.

Von Stefan Galler

Als das Spiel vorbei war, eilte Stefan Krämer auf jenen Platz, der die Bezeichnung "Rasen" wahrlich nicht verdient hatte. Der Trainer des KFC Uerdingen wollte Löcher stopfen auf dem schwer ramponierten Geläuf in der Merkur Spiel-Arena in Düsseldorf. Dort muss sein Verein weiterhin seine Drittligaspiele austragen, weil die heimische Grotenburg-Kampfbahn noch immer nicht fertig saniert ist - seit zwei Jahren wird in Krefeld am altehrwürdigen Stadion gewerkelt. Dass die Wiese in Düsseldorf einem Kartoffelacker ähnelt, ist für technisch versierte Teams wie die zweite Mannschaft des FC Bayern nicht gerade ein Wettbewerbsvorteil, und so war das Spiel am Samstagnachmittag auch nichts für Freunde der feinen Klinge. Am Ende stand ein 1:1 (0:0)-Unentschieden.

Einmal mehr gingen die Münchner mit einer extrem unerfahrenen Startelf ins Rennen. Abgesehen vom teaminternen Alterspräsidenten Maximilian Welzmüller, 30, haben alle ihren 22. Geburtstag noch vor sich, zwei sind noch nicht mal volljährig. Nichts war es also mit der vor der Partie diskutierten Variante, dass die am Ende der Transferperiode verpflichteten Profis Bouna Sarr, Douglas Costa, Marc Roca und Eric-Maxim Choupo-Moting womöglich im Drittligateam Spielpraxis sammeln sollten. Auch die beiden eigenen Zugänge der Amateure, Rémy Vita (Troyes) und Tiago Dantas (Benfica), kamen noch nicht zum Einsatz. Und so zog Trainer Holger Seitz ein positives Fazit: "Wir hatten heute wieder eine sehr junge Mannschaft auf dem Feld. Ich war schwer beeindruckt, wie sie dafür aufgetreten ist", sagte der Coach und sah großzügig über die ein oder andere spielerische Schwäche hinweg: "Wir haben gut mit Ball agiert und haben alles investiert, um das Spiel zu gewinnen. Wir nehmen den Punkt gerne mit."

Es dauerte, bis sich Sehenswertes ereignete. Die ersten Abschlüsse hatte der KFC, doch weder Christian Dorda (38.), noch Gustav Marcussen (45.) konnten das Münchner Tor ernsthaft gefährden. Nach dem Wechsel sah das ganz anders aus, jetzt waren die Bayern dran: Fiete Arp hatte die erste Chance per Volleyschuss über den Kasten (51.), nur zwei Minuten später war die Kugel dann drin, eine perfekte Flanke von Jamie Lawrence verwertete Leon Dajaku mit einem Schulter-/Kopfball über den früheren Unterhachinger Keeper Lukas Königshofer hinweg ins Netz. Das zweite Saisontor des 19-Jährigen, der das erste Rhetorikseminar beim Rekordmeister offenbar schon absolviert hat: "Wenn man als Offensivspieler trifft und der Mannschaft helfen kann, ist es immer etwas Schönes. Aber als Erstes zählt die Teamleistung", sagte Dajaku nach der Partie bei Magentasport.

Der Treffer war ein Weckruf für die Krefelder, die durch Christian Kinsombi eine erste Großchance hatten, Keeper Ron-Thorben Hoffmann wehrte stark ab (55.). Doch drei Minuten später war nichts mehr zu machen, als Muhammed Kiprit nach glänzendem Zuspiel von Fridolin Wagner frei vor dem Bayern-Tor auftauchte und am Keeper vorbei zum 1:1 abschloss. Hoch her ging es noch einmal in der Schlussphase, als Wagner den Münchner Jamal Musiala, der Marek Tillmann (Kreuzbandriss) ersetzte, im Mittelfeld von schräg hinten umsenste. Referee Benen zeigte Rot (85.), prompt hatte der FCB noch eine Gelegenheit, als der eingewechselte Timo Kern nach Freistoß von Angelo Stiller zum Kopfball kam, die Kugel jedoch in Königshofers Armen landete.

© SZ vom 12.10.2020

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