American Football:Unentschieden

Das 41:41 zum Saisonauftakt der Regionalliga in Landsberg verrät den Fursty Razorbacks wenig über ihre wirkliche Stärke

Von Christoph Leischwitz, Fürstenfeldbruck

Man wisse nicht recht, wo man stehe, hatte Michael Dohrmann einen Tag vor dem Saisonauftakt gesagt. Es könne gut sein, meinte der Sportliche Leiter der Fursty Razorbacks, den alle "Butch" nennen, dass sein Football-Team bei den stark eingeschätzten Landsberg X-Press unter die Räder komme. Das passierte zwar nicht: Am Ende eines spektakulären bayerischen Regionalliga-Derbys stand ein seltenes Unentschieden, 41:41. Nur: Wo sie stehen, das wissen die Razorbacks jetzt immer noch nicht so richtig. Dafür waren die beiden Halbzeiten einfach zu unterschiedlich. Am Ende überwog der Ärger: "Wenn du 33:6 führst und dann nicht gewinnst, dann kannst du nicht zufrieden sein", sagte Dohrmann.

Spielerisch lief es besser als gedacht; schnell war klar geworden, dass man sich insbesondere auf den Rückkehrer auf der Quarterback-Position verlassen kann: Joe Burkeland erlief zwei Touchdowns selbst und erzwang nach dem 33:41-Rückstand mit einem Pass auf Rafael Sedlmair und einem erfolgreichen Zwei-Punkte-Versuch noch den Ausgleich. Der US-Amerikaner hatte 2012 die Razorbacks zur Meisterschaft geführt. Jetzt will der 27-Jährige noch ein Jahr in Deutschland spielen, bevor er sich in der Heimat einen Job sucht.

Probleme scheint das Team allerdings im physischen Bereich zu haben, deshalb kam es in der zweiten Halbzeit zum befürchteten Einbruch. Verschärft wurde dieser durch zwei Verletzungen in der Defensive, "außerdem hat Landsberg irgendwann unsere Schwachstellen erkannt und ausgenutzt", sagte Dohrmann. Auch langfristig nicht zu kompensieren ist wohl der Ausfall von Florian Warmuth in der Offense Line, die den Quarterback beschützt. Er zog sich in Landsberg einen Kreuzbandriss zu.

Das Saisonziel der Razorbacks ist wegen der mangelnden Selbsteinschätzung bewusst weit gesteckt. Sollte man aber Meister werden - die Razorbacks spielten in den vergangenen Jahren stets an der Spitze mit - dann stünde womöglich eine neue Ära an: Nach einem kurzen Zweitliga-Intermezzo zu Beginn des Jahrtausends würde man sich den Schritt in die GFL 2 wieder zutrauen. Vor allem zwei Gründe haben den Ausschlag dafür gegeben. Die finanzielle Situation ist solide, man habe Rücklagen gebildet, sagt Dohrmann. Gleichzeitig wurde das jahrelange Hickhack mit der Stadt um Sitzplätze im Stadion auf der Lände beendet, man hat sich auf Naturstein-Quader geeinigt. Zweitens trauen die Razorbacks ihrer Jugend viel zu: Die U19 spielt aktuell zum ersten Mal in der Bundesliga. Dort hat sie zwar am fünften Spieltag ihre erste Niederlage eingesteckt, 6:35 beim Titelfavoriten Schwäbisch Hall, aber gute Chancen, die Playoffs zu erreichen. Viele Talente werden in den kommenden Jahren die erste Mannschaft verstärken. Das aktuelle Team ist auch noch gar nicht komplett, aus den USA werden in Rob Austin und Brian Whitehead zwei weitere Rückkehrer erwartet. Ob es für eine Spitzenposition reicht, könne man noch nicht sagen.

Nach dem Remis zum Auftakt hat Dohrmann sich ein Video von der Partie der Straubing Spiders gegen Burghausen angesehen und erkannt: "Das sind beide sehr physische Teams." Es könnte also noch öfter Probleme in der zweiten Halbzeit geben.

© SZ vom 03.05.2016
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