American Football:In der roten Zone

American Football: Hiergeblieben: Münchens Quarterback Jake Schaefer hat einen riesigen roten Scorpion aus Stuttgart im Nacken.

Hiergeblieben: Münchens Quarterback Jake Schaefer hat einen riesigen roten Scorpion aus Stuttgart im Nacken.

(Foto: Claus Schunk)

Nach der dritten Niederlage im dritten Spiel ist der Saisonstart für die von Verletzungen geschwächten Munich Cowboys endgültig misslungen

Von Christoph Leischwitz

Abwehrspieler Raymon Respress stand sowieso schon mit einer Armschlinge am Spielfeldrand. Als die Partie dann beendet war, humpelte auch noch der US-Amerikaner Marice Sutton frustriert vom Feld. Auf dem Weg in die Kabine bekam er von einem Co-Trainer noch einen Zettel mit einer Telefonnummer zugesteckt. Dort könne er anrufen, um sich auch am Sonntag in ärztliche Behandlung zu begeben.

Viele wichtige Abwehrspieler fehlten am Samstagnachmittag im Football-Bundesligaspiel der Munich Cowboys gegen die Stuttgart Scorpions. Es scheint egal zu sein, ob man zu Beginn der Saison gegen starke oder schwache Gegner spielt, oder von welchem Trainer die Münchner angeleitet werden: Jedes Jahr im Mai wiederholt sich das Verletzungspech. Schlüsselspieler fehlen, zu viele, um gewinnen zu können. Nach zwei mehr oder weniger erwartbaren Niederlagen zum Saisonauftakt gegen die starken Allgäu Comets unterlagen die Cowboys diesmal den Stuttgart Scorpions. Das Ergebnis von 17:34 fiel jedoch deutlich zu hoch au.

"Ich hätte gerne früher mit dem Fitnesstraining angefangen", sagte Cheftrainer Kevin Herron nach dem Spiel. Denn je fitter die Spieler sind, je mehr Muskeln in der Winterpause aufgebaut werden, umso unwahrscheinlicher wird eine Verletzung. Einige seiner Spieler hätten sich auch gar nicht in den Duellen mit den Comets, sondern im Training verletzt. Weil auf dem geplanten Trainingsplatz wider Erwarten das Flutlicht fehle, sei man kurzfristig gezwungen gewesen, die Übungen auf einem harten Kunstrasenplatz abzuhalten.

So fehlen aktuell acht Spieler, darunter zum Beispiel auch Denis Butz, der Akteur in der Mitte der vordersten Abwehrreihe. "Vor ihm hatten wir sehr viel Respekt. Als wir gehört haben, dass er fehlt, da muss ich ehrlich sagen, hat uns das ein bisschen beruhigt", sagte Stuttgarts Cheftrainer Jemil Hamiko. So gelangen den Stuttgartern Spielzüge mit großem Raumgewinn, insgesamt freuten sich die Gästen über fünf Touchdowns.

Die Probleme in der Münchner Abwehr hätten aber gar nicht entscheidend sein müssen. Zumindest wäre die Partie deutlich spannender gewesen, wenn die Cowboys in der Offensive nur ihre Chancen genutzt hätten. "Das ist schon sehr frustrierend", sagte Münchens Quarterback Jake Schaefer nach dem Spiel, fünf Mal sei man in der so genannten "red zone" gewesen - so nennt man die 20 Yards vor der gegnerischen Endzone. Dabei sprangen aber nur drei Field Goals heraus - oder gar nichts. Erst im Schlussviertel erlief Runningback Fabien Gärtner einen Touchdown, als es bereits zu spät war für eine Aufholjagd.

Die Gründe für die verpassten Chancen sind mannigfaltig. Ein Ball wurde vom Receiver einfach fallen gelassen, einer landete unglücklich im Getümmel in den Armen des Gegners, jeder erdenkliche Grund, sich über eine verpasste Chance zu ärgern, war dabei. In der "red zone" zu agieren, ist schwieriger als zum Beispiel in der Mitte des Feldes, denn der enge Raum schränkt die Auswahl der möglichen Spielzüge ein, die Abstände zum Gegenspieler sind kleiner. "Wir üben das eigentlich im Training extra", sagt Coach Herron, "und da sieht das eigentlich auch besser aus." Er macht verschiedene Gründe dafür aus, dass es im Spiel noch nicht so gut klappt: Unerfahrenheit bei einzelnen Spielern hält er genauso für möglich wie fehlendes Selbstvertrauen in entscheidenden Momenten. Stuttgart jedenfalls sei nicht besser gewesen als München. "Wir haben sie uns schlagen lassen", ärgerte sich Schaefer, der ansonsten seinen Angriff stets recht flott und ohne größere Probleme nach vorne getrieben hatte.

Am übernächsten Wochenende treffen die Cowboys mit ihren drei Niederlagen auf dem Konto auf die Rhein-Neckar Bandits, einen Gegner, der seine ersten vier Spiele verloren hat. Danach, glaubt Herron, könnten viele der verletzten Spieler wieder zurück sein - allein beim so genannten US-Import Sutton steht die Diagnose noch aus. Sollten die Cowboys bis dahin gegen Mannheim schon mal gewinnen, könnte sich das anfühlen wie ein zweiter Saisonstart.

© SZ vom 30.05.2016
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