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Baseball:Zwei Gesichter

Vor allem Spiel eins der Disciples war sehenswert, hier schlittert Simon Lechner (li.) zu einer Base.

(Foto: Claus Schunk)

Die Haar Disciples starten nach ihrem Aufstieg in die Beletage mit einem Sieg und einer Niederlage gegen Tübingen in die erste Baseball-Bundesliga.

Von Christian Bernhard

Alex Tufts war ganz nah dran: am Spielfeld, an seinen Spielern - und an seinen Ex-Spielern. Der Trainer der München Haar Disciples gab in der Mittagshitze viele Anweisungen, er dirigierte seine Spieler, und konnte mit dem was er sah sehr zufrieden sein. Zumindest zunächst. 14:0 gewannen die Disciples am Samstag ihr Auftaktspiel in der Baseball-Bundesliga gegen die Tübingen Hawks - dorthin waren sie unter Tufts im vergangenen Herbst zurückgekehrt. "Wir haben unser Ding durchgezogen", sagte er zufrieden und sprach von einem "reifen und kontrollierten" Auftritt seiner Mannschaft. Der Fakt, dass er vier Jahre in Tübingen aktiv gewesen war, habe definitiv ein wenig geholfen, erzählte er, "ich kenne ihre Jungs sehr gut".

Diese Jungs bescherten ihm im zweiten Duell des Tages gleich den ersten Dämpfer der Saison, die eigentlich im April hätte starten sollen, aufgrund der Corona-Pandemie aber verschoben worden war. 4:7 verloren die Disciples Spiel zwei und zeigte damit gleich zum Auftakt der verkürzten Spielzeit zwei unterschiedliche Gesichter.

Im für Haar sehenswerten ersten Spiel führten die Münchner bereits nach dem zweiten Inning mit 7:0. Der 18-jährige Pitcher Titus von Kapff machte seine Sache sehr gut, auffälligster Schlagmann war William Thorp. Die Haar-Defensive ließ kaum etwas zu, Simon Lechner verpasste im dritten Inning nur knapp den ersten Homerun der Saison: Sein wuchtiger Schlag verfing sich im Outfield-Netz. Von Kapff, auf den der Klub sowie Coach Tufts große Stücke halten, zog sein Wurfspiel konzentriert und konsequent durch und so war schon nach dem fünften Inning, beim Stand von 14:0, aufgrund der so genannten "Mercy Rule" Schluss. Diese Gnadenregel besagt, dass nach einem bestimmten Vorsprung nach einer bestimmten Anzahl von Innings das Spiel vorzeitig endet.

Im zweiten Spiel war die Souveränität der Disciples allerdings schon wieder verflogen. Pitcher Jan Endrejat ließ im zweiten Inning drei Tübinger Punkte zu, diesem Rückstand liefen die Gastgeber bis zum Ende hinterher. Auch ein Zwei-Run-Homerun von Nate Thomas im dritten Inning konnte daran nichts ändern. Der neue kanadische Pitcher Evan Rutckyi, von dem sich die Disciples viel erhoffen, kam nur zu einem Kurzeinsatz, da er erst am Tag vor dem Saisonauftakt in München angekommen war. In Lukas Steinlein beendete ein dritter Haar-Pitcher die Partie. "Da ist viel zusammen gekommen", sagte Vorstand Todd Covell, "wir waren ein bisschen unkonzentriert und unsere Offensive ist nie richtig in Gang gekommen." Er stufte die Niederlage als "Warnschuss" ein. Die teils sehr deutlichen Ergebnisse zum Saisonauftakt - unter anderem schlug Heidenheim Mainz 18:1, Regensburg deklassierte Ulm gar 20:0 - führte Vorstandsmitglied Tom Wolf auf die Corona-Zeit und ihre Folgen zurück: Gerade in Sachen Spielerverpflichtungen konnten oder wollten einige Klubs keine Spieler aus Übersee verpflichten, das Gefälle in so manchem Kader ist dadurch größer geworden. "Die Leistungsdichte wird weiter auseinanderklaffen als normal", erklärte Wolf, dem bewusst ist, dass es "keine normale Saison" werden wird.

Ziel der Disciples ist es, die Playoffs zu erreichen. Dafür müssen sie diesmal in der aus acht Mannschaften bestehenden Bundesliga-Südstaffel unter den ersten Zwei landen. Die finanzielle Konsolidierung, die der Verein in den vergangenen zwei Jahren vorangetrieben hat, ist den Disciples bei der Bewältigung der Corona-Krise sehr zugute gekommen, sagte Wolf. Die fehlenden Zuschauer- und Catering-Einnahmen "tun uns wirtschaftlich zwar weh, aber wir werden am Saisonende finanziell mit einem blauen Auge davon kommen", erklärte der Funktionär.

Trainer Tufts weiß genau, worauf es sportlich in dieser speziellen Spielzeit ankommen wird: "Du musst von Beginn an voll da sein", betonte der Kanadier, für Fehltritte sei eigentlich kein Platz. "Langsame Starts werden den Teams in dieser Saison zum Verhängnis werden", prognostizierte er. Die Stuttgart Reds, nächster Gegner der Disciples, scheinen das schon verinnerlicht zu haben: Sie gaben bei ihren Auftaktsiegen in Mannheim nur einen Punkt ab (7:1, 4:0).

© SZ vom 10.08.2020
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