DEL2 Kleine Katastrophe

„Die Arbeit des Trainers können wir nicht nur an Punkten festmachen“: Bis zu zehn Stunden täglich ist Scott Beattie in der Halle. Unter dem 50-Jährigen hat Tölz immerhin vier von neun Partien gewonnen.

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Das Bangen geht weiter: Trotz des 4:3-Erfolgs gegen den Tabellenzweiten aus Weißwasser müssen die Tölzer Löwen abermals in die Abstiegsrunde.

Von Moritz von Laer, Bad Tölz

Man musste das Schlimmste befürchten für die Tölzer Löwen: Hunderte Katastrophenhelfer standen am vergangenen Sonntag in der Arena auf der Flinthöhe bereit, wo die Löwen gegen die Lausitzer Füchse spielten, der Tabellenzwölfte der DEL 2 gegen den Zweiten. Die Einsatzkräfte hatten vor einigen Wochen, als Tölz unter gewaltigen Schneemassen zu versinken drohte, dafür gesorgt, dass das Leben in der Kurstadt einigermaßen geregelt weiterlief. Dafür bedankte sich der Eishockey-Zweitligist nun mit Freikarten für das Spiel gegen Weißwasser. Die ganz große Katastrophe blieb am Sonntag dann zwar aus. Im Gegenteil: Die Löwen gewannen nach dreimaliger Führung (und dreimaligem Ausgleich) gegen die Füchse nach Verlängerung 4:3. Verteidiger Kevin Wehrs erzielte nach 179 Sekunden der Overtime den entscheidenden Treffer. Und doch war auf Tölzer Seite niemand zum Feiern zumute. Denn trotz des Sieges steht fest: Mit 54 Punkten nach 48 von 52 Spieltagen in der Hauptrunde und 13 Zählern Rückstand auf den Tabellenzehnten Crimmitschau (67) haben die Löwen auch theoretisch keine Chance mehr auf die Playoffs.

Das Team von Trainer Scott Beattie muss wie im vergangenen Jahr darum bangen, in der Abstiegsrunde die Klasse zu halten. Diese kleine Katastrophe konnten auch die tapferen Nothelfer auf der Tribüne nicht verhindern.

Vor dem Spiel hatte der Geschäftsführer der Löwen noch Zweckoptimismus verbreitet: "Der Weg ist steinig und steil, aber solange es möglich ist, glauben wir daran", sagte Christian Donbeck. Danach ging es nicht mehr um Glauben, danach war es Gewissheit, dass die Löwen ihr Saisonziel verpassen werden. An Scott Beattie lag es nicht, meinte Donbeck: "Die Arbeit des Trainers können wir nicht nur an Punkten festmachen. Scott ist täglich bis zu zehn Stunden in der Eishalle. Er hängt sich voll rein. Ihm fehlen aber viele Leistungsträger wie Kyle Beach, Andreas Schwarz oder Johannes Sedlmayr. Das macht es nicht einfach für ihn." Seit Beattie Mitte Januar das Amt von Markus Berwanger übernommen hat, stehen für die Löwen immerhin vier Siege aus neun Spielen zu Buche, gegen Bietigheim und Frankfurt, zwei Titelaspiranten, verloren sie nur knapp. Doch der Aufschwung kommt zu spät, um die Versäumnisse der Vergangenheit zu reparieren.

Neben der Verpflichtung Berwangers, der am Ende keinen Rückhalt mehr in der Mannschaft hatte, gilt der schmale Kader als eine Wurzel des Übels. Die zahlreichen Verletzungen, mit denen sich gerade die Tölzer Leistungsträger durch die Saison schleppen, konnten so nicht kompensiert werden. Einer Kooperation mit einem DEL-Klub hatte Donbeck vor der Saison eine Absage erteilt. Auch der in der vergangenen Woche angekündigte Einstieg des Tölzer Hauptsponsors beim deutschen Meister EHC München sei kein Anzeichen für eine Annäherung zwischen den Klubs. "Das Sportliche muss man davon völlig trennen. Unser Hauptsponsor ist motiviert, sein Produkt voranzutreiben. Das hat mit uns nichts zu tun", sagt Donbeck lapidar.

Zumindest den Ausfall von Kyle Beach versuchen sie durch die Verpflichtung des Kanadiers Jordan Hickmott abzupuffern. Der 28-jährige Stürmer wurde kurz vor Transferschluss von den Black Wings Linz losgeeist, um die frei gewordene Kontingentstelle zu besetzen. Kommenden Freitag könnte Hickmott gegen Ravensburg zu seinem Debüt kommen. Vor den Playdowns bleiben dem Torjäger, der in dieser Saison wegen einer Schulterverletzung erst zehn Spiele (null Scorerpunkte) bestritten hat, gerade mal vier Spiele, um sich zu akklimatisieren. "Seine Qualität ist unumstritten. Er kann Tore schießen und hat viel Erfahrung", sagt Donbeck. Weitere Personalien werde es erst im Sommer geben, wenn klar ist, in welcher Liga die Löwen nächste Saison spielen. "Wir wollen wenn möglich alle Leistungsträger halten. Mit einigen konnten wir ja schon verlängern." An den Katastrophenfall Abstieg mag in Tölz noch niemand denken, Donbeck schon gar nicht.