Eishockey A wie Abwehrverhalten

„Ich will in diese Führungsrolle hineinwachsen“: Andreas Schwarz (rechts, gegen Riessersees Richard Mueller) ist mit 22 Jahren Assistenz-Kapitän der Löwen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Tölzer Löwen, Tabellenletzter der DEL2, empfangen Tabellenführer Bietigheim.

Von Johannes Schnitzler, Bad Tölz

Wenn Menschen den Spitznamen "Blacky" tragen, haben sie dunkle Haare und sind Schauspieler. Oder sie heißen mit Nachnamen Schwarz. Bei Andreas Schwarz ist die Sache klar. Es ist der Name: "Blacky" Schwarz ist blond.

Der Namenswitz ist nicht die einzige Pointe, die Schwarz liefert. Der 22-Jährige spielt beim Eishockey-Zweitligisten Tölzer Löwen. Der Aufsteiger belegt nach 18 Spielen mit 14 Punkten den letzten Tabellenplatz. Schwarz hat in diesen 18 Spielen ebenfalls 14 Punkte gemacht, er steht damit allerdings auf Platz drei der internen Scorerwertung, gleichauf mit Klaus Kathan, 40, dem ehemaligen Nationalstürmer. Schwarz hat sieben Tore geschossen und sieben weitere vorbereitet. Und das als Verteidiger. Statistisch ist Schwarz der drittbeste Abwehrspieler der DEL2, wenn man nach den Scorerpunkten, den Toren und Vorlagen geht. Aber Schwarz, der Verteidiger, sagt: "Im Defensivverhalten habe ich Steigerungspotenzial."

Trotz seiner erst 22 Jahre ist der 1,83 Meter große Linksschütze neben Torhüter Andreas Mechel, Mittelstürmer Marcel Rodman und Außenangreifer Chris St. Jacques einer der erfahrensten Zweitliga-Spieler im Tölzer Kader. Zwei Jahre lang spielte Schwarz für den Ligakonkurrenten Frankfurt. Die vergangene Saison stand er gemeinsam mit Mechel und Rodman bei den Bietigheim Steelers unter Vertrag, dem besten DEL-2-Team der vergangenen Jahre. Die Württemberger waren 2015 Meister, 2014, '16 und '17 standen sie im Playoff-Finale. An diesem Freitag (19.30 Uhr, Wee-Arena Bad Tölz) sind die Steelers der nächste Gegner für die Löwen. Letzter gegen Erster. Schwarz sagt: "Wir haben schon Druck." Der Vorletzte Heilbronn ist bereits vier Zähler entfernt, und "die anderen holen eben auch mal Punkte wie neulich Lausitz gegen Frankfurt." Die Lausitzer Füchse aus Weißwasser, Drittletzter, gewannen am vergangenen Wochenende gegen den Tabellenzweiten Frankfurt 6:1. Tölz verlor gegen Frankfurt 4:7. Es war das erste Heimspiel für den Aufsteiger in dieser Saison und gleich eine Lektion, wie konsequent die Gegner in der zweiten Liga jeden Fehler ausnützen. Schwarz weiß das.

"Jeder Fehler kostet Punkte. Von ,gut gekämpft' können wir uns nichts kaufen."

In Bietigheim zog er sich vergangenes Jahr eine Fußverletzung zu und musste operiert werden, einen Großteil der Saison verpasste er. Das Finale zu spielen, fand er "cool", auch wenn die Steelers verloren - gegen Frankfurt. Als er vor dieser Saison keinen neuen Vertrag bekam, wählte der Holzkirchner "bewusst", wie er sagt, den Schritt vom Titelfavoriten nach Tölz, zurück zu dem Verein, für den er bereits im Nachwuchs gespielt hat. Hier bekommt er viel Eiszeit an der Seite des erfahrenen österreichischen Ex-Nationalspielers André Lakos, 38, spielt in Überzahl, trägt als Assistenzkapitän das "A" auf der Brust. "Ich will in diese Führungsrolle hineinwachsen", sagt Schwarz. Sein "klares Ziel" sei die DEL, wo er immerhin schon neun Einsätze für die Nürnberg Ice Tigers hatte.

"Blacky ist ein Top-Junge", sagt sein Trainer Rick Boehm. Schwarz habe eine "unheimlich professionelle Einstellung", sei immer pünktlich, gehe extra in den Kraftraum. "Wenn er eine Schwäche hat", dann im Abwehrverhalten: "Da kann er noch zulegen", sagt Boehm. Schwarz steht damit stellvertretend für die gesamte Mannschaft. Sechs Mal haben die Löwen mit nur einem Tor Unterschied verloren. "Wir müssen einen Weg finden, diese Spiele zu gewinnen", sagt Boehm. Denn: "Je länger wir dort unten drin stehen, desto mehr kratzt das am Selbstvertrauen."

Schwarz gibt zu, dass er sich die Saison "nicht so schwer vorgestellt" habe: "Wir haben eine gute Mannschaft. Aber wenn du mit einem Tor verlierst, heißt das: Jeder Fehler kostet Punkte. Und von ,gut gekämpft' können wir uns nichts kaufen." Das sieht auch Boehm so. "Wir müssen konsequenter sein. Nicht zu neunzig Prozent, sondern zu hundert. Und das über sechzig Minuten." In dieser Hinsicht kann die Mannschaft sich ihren Assistenz-Kapitän zum Vorbild nehmen: "Blacky", sagt Boehm, "hat sich den Erfolg hundertprozentig verdient".