American Football:Herrons Anziehungskraft

American Football: Seit drei Wochen steht der neue Quarterback fest: Vom US-Amerikaner Jake Schaefer erwarten sich die Munich Cowboys einiges.

Seit drei Wochen steht der neue Quarterback fest: Vom US-Amerikaner Jake Schaefer erwarten sich die Munich Cowboys einiges.

(Foto: Schunk)

Um den neuen Cowboys-Coach hat sich ein riesiger Kader versammelt

Von Christoph Leischwitz

Das Saisonziel? "Wir wollen das beste bayerische Team werden", sagt der neue Trainer Kevin Herron. Streng genommen handelt es sich um ein sehr kurzfristiges Ziel. Denn die Spielansetzer der Football-Bundesliga GFL haben festgelegt, dass die Munich Cowboys gleich zum Saisonauftakt am 7. Mai die Allgäu Comets empfangen - und schon zwei Wochen später auch gleich das Rückspiel dieses Derbys stattfindet. Da es sich bei den Cowboys und den Comets um die einzigen bayerischen Teams der ersten Liga handelt, könnte das erste Saisonziel ziemlich früh erreicht sei - oder eben nicht. Glücklicherweise hat Herron noch ein paar andere Ideen, um seine Mannschaft auch für die verbleibenden Spiele bis Anfang September zu motivieren.

Es hat sich viel getan bei den Cowboys seit vergangenem Herbst, als sie knapp an den Playoffs vorbeischrammten, vor allem aber nichts mit dem Abstieg zu tun hatten. Den Vertrag mit Cheftrainer Denauld Brown hatten sie nicht verlängert, schon seit Jahren lag ein anderer Trainer-Plan in der Schublade, der sich endlich realisieren ließ: In Kevin Herron ist ein ehemaliger Cowboy zurückgekehrt, der in den vergangenen Jahren reichlich Trainererfahrung gesammelt hat, unter anderem beim europäischen Spitzenteam Innsbruck Raiders.

Die Verpflichtung des angesehenen Coaches löste eine Kettenreaktion aus, die in ihrem Ausmaß selbst die Cowboys überrascht hat. Der Trainerstab der ersten Mannschaft besteht nun aus zehn Personen, die zweite Mannschaft hat weitere vier. Der große Trainerstab wiederum lockte Spieler an. Allein neun kamen vom Stadtkonkurrenten, dem Zweitligisten München Rangers, sechs weitere von den Mannschaften aus Kirchdorf und Burghausen. Hinzu kommt Rückkehrer Fabien Gärtner, der ein Jahr lang in Innsbruck spielte. Vom US-Amerikaner Jake Schaefer als neuem Quarterback erhofft man sich bei den Cowboys eine Menge, ebenso vom neuen Abwehrchef Marice Sutton.

Nun tummeln sich so viele Spieler im Training, dass man erstmals seit Jahren wieder von Konkurrenzdruck sprechen kann. "Wir verfahren nach dem 65-Mann-Roster-Konzept", erläutert Herron. Das bedeutet: 65 Spieler gehören zum erweiterten Kader, doch an einem Spieltag sind nur 50 zugelassen. Wer das Nachsehen hat, tritt mit der zweiten Mannschaft an. Auch zu ihr gehören so viele Spieler, dass man das Team bereits zweiteilen musste. Früher kamen meist nicht mehr als 40 ins Training. "Jetzt können wir sagen: Wenn der Einsatz nicht stimmt, bist du für die GFL nicht geeignet", sagt Cowboys-Präsident Werner Maier selbstbewusst.

Allein durch die Quantität dürfte die Qualität der Mannschaft schon steigen, zumal die Cowboys in den vergangenen Jahren verletzte Schlüsselspieler meist nicht adäquat ersetzen konnten - jetzt können sie es wohl. Und in früheren Spielzeiten hätte die schiere Masse an Spielermaterial ausgereicht, um als Playoff-Kandidat zu gelten. Doch die Liga habe sich insgesamt enorm verstärkt, glaubt Herron. Frankfurt Universe zum Beispiel als ein ungewöhnlich starker Aufsteiger, der zum Saisonauftakt gegen den Vorjahresfinalisten Schwäbisch Hall nur knapp verloren hat. Erst im Halbfinale gescheitert waren in der vorigen Spielzeit die Allgäu Comets, und so verfolgt Herron im Messen um die bayerische Football-Vorherrschaft wohl auch einen Hintergedanken: Wer in der Tabelle vor den Kemptenern landet, landet wohl auch in den Playoffs. Wie eingespielt das große, neue Team schon ist, wird sich erstmals am kommenden Samstag zeigen. Dann empfangen die Cowboys im Dantestadion (16 Uhr) den Zweitliga-Aufsteiger Ravensburg Razorbacks zu einem Testspiel.

Sie hätten nichts gegen eine Playoff-Teilnahme. Doch Herrons zweites Saisonziel kommt eher abstrakt daher: "Wir wollen wachsen, nachhaltig", sagt der Coach. Rein quantitativ ist ihm das auf jeden Fall schon gelungen.

© SZ vom 21.04.2016
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