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American Football:Eine Etage rauf

American Football

Ab durch die Mitte: Brucks Runningback Moritz Albrecht (mit Ei) durchbricht die Münchner Abwehr.

(Foto: Günther Reger)

Mit einem 36:20 gegen die Münchens Rangers sichern sich die Fursty Razorbacks vorzeitig den Titel in der Regionalliga. Zwei Spiele trennen den Klub noch vom Aufstieg - München will dann nächstes Jahr folgen.

Von Christoph Leischwitz, Fürstenfeldbruck

Michael Dohrmann war froh, dass es so heiß war. "Etwas kühler, und wir hätten den Andrang gar nicht mehr bewerkstelligen können", sagte der Sportliche Leiter der Fursty Razorbacks. Trotz der Hitze waren knapp 1000 Zuschauer ins Stadion auf der Lände gekommen, die Tribünen waren voll, auch die im Schatten liegende Beachvolleyball-Anlage wurde genutzt. Natürlich war Dohrmann aber auch froh, dass es zum Rückspiel des Regionalliga-Footballspiels gegen die München Rangers kein Gewitter gab, so wie beim Hinspiel Mitte Mai. Als es damals rund um das Dantestadion blitzte und hagelte, führten die Rangers nämlich gerade. Das Spiel wurde abgebrochen, neu angesetzt - und die Razorbacks gewannen. Ebenso das Rückspiel am späten Sonntagnachmittag: 36:20 hieß es am Ende für die Brucker, die damit einen Spieltag vor Schluss als Meister der dritten Liga feststehen.

"Die Razorbacks waren ein bisschen entschlossener", sagt Rangers -Präsident Arzberger

Ein Münchner Donnerwetter blieb danach allerdings aus. "Wir sind stolz darauf, Vizemeister zu sein", sagte Rangers-Vorsitzender Michael Arzberger, und das, obwohl sein Team zwischendurch 14:6 geführt hatte. Man habe aber gemerkt, dass die Razorbacks "ein bisschen entschlossener waren". Deren Trainer Florian Müller wird am nächsten Sonntag im letzten Ligaspiel gegen Würzburg viele Stammkräfte schonen, "dann wird einmal komplett durchgeschnauft", sagte er. Zwei Wochen bekommt das Team frei, dann beginnt die Vorbereitung auf die Saison nach der Saison: Im September stehen für die Razorbacks zwei Aufstiegsspiele an, gegen die Darmstadt Diamonds und die Biberach Beavers. Nach dem Jeder-gegen-jeden steigen zwei Mannschaften in die zweite Liga auf. Die Diamonds sind ein Traditionsteam, das Müller, 49, unter anderem aus seiner Zeit als Trainer bei den Kirchdorf Wildcats gut kennt. Das Team aus Biberach, bisher in der Regionalliga Südwest ungeschlagen, ist ein großer Unbekannter.

Razorbacks und Rangers sind sich einig: Ohne den jeweils anderen wäre es eine recht langweilige Saison gewesen. Sie haben in den vergangenen Jahren einen ähnlichen Werdegang genommen, beide waren in die zweite Bundesliga auf- und gleich wieder abgestiegen, die Rangers allerdings etwas krachender als die Razorbacks, die immerhin drei Spiele gewannen. Für die dritte Liga wiederum scheinen beide zu gut zu sein. Für zwei Football-Teams ist der Fahrstuhl nach oben freilich zu eng, aber man hätte sich den Platz darin auch nicht streitig gemacht: "Wir hätten nicht vorgehabt zu melden", sagt Arzberger, falls sie den Titel geholt hätten. In der kommenden Saison aber wolle man voll angreifen, das Ziel sei dann klar die Meisterschaft. Bis dahin aber müsse man noch ein paar zusätzliche Spieler verpflichten und um neue Sponsoren werben. Die zweite Liga ist wegen Lizenzierungsgebühren, Schiedsrichter- und Reisekosten um etwa 30 000 Euro teurer als die dritte Liga. Außerdem ist wegen fehlender Derbys mit geringeren Zuschauereinnahmen zu rechnen.

Die Razorbacks sind in ihrer Entwicklung schon ein wenig weiter. Der Abstieg habe "unsere Erfahrung wachsen lassen und unseren Ehrgeiz nur noch erhöht", sagt Sportchef Dohrmann. Das Sponsoring sei wie der Kader breit aufgestellt, und die Spieler stammen fast ausschließlich aus der eigenen Jugend. Die Razorbacks sind der einzige Verein in Südbayern, der sich eine Jugendmannschaft in der höchsten Liga leistet, alle anderen spielen lediglich um die bayerische Meisterschaft. Punktegarant bei den Männern ist der bodenständige Runningback Moritz Albrecht, der auch am Sonntag gegen die Rangers einen Touchdown erlief. US-Quarterback John Eddy könnte in der kommenden Saison zurückkehren, die Razorbacks waren sehr zufrieden mit ihm. "Wenn wir aufsteigen, dann denke ich, dass wir diesmal eine gute Rolle spielen und uns in der zweiten Liga etablieren werden", sagt Dohrmann. Auch bei den Münchnern wird Quarterback Brandon Watkins höchstwahrscheinlich bleiben, ob Allrounder Lucky Dozier gehalten werden kann, ist aber fraglich.

Sollte Bruck der Aufstieg gelingen (Müller: "Ich bin da ganz zuversichtlich"), dann würden sich die Rangers jedenfalls darüber freuen, sich in einem Jahr wiederzusehen. Dann eine Etage höher.

© SZ vom 31.07.2018
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