ASV Dachau:Mit dem Aufstieg steigt der Aufwand

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Dachaus Handballerinnen schuften für die dritte Liga. Aber sie gehen mit einem Handicap in die Saison.

Von Marie Schneider, Dachau

Bis zu acht Trainingseinheiten pro Woche haben die Handballerinnen des ASV Dachau in den vergangenen Monaten absolviert. Und dennoch: Ganz zufrieden ist Thomas Lukauer mit der Vorbereitungsphase des Aufsteigers in die dritte Liga nicht. "Ordentlich. Nicht überragend", so beschreibt der neue Trainer die vergangenen Wochen. Der Aufstieg sei für den Verein ein "Quantensprung", sagt Lukauer. Sein Ziel für die kommende Saison ist klar: den Klassenerhalt sichern. Doch gleich zu Beginn der Saison muss das Team mit einem kleinen Kader zurechtkommen, zwei Spielerinnen fallen längere Zeit verletzungsbedingt aus. Dennoch sei die Mannschaft motiviert und glücklich darüber, in knapp zwei Wochen in der dritthöchsten Klasse anzutreten.

"Die Spielerinnen haben alles gegeben, sie wollen es wirklich", lobt Lukauer sein Team. Er übernimmt den Posten des ehemaligen Trainers Bernd Dreckmann, der mit dem Verein von vornherein ausgemacht hatte, nur zwei Jahre zu bleiben. Für den neuen Coach habe sich nicht viel verändert: "Es ist ein bisschen mehr Zeitaufwand, aber die organisatorischen Rahmenbedingungen sind ähnlich." Vorher trainierte er das Jugend-Bundesligateam und die zweite Frauenmannschaft des HCD Gröbenzell. Der Sprung in die dritte Liga sei für ihn persönlich "nicht so wahnsinnig groß". Doch für den ASV Dachau seien die Anforderungen deutlich höher und der Aufwand viel größer als noch in der Bayernliga. "Das sind Welten. Aber wir sind guter Dinge, dass wir bis Saisonstart alles zusammen haben werden", sagt Lukauer und nennt nur einige Fragen, die noch geklärt werden müssen: "Wer betreut die Schiedsrichter? Wer kümmert sich um die Videoaufnahmen?"

Für den Coach stehen allerdings das Sportliche und der Klassenerhalt an erster Stelle, "alles darüber wäre eine absolute Sensation". Denn kaum ein Team aus der Bayernliga habe sich nach einem Aufstieg in der dritten Liga halten können. Lukauer sieht eine "minimale Chance" für seine Mannschaft, in der Liga zu bleiben, doch dürfe sich niemand mehr verletzten. "Dafür haben wir zu wenig Breite, das können wir nicht kompensieren", fürchtet der Coach. Der Kader sei bereits zwei Spielerinnen ärmer aufgrund von Verletzungen. Stefanie Weber fällt infolge eines Kreuzbandrisses für die gesamte Saison aus, auf Franziska Niebert muss das Team wohl in der kompletten Vorrunde verzichten. Sie zog sich bei einem Testspiel einen Ellbogenbruch zu. "Franziska wird uns vor allem im Angriff fehlen", sagt Lukauer. In der Abwehr müsse das Team Webers körperliche Präsenz kompensieren. Deshalb hat der Trainer in der Vorbereitung ein Hauptaugenmerk auf athletische Übungen gesetzt. Wenn die Athletik stimme, sei auch das Verletzungsrisiko geringer. Ein zweites Abwehrsystem stand ebenfalls auf dem Trainingsprogramm. Lukauer wollte die technischen Fehler seines Teams wie Schritt- oder Passfehler im Vergleich zur abgelaufenen Saison minimieren und Chancen konsequenter nutzen.

Personelle Veränderungen gibt es in dem Aufsteigerteam kaum. Franziska Spatz, zentrale Spielerin in der vergangenen Saison, erwartet Nachwuchs und wird nicht für die Dachauerinnen auflaufen. "Ich freue mich sehr für sie, aber sportlich tut uns das schon weh", sagt Lukauer. In Verena Kölzer haben Dachaus Handballerinnen ihren einzigen Zugang bekommen. Die 20-Jährige kommt vom TSV Ismaning, wo sie im vergangenen Jahr mit einer Oberarmverletzung zu kämpfen hatte. Dennoch soll sie nächste Saison nach einer guten Vorbereitung eine zentrale Rolle auf den Positionen Rückraum links und Rückraum Mitte spielen. Weitere Zugänge gebe es nicht: "Wir hatten Kontakt zu einigen Spielerinnen. Doch es war keine dabei, die den zeitlichen Aufwand stemmen wollte. Es ist schließlich immer noch ein Hobby, die Spielerinnen verdienen kein Geld", so Lukauer. Für ein Hobby möchte eben nicht jeder Sportler acht Trainingseinheiten plus Spiele am Wochenende absolvieren müssen.

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