FC Bayern Freikarten gegen Liverpool

Im Feldbett warteten die Schiedsrichter vor der Münchner Arena aufs Champions-League-Spiel des FC Bayern. Als die Kassen öffnen, wird dann gerangelt, geschubst und gestoßen bei den Unparteiischen.

Von Markus Sutera

Die Sonne ist am Mittwochmorgen über München noch nicht aufgegangen, da stehen die ersten bereits Schlange. Viele junge Männer, Schüler und Studenten, Arbeiter und Angestellte, die sich extra Urlaub genommen haben, um trotzdem in aller Herrgottsfrüh aufstehen zu dürfen und sich an Kasse 54 vor der Allianz Arena zu stellen.

Der Grund für den Andrang? Etwa 200 Karten für das Achtelfinal-Rückspiel zwischen dem FC Bayern und Liverpool gibt's für lau. Kein Scherz - sie kosten gar nichts. Die Plätze sind in Reihe eins auf der Gegentribüne. Nah genug dran, um den Schweiß von Stars wie Franck Ribéry oder Mohamed Salah zu riechen, wenn sie die Linie auf und ab hasten. So nah, dass man David Alaba beim Einwurf aufmunternd auf die Schulter klopfen kann, um ihm zu sagen: "Weiter so, ihr schafft das." Vorgesehen sind die Tickets nicht etwa für Sponsoren, Einlaufkinder oder verdiente Mitglieder. Es sind Parteilose, die hier Platz nehmen dürfen: die Schiedsrichter. Dabei spielt es keine Rolle, ob man einmal im Monat ein Kreisligaspiel pfeift oder wöchentlich in der Regionalliga. Ein Dankeschön eben für das Ausüben des nicht ganz so einfachen Jobs.

Es wird gerangelt, geschubst und gestoßen - alles Vergehen, die es eigentlich zu ahnden gilt

Einige in der Schlange haben Stühle dabei, andere eine Kiste Bier (oder mehrere). Wiederum andere haben Spielkarten ausgepackt, um sich die Zeit bis zum Einlass zu vergnügen. Die ganz Hartnäckigen haben ein Feldbett aufgeschlagen. Sie waren um zwei Uhr in der Nacht die Ersten und holen noch immer ihren Schlaf nach. Und das alles bei Temperaturen, die selbst hartgesonnenen Campern zu nah am Gefrierpunkt liegen. Spätestens jetzt, um 12 Uhr, hat der eisige Wind alles durchdrungen, was sich ihm in den Weg stellt.

Laut FC Bayern war die Nachfrage für dieses Spiel noch höher als beim Halbfinale gegen Real Madrid in der vergangenen Saison. Es wurden Anfragen für 310 000 Eintrittskarten gestellt. Abzüglich Jahreskarten, Gästekarten et cetera bleibt ein Kontingent von 20 700 Eintrittskarten. Von 100 vorliegenden Bestellungen mussten 94 abgesagt werden. Dabeisein ist an diesem Abend alles, aber nicht leicht.

Eigentlich liegt es in der Natur der Sache, dass Schiedsrichter eher unparteiisch veranlagt sind. Die rot-weißen Bayernschals- und trikots verraten dennoch ihre Sympathien an diesem Tag. Es sind noch vier Stunden bis Anpfiff, ungefähr zwei Stunden davor öffnet das Stadion, und mit jeder Minute gewinnt die Schlange vor Kasse 54 an Länge - und Unruhe. Man grillt, unterhält sich, spielt Fußball und ringt bereits um seinen erkämpften Platz, auch mit grenzwertigen Mitteln.

Um 19 Uhr ist es soweit. Ein älterer Herr fängt ganz vorne an, Zettel zu verteilen, die die Glücklichen dann ausgefüllt an der Kasse abgeben, um ihr Ticket zu bekommen. Er ist für viele gerade der Erlöser. Spätestens jetzt hält es keinen mehr. Es wird gerangelt, geschubst, gestoßen. Allesamt Vergehen, die es eigentlich zu ahnden gilt. Dringend bräuchte es hier einen Oberschiedsrichter.

Einige sind glücklich, sie haben es geschafft. Sehr viel mehr hingegen nicht. Frust macht sich breit, den sie kaum verbergen können. An diesem Sonntag haben sie die nächste Chance. Da spielen die Bayern gegen Mainz.