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FC Bayern Basketball:Am Feiertag nicht in Partylaune

ST PETERSBURG, RUSSIA - FEBRUARY 27, 2020: FC Bayern Munich s Greg Monroe (L) and Zenit St Petersburg s Tim Abromaitis

Bestwerte: Greg Monroe.

(Foto: Peter Kowalew / Imago)

Zum Klub-Jubiläum gelingt den Profis des FC Bayern München der erste, aber schwer erzitterte Euroleague-Sieg im Ausland.

Oliver Kostic war sich des historischen Kontexts sehr wohl bewusst, in dem er seine Mission nach St. Petersburg angetreten hatte. Der 47 Jahre alte Serbe ist zwar erst seit sechs Jahren beim FC Bayern München tätig und das auch bloß für dessen Basketball-Abteilung. Aber dass dieser 27. Februar "ein großer Tag für den Verein und alle seine Fans" war, wie Kostic sagte, hatte er längst verinnerlicht: An diesem Tag jährte sich nämlich die Gründung des Fußball-Clubs Bayern München zum 120. Mal. Weil sich dessen Bedeutung aber womöglich nicht allen Menschen in St. Petersburg auf Anhieb erschließt, erklärte Kostic am Donnerstag in der Sibur-Arena vorsichtshalber, dass sich der FC Bayern in diesen zwölf Jahrzehnten "zu einem der größten Vereine und zu einer der größten Marken weltweit entwickelt" hat.

Was bei diesen Worten ungesagt mitschwang: Dass es zum Selbstverständnis dieses ebenso ruhmreichen wie großartigen Klubs selbstverständlich nicht passt, wenn eine seiner Mannschaften auf dem letzten Tabellenplatz zu finden ist.

Diese bereits sechs Wochen andauernde Schmach beendeten die von Kostic trainierten Basketballer des FC Bayern nun gerade rechtzeitig, bevor der Feiertag vorüber war. Durch das 77:68 (40:36) bei Zenit St. Petersburg verbesserten sie sich in der Euroleague-Tabelle auf den 17. Rang, den vorletzten; Letzter sind nun die Russen. Für die Münchner war es der erste Erfolg in dieser Saison außerhalb Deutschlands; bis dahin hatten sie auswärts bloß beim nationalen Rivalen Alba Berlin gewonnen, im Dezember, 77:76 nach Verlängerung. Seitdem hatten sie fast nur verloren, elfmal in zwölf Partien. In St. Petersburg erlitten die Münchner nun einen schweren Sieg.

Die Partie war jedenfalls nichts, was einen zum Feiern hätte verleiten können; die Gesichter der FC-Bayern-Profis zeugten kaum von Freude, vielmehr von Anstrengung und Erleichterung. Dreieinhalb Minuten vor dem Ende hatten die Gastgeber eine Neun-Punkte-Führung der Münchner (52:43/24.) wieder ausgeglichen, beim 68:68 drohte die Partie zu kippen, wie so oft in dieser Saison. Doch diesmal wehrten sich die Bayern. "Wir sind heute endlich mental stark geblieben und haben unseren Fokus nicht verloren wie in vergangenen Auswärtsspielen", resümierte Kapitän Danilo Barthel, der neun Punkte und sechs Rebounds beigesteuert hatte. Auch Trainer Kostic war froh, das Zittern am Schluss mal wieder erfolgreich überstanden zu haben: "Wir hatten schon so viele Spiele, wo wir am Ende die Chance zum Sieg hatten, es aber nicht gut ausgegangen ist für uns."

Seit Kostic Anfang Januar vom Assistenz- zum Chefcoach befördert wurde für den entlassenen Dejan Radonjic, hat er versucht, die Spielweise der Mannschaft zu modernisieren und vor allem das Tempo zu forcieren. Bislang sind die Fortschritte freilich nur in Nuancen zu erkennen. "Wir müssen aber auch nehmen, was uns der Gegner gibt", hatte Kostic vor dem Abflug nach Russland gesagt.

Nun, Zenit gab den Münchnern am Donnerstag vor allem die Gelegenheit, den Center Greg Monroe ins Spiel zu bringen. "Wir haben ihn immer wieder gut in der Zone eingesetzt", fand Barthel, "und Greg hat einen fantastischen Job gemacht." Der 2,11 Meter große Amerikaner war mit 26 Punkten, acht Rebounds und fünf Vorlagen der herausragende Mann auf dem Parkett. Der Angriff über ihn klappte derart gut, dass die Münchner am Ende gar nicht mehr versuchten, aus der Distanz zu Körben zu kommen. Von allen 18 Euroleague-Klubs werfen sie sowieso mit Abstand am wenigsten von jenseits der Drei-Punkte-Linie, gegen Zenit taten sie es insgesamt bloß zwölfmal und nach der Pause sogar nur noch zweimal. Zum Vergleich: St. Petersburg warf 30 Mal aus der Distanz. Dass seine Spieler dabei nur fünfmal trafen, obwohl sie häufig völlig frei standen, war für Zenits neuen Coach Xavi Pascual der entscheidende Faktor für die Niederlage. In der Tat hätte eine durchschnittliche Dreierquote wohl gereicht für den Heimsieg.

So muss man wohl die nächsten Partien abwarten, um zu sehen, ob die Münchner ihr Zwischentief tatsächlich überwunden haben: Am Sonntag (18 Uhr) erwarten sie Oldenburg in der Bundesliga, am nächsten Mittwoch (20.30 Uhr) Vitoria-Gasteiz in der Euroleague.

© SZ vom 29.02.2020
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